Der lange Marsch der UBS

China gilt als wichtiger Zukunftsmarkt für die Vermögensverwaltung. Doch Peking öffnet den Markt für ausländische Finanzinstitute nur zögerlich.

Stets zu Diensten: Angehende Butler warten im chinesischen Chengdu auf vermögende Kundschaft. Foto: Taylor Weidman (Getty Images)

Stets zu Diensten: Angehende Butler warten im chinesischen Chengdu auf vermögende Kundschaft. Foto: Taylor Weidman (Getty Images)

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Die Umgebung ist gediegen: Exklusive Marken wie Burberry, Chloé und Apple haben ihre Shops in diesem Nobel­quartier namens «Neuer Himmel, neue Erde». Gleich um die Ecke steht das Museum der Kommunistischen Partei Chinas, die sich hier vor vielen Jahren zu ihrem ersten Treffen versammelte. Kommunismus und Big Business ist in China schon lange kein Widerspruch mehr. Daher hat auch die UBS in diesem Viertel Shanghais ihre Filiale.

Die Besprechungsräume in der ersten Etage heissen Bern und Basel oder auch Jangtse. Leiterin des Standorts ist Doris Pak. «Wir sind die erste Auslandsbank, die eine eigene Wealth-Management-Einheit in China vollständig besitzt», erzählt die Mittvierzigerin. Das grosse Geschäft in China ist aber noch Zukunftsmusik. Mangels Lizenzen sei das Produktangebot eingeschränkt, räumt Pak ein, etwa auf Termingelder oder regulierte Fondsprodukte, mit denen Chinesen in begrenztem Umfang Auslands­aktien erwerben dürfen.

Das Vermögen der Chinesen dürfte von 10 Billionen Dollar auf 39 Billionen Dollar im Jahr 2022 wachsen.

Der Markt verspricht enormes Wachstumspotenzial. Doch die Regierung öffnet den Bankenmarkt nur in Trippelschritten für Ausländer. Auslandsbanken wie die UBS dürfen in der Regel nur Minderheitsanteile an lokalen Anbietern halten. Es gibt gleich vier Regulatoren, die sich um die Finanzbranche kümmern. Lizenzen werden nur pro Region und für einen bestimmten Geschäftszweig vergeben.

Entsprechend verteilt sich das Geschäft der UBS auf verschiedene Einheiten: Die wichtigsten sind der Broker UBS Securities, der den Schweizern zu knapp 25 Prozent gehört. Und die Wealth-Management-Bank UBS Ltd, die bisher nur in Peking und Shanghai aktiv ist. Rund 1000 Mitarbeiter arbeiten für UBS in China, davon sind bisher nur rund 50 Kundenberater. Chinesen dürfen nur in sehr beschränktem Masse ihre Gelder im Ausland anlegen, aus Angst vor einer breit angelegten Kapitalflucht. Von diesen Restriktionen sind die Bewohner von Hongkong nicht betroffen.

Eine Wette auf die Zukunft

Das Engagement auf dem Festland ist für Banken eine Wette auf die Zukunft. Laut dem Reichen-Bericht der Credit Suisse dürfte das Vermögen der Chinesen von derzeit 10 Billionen Dollar jährlich um rund 6 Prozent wachsen auf 39 Billionen im Jahr 2022. Die Zahl der Millionäre dürfte um 41 Prozent auf 2,8 Millionen steigen.

Die chinesischen Millionäre sind zumeist Unternehmer, die über Auslandsaktivitäten Vermögen abseits des chinesischen Festlandes verfügen. Diese Offshore-Gelder sind heute schon der grosse Treiber des Geschäfts von UBS und anderen Auslandsbanken in der Region. «Beim Wealth Management konzentriert sich das Geschäft mit chinesischen Kunden bisher auf die Standorte Hongkong und Singapur», erklärt Edmond Koh, Chef des Wealth Management in der Region Asia Pacific und Singapur. «Das Festland spielt derzeit noch keine grosse Rolle.» Doch allein das Offshore-Geschäft reiche aus, um pro Jahr ein Wachstum mit chinesischen Kunden von 15 Prozent pro Jahr zu erzielen.

Laut dem Beratungsunternehmen PWC setzen die meisten Auslandsbanken wie Credit Suisse, JP Morgan oder Julius Bär auf das Offshore-Geschäft. Exakte Zahlen zum China-Geschäft veröffentlicht keine Bank, es wird in der Region Asien-Pazifik, kurz Apac, verbucht. Hier gilt UBS mit verwalteten Vermögen von 345 Milliarden Franken als Nummer eins. Laut Schätzungen stammen rund 20 Prozent davon von Chinesen. Nummer zwei der Auslandsbanken in der Region Asien-Pazifik ist die amerikanische Citibank, Nummer drei die Credit Suisse, die hier 190 Milliarden Franken verwaltet.

US-Banken gaben entnervt auf

Die Credit Suisse ist seit vergangenem November mit einem Aktienbroker vertreten, zudem hat die CS ein Gemeinschaftsunternehmen im Bereich Fondsmanagement mit ICBC, der grössten Bank des Landes. Die Fondstochter verwaltet über eine Billion Renminbi (rund 160 Milliarden Franken) für lokale Kunden. Einige US-Banken wie Goldman Sachs haben dagegen frustriert über die langsame Marktöffnung Beteiligungen an lokale Akteure verkauft.

«Es stimmt, China unterstützt zunächst seine heimischen Banken», sagt UBS-Chef Sergio Ermotti, «aber wir als UBS müssen nicht Nummer eins in China sein, damit das China-Geschäft einen starken Wachstumsbeitrag leisten kann».

Joint Venture mit Chinesen

Dafür beschreitet die UBS auch ungewohnte Wege: So hat die Grossbank vor kurzem ein Gemeinschaftsunternehmen mit Qianhai Financial Holdings gegründet, einem Unternehmen der lokalen Regierung des chinesischen Silicon Valley. «Mit dem neuen Joint Venture wollen wir eine digitale Vermögensverwaltung für Affluent-Kunden aufbauen», erklärt Ermotti. Affluent-Kunden sind wohlhabende Kunden, die weniger als eine Million anlegen wollen. In Sachen Mobilbanking ist China Vorreiter. Über den Chatservice Wechat können heute schon die 900 Millionen Nutzer Bankprodukte kaufen.

«Auf lange Sicht ist es klug, trotz hoher Kosten für die lokalen Lizenzen bereits heute Präsenz auf dem chinesischen Festland zu zeigen, um für eine weitere Marktöffnung gewappnet zu sein», urteilt Felix Sutter, Partner der Unternehmensberatung PWC und Präsident der Handelskammer Schweiz - China.

Dieser Bericht entstand im Rahmen einer Pressereise auf Einladung der UBS. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.01.2018, 21:58 Uhr

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