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Der Trick des CS-Angreifers aus Küsnacht

Investor Rudolf Bohli erzielt mit kleinem Einsatz hohe Gewinne. Nun plant er sein Meisterstück und knöpft sich die Credit Suisse vor.

Jorgos Brouzos
Investor Rudolf Bohli bei einem Besuch in Madrid. Foto: De Pablo, Zurita (Laif)
Investor Rudolf Bohli bei einem Besuch in Madrid. Foto: De Pablo, Zurita (Laif)

Rudolf Bohli hat sich in den vergangenen Monaten in der Schweizer Finanzbranche einen Namen als einflussreicher Investor gemacht. Dabei ist der 48-jährige Zürcher kein klassischer Banker. Bohli studierte einst an der ETH Zürich Elektrotechnik, erst danach machte er in der Bankenszene Karriere.

Bei der Bank am Bellevue leitete er das Aktienresearch. Vor vierzehn Jahren gründete er seine Finanzfirma RBR Capital Advisors mit Sitz in Küsnacht ZH. Er verzichtet bei öffentlichen Auftritten auf den feinen Zwirn, tritt stattdessen mit Pulli und Jeans auf und überzeugt als guter Redner.

Nun plant Bohli sein Meisterstück. Er hat laut eigenen Angaben einen Anteil von nur gerade 0,2 Prozent der Credit Suisse erworben. Zusammen mit 100 anderen Investoren will er Druck auf die CS-Spitze erzeugen, um so die Aufspaltung des Konzerns zu erwirken. Dies in der Erwartung, dass die Ein­zelteile profitabler sind als die ganze Bankengruppe.

Guter Gewinn

Bohlis Hedgefonds RBR ist in der Branche kein Schwergewicht. Die Firma verwaltet ein Vermögen von einigen Hundert Millionen Franken. Sie ist auch nicht jedes Jahr besonders erfolgreich. So verlor der Fonds 2016 rund 11 Prozent. Seit seiner Gründung legte das Vehikel aber im Schnitt jährlich um immerhin rund 9 Prozent zu. Besonders bei seinen beiden letzten grossen Engagements ist die Wette aufgegangen.

RBR hat in den vergangenen Jahren Anteile am Zürcher Vermögensverwalter GAM und am Airline-Caterer Gategroup gekauft. Die beiden Investments sollen laut der «Financial Times» eine Rendite von 130 Prozent eingebracht haben. Dabei geht Bohli äusserst unschweizerisch vor. Er baut eine Beteiligung an einem Unternehmen auf, bei dem es wirtschaftlich nicht zum Besten steht, und erzeugt dann über die Medien Druck auf die Firmenchefs. Er ist der erste Schweizer Investor seit dem Banker Martin Ebner, der seine Forderungen so konsequent in die Öffentlichkeit trägt. So lief es etwa bei GAM bescheiden, die Führungsetage um GAM-Chef Alex Friedman erhielt dennoch ein stattliches Salär.

Auf der Website FreeGam.ch listete Bohlis RBR Anfang Jahr auf, was bei GAM alles besser laufen sollte. Der Investor forderte unter anderem eine Lohnreduktion für das Management und einen drastischen Stellenabbau. Damit sollten die Ausgaben der Firma um 100 Millionen Franken sinken. Rudolf Bohli kam bei der Generalversammlung im April aber nicht mit allen seinen Verbesserungsvorschlägen durch. Die Mehrheit der Investoren hielt zur GAM-Spitze. Immerhin wurde das Boni-System für die Chefs angepasst. Im Juni stieg RBR dann bei GAM aus. Er habe einen guten Gewinn gemacht, sagt Bohli gegenüber der «Finanz und Wirtschaft».

Missverstandenes Juwel

GAM war nicht Bohlis einziges Angriffsziel. Anfang 2015 nahm er sich den Schweizer Airline-Caterer Gategroup vor. Auch hier richtete Bohlis RBR Capital eine Internetseite ein und bemängelte auf dieser den Kurs des Unternehmens. Damals trug sie den Namen Savegategroup.com. Dort forderte er Einsitz für seine Vertreter in den Verwaltungsrat, tiefere Löhne für das Management und den Verwaltungsrat sowie ein umfassendes Sparprogramm für die Firma. Auch bei Gategroup änderte sich wenig am Kurs des Unternehmens, der Verwaltungsrat wehrte sich gegen die Einflussnahme von Bohli. Als dann die chinesische HNA-Gruppe Gategroup für 53 Franken pro Aktie übernehmen wollte, verlangte Bohli, dass der Käufer einen doppelt so hohen Preis bezahlen sollte. Für wie viel RBR am Schluss verkauft hat, ist nicht bekannt. Es dürfte aber ein lohnendes Geschäft gewesen sein.

Nun bekommt also die Credit Suisse die Strategie von Rudolf Bohli zu spüren. Wie die Internetseite heisst, auf der Bohlis RBR diesmal seine Forderungen präsentiert, ist nicht bekannt.

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