Dating-Regeln bei der Arbeit: Wer zweimal fragt, ist raus

US-Konzerne haben ihre Dating-Regeln angepasst – auch angesichts der #MeToo-Bewegung. Und wie sieht es in der Schweiz aus?

Google-Mitarbeiter: Strenge Dating-Regeln.

Google-Mitarbeiter: Strenge Dating-Regeln. Bild: Matthias Jurt

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Rund 36 Stunden pro Woche verbringt der Durchschnittsschweizer bei der Arbeit. Da ist es kein Wunder, dass das Büro für viele zum Mikrokosmos wird – inklusive Cliquenbildung, Tratsch, Streit und natürlich Liebe.

Doch gerade letzteres bereitet den HR-Abteilungen vieler Unternehmen in Zeiten der #MeToo-Bewegung Kopfzerbrechen. Wie die HR-Plattform Fishbowl dem «Wall Street Journal» verrät, haben Anfragen zu entsprechenden Regeln in den letzten Monaten stark zugenommen. Viel diskutiert wird die Frage: Wann wird ein Flirt zur Belästigung? Für Männer, die sich das nicht selbst beantworten können, haben Unternehmen das teilweise schon definiert. So etwa Facebook und Google, wie das «Wall Street Journal» berichtet.

Die Regeln sind klar: Einen Arbeitskollegen oder eine Arbeitskollegin um ein Rendezvous zu bitten, ist grundsätzlich okay. Doch lautet die Antwort darauf «Nein», dann war es das. Eine zweite Anfrage ist nicht erlaubt, die gefragte Person kann sich sonst beschweren. Als Nein gelten auch zweideutige Antworten wie «Ich bin beschäftigt» oder «Da kann ich nicht».

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Verwirrung bei Angestellten

Aus den HR-Abteilungen zweier schweizerischer Konzerne – die wegen der Brisanz des Themas nicht genannt werden wollen – heisst es, dass man sich mit dem Thema nun ebenfalls ernsthafter auseinandersetze und erwäge, neue Regeln einzuführen. Keine gute Idee, findet HR-Experte Matthias Mölleney. «Die grösste Gefahr sehe ich darin, dass solche Regeln weitere Regeln erzeugen», so der ehemalige Swissair-Personalchef, der inzwischen die Personalberatung Peopleexpert gegründet hat.

So ergebe sich etwa die Frage, wie man sich im Lift, in der Kantine oder im Meetingraum verhalte. «Und am Ende stehen in diesen Regeln immer Dinge, die selbstverständlich sein sollten.» Ein weiteres Problem sei zudem, dass diese Regeln vor allem dazu dienen, Fehlverhalten juristisch einklagbar zu machen und nicht primär eine Verhaltensänderung zu bewirken.

Und: Auch wenn sie zumindest teilweise Klarheit schaffen – Bei Angestellten können die Regeln auch für Verwirrung sorgen. Eine Mitarbeiterin von Google etwa berichtet dem «Wall Street Journal», dass sie sich teilweise nicht sicher sei, ob es sich bei einer Anfrage um ein platonisches Feierabendbier oder um ein Rendezvous handle. So sei sie schon das ein oder andere mal in ein Rendezvous «hineingestolpert».

«Dinge, die selbstverständlich sein sollten»

Das Risiko sieht auch Personalexperte Matthias Mölleney. «Eigentlich ist es schade, dass Unternehmen offenbar solche Regeln brauchen», sagt er. Er habe auch keine perfekte Lösung, gesteht er ein, «aber von einer Inflation schriftlicher Verhaltensregeln halte ich wenig.» Er halte es für sinnvoller, dass die Führung in Unternehmen sensibler wird und etwa Personen, die ein übergriffiges Verhalten zeigen, grundsätzlich nicht für Führungsaufgaben eingesetzt werden. Viele Schweizer Firmen sehen das Thema denn auch entspannter. Bei der UBS heisst es, in der Schweiz gebe es erst dann Regeln, wenn eine Beziehung bereits entstanden sei und es dadurch einen möglichen Interessenkonflikt gebe – etwa wenn eine Vorgesetzte mit einem Mitarbeiter zusammen ist oder ein Kundenberater mit der Kundin. Swiss mische sich nicht ein und habe auch keine Einwände gegen Beziehungen am Arbeitsplatz, so etwa eine Sprecherin der Fluggesellschaft. «Dies ist Privatsache unserer Mitarbeitenden.» Bei den SBB heisst es ebenfalls, dies sei kein Thema.

«Bekanntlich entstehen viele Beziehungen am Arbeitsplatz, selbstverständlich ist dies erlaubt und gehört zum Privatleben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter», sagt eine Sprecherin der Migros. «Wir haben keine Richtlinien dazu.» Falls es wegen einer Beziehung zu Spannungen im beruflichen Umfeld käme, könnten die Mitarbeitenden sich jederzeit an ihren Chef oder ihre Chefin oder eine Ansprechperson vom HR wenden. Ausserdem gebe es auch die Möglichkeit, sich anonym bei einer unabhängigen Stelle beraten zu lassen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.02.2018, 19:53 Uhr

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