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Billie Eilish – das coolste Skatergirl der Welt

Ihre Agenten warnten sie: Da gibt es keinen Hit auf deinem Album. Jetzt revolutioniert die 18-Jährige mit ihrem Bruder zusammen das ganze Business.

Michèle Binswanger
Begeisterte nicht nur Teenies: Billie Eilish bei ihrem Auftritt am Zurich Openair 2019.
Begeisterte nicht nur Teenies: Billie Eilish bei ihrem Auftritt am Zurich Openair 2019.

Es ist lange her, dass eine ähnliche Figur auf die Bühne der Weltöffentlichkeit trat und sie dermassen im Sturm eroberte wie die erst im Dezember 18 gewordene Billie Eilish. Zuletzt war das vielleicht Amy Winehouse mit ihrer unverkennbaren Soulstimme, ihren Motown-Songs und ihrem konsequenten Fifties-Stil. Amy liess die goldenen Jahre des Soul auferstehen – und ihre privaten Probleme verschärften das Interesse an ihr als Figur, aber auch als Musikerin.

Und dann kam lange nur der übliche Popzirkus, bis Billie Eilish auf den Plan trat. Sie lässt keine goldene Ära wiederauferstehen, sie schafft eine. Ihr Talent ist einzigartig, schon mit vier Jahren schrieb sie ihren ersten Song für den Los Angeles Children's Chorus.

Im Text ging es darum, wie sie in ein schwarzes Loch fällt. Damit war ihr Thema schon gesetzt, das sie später variantenreich und in geradezu filmisch geschriebenen Texten ausarbeitet. Sie schreibt von schwarzer Verzweiflung und Teenie-Ängsten, vom Schmerz, der in der Schönheit ihrer melodiösen Songs aufgelöst wird. Auch ihre Musik, die sie zusammen mit ihrem älteren Bruder produziert, ist absolut neu. Sie passt zu keinem Genre so richtig, ist ebenso düster wie melodiös, extrem zeitgenössisch und gleichzeitig zeitlos.

Weite Kleider, grosses Selbstbewusstsein

Und da wäre ihr Stil, der ohne Anstrengung scheint, sie aber ebenso auszeichnet wie ihre Musik. Anders als ihre Konkurrentinnen Ariana Grande, Taylor Swift oder sogar Lady Gaga unterläuft Eilish konventionelle Begriffe von Schönheit mit Originalität. Sie tritt gern mit Schlafzimmerblick und Schmollmund auf. In weiten T-Shirts und Skaterschuhen sieht sie aus wie ein klassisches Skatergirl, nur dass ihre Kleider übersät sind mit überdimensionierten Gucci- und Louis-Vuitton-Logos, dazu trägt sie 8 cm lange Fingernägel in Giftgrün und ebensolche Haare.

Sie wolle mit ihren betont weiten Kleidern verhindern, dass man sie sexualisiere, sagte sie der Presse. Und das kommt sehr gut an, wie sich bei ihrem Auftritt am letzten Zurich Openair zeigte.

Das Publikum bestand zu einem grossen Teil aus Teenie-Mädchen, die sich mit Billies Problemen identifizieren können, aber bei weitem nicht nur. Diese Teenies hatten nämlich zu einem Grossteil ihre Eltern, Geschwister und Freunde mitgenommen. Sie kamen nicht nur, um ihren Nachwuchs zu begleiten – viele dieser Eltern waren offensichtlich selbst musikbegeistert und Eilish-Fans.

Schrieb mit 18 Jahren bereits Musikgeschichte: Eilish mit ihren fünf Grammys. Foto: AFP
Schrieb mit 18 Jahren bereits Musikgeschichte: Eilish mit ihren fünf Grammys. Foto: AFP

Sie selbst freut sich über ihren Erfolg, aber der spiele eine untergeordnete Rolle. Sie würde so oder so Musik machen, sagte Eilish BBC, auch wenn es niemandem gefallen würde. So war es auch mit ihrem Hit «Ocean Eyes», den sie zusammen mit ihrem Bruder für ihren Tanzlehrer aufgenommen hatte. Sie teilte ihn auf Soundcloud für den Lehrer, ging zu Bett – und wachte am nächsten Morgen mit voller Inbox auf – alles Leute, die mehr von ihr hören wollten.

Nun hat sie fünf Grammys gewonnen, als jüngste Künstlerin überhaupt, darunter die wichtigsten beiden für ihren Song «Bad Guy» und ihr Album «When We All Fall Asleep, Where Do We Go?». Die Leute aus der Musikindustrie hätten ihr damals gesagt, auf dem Album gebe es keinen Hit, sagte sie jüngst in einem Interview.

Jetzt hat das Album nicht nur den Überhit des letzten Jahres hervorgebracht, sondern war auch als Ganzes ein Hit. Und Eilish die Künstlerin des Jahres. Wenn das keine guten Neuigkeiten sind.

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