Citroën zieht dem Cactus die Stacheln

Die Franzosen positionieren ihre C4-Reihe neu. Der Cactus gibt sich künftig weniger progressiv, aber dafür komfortabler. Die altbackene Limousine hingegen wird ausgemustert.

Der C4 Cactus wurde optisch stark geliftet: Die kissenartigen seitlichen Airbumps verschwinden, das Heck wurde geglättet, und die Front wirkt weniger introvertiert. Foto: PD

Der C4 Cactus wurde optisch stark geliftet: Die kissenartigen seitlichen Airbumps verschwinden, das Heck wurde geglättet, und die Front wirkt weniger introvertiert. Foto: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Citroën trimmt den C4 auf Kuschelkurs. Schade eigentlich, denn gerade in seiner unkonventionellen Form hat der kompakte Franzose mit dem ebenso unkonventionellen Namen Cactus bei seinem Debüt 2014 für Furore gesorgt. Linda Jackson, eben zu dieser Zeit an die Spitze von Citroën aufgerückt und beseelt davon, die Marke mit dem Doppelwinkel aus ihrem latenten Tief heraus und ­zurück zum Erfolg zu führen, hat es so gewollt. Dass nämlich Citroën wieder mutiger werde – frecher, befreit von jahrzehntelanger Biederkeit. Und, so das Credo der 60-jährigen Kanadierin, künftig wieder Autos mit unverwechselbar eigenständigem Charakter baue.

Noch eine Spur eindrücklicher als mit dem C4 Cactus, diese schräge Mischung aus Crossover und Limousine, rundum beplankt mit sogenannten Airbumps (Luftkissen), manifestierten die Franzosen diesen Anspruch mit dem C3. Mit einem noch kompakteren 3,99-Meter-Auto, zu dessen coolem Outfit die seit­lichen Airbumps in Kontrastfarben erst recht passten. Und obendrein Sinn ergaben. Dann jedenfalls, wenn man sich mit dem Auto ebenso cool ins Verkehrs­gewühl stürzte (nicht nur in Paris) und locker auch mal einen Rempler in Kauf nahm. So, wie man das einst mit der ­Citroën-Ikone 2CV, dieser wellblech­ähnlichen Kiste, tun konnte – dem «Döschwo». Der stand von 1948 bis 1990 für das Lebensgefühl von ganzen Generationen in (fast) ganz Europa.

Seitenschweller statt Airbumps

Der C3, dieser zweite Citroën-Revoluzzer der Moderne, wird seine Rolle auch künftig so spielen, wie er das seit 2016 sehr erfolgreich tut. Darauf lässt Linda Jackson sicherlich nichts kommen. Beim C4 Cactus machen die Franzosen nun aber überraschend einen halben Schritt zurück. Der Auslöser dazu: Citroën will die konventionelle, seit längerem alt­backen wirkende C4-Limousine nach 14 Produktionsjahren einstellen und durch den Cactus ersetzen. Doch dazu ist das Auto der Marke mit dem Doppelwinkel offenbar doch etwas zu progressiv. Oder besser: zu stachelig.

Das Highlight ist das Fahrwerk. Es schluckt selbst grobe Schwellen weg. Citroën spricht vom «fliegenden Teppich».

Also wird ihm der spitzigste Stachel gezogen – optisch jedenfalls. Die Airbumps verschwinden und mutieren bestenfalls noch zu Seitenschwellern, die Front mit dem extrem schmalen Kühlergrill und den markanten Leuchteinheiten wirkt weniger extrovertiert, das Heck wurde geglättet. Dass er allein deshalb schon zum Softie wird, kann man zwar nicht behaupten. Dass der Cactus neu auf kuschelig macht, das allerdings schon. «Comfort ist cool» lautet auch das neue Motto, unter welchem Citroën den gelifteten Cactus im April zu Preisen ab 21'200 Franken auf die Strasse bringt.

Sitze werden zu Fauteuils

Und so versinkt man denn beim Einsteigen nachgerade im Wohlgefühl der gepolsterten Sessel. Sie bestehen aus neu entwickeltem, geschäumtem Kunststoff, der sich ähnlich wie bei einer wohl nicht ganz billigen Matratze dem Körper anpasst. Diese wahren Fauteuils sind aber nur ein Teil der neuen Komfortoffensive, die dem neuen Cactus zuteilwird. Markant verbessert haben die Franzosen auch die Dämmung gegen Wind- und Motorengeräusche. Das Highlight ist aber sicher das neue, progressive Fahrwerk, dessen spezielle Hydraulik das ­Zusammenspiel zwischen Federbeinen und Stossdämpfern in einem Mass optimiert, wie man das in der Kompaktklasse bisher nicht kannte. Selbst grobe Schwellen schluckt der C4 Cactus weg, als wären sie nicht vorhanden. Und so parlieren die Franzosen unbeschwert und selbstbewusst von einem «fliegenden Teppich».

Mitte April bringt Citroën den Wohlfühl-Cactus mit drei Motoren an den Start. Die beiden Dreizylinder-Benziner leisten 100 und 130 PS und halten den 1100 Kilo leichten und mit einer Länge von 4,17 Meter sehr kompakten Fünfplätzer ganz flott in Schwung. Der Vierzylinder-Selbstzünder mit 99 PS hingegen überzeugt mehr durch seinen Normverbrauch von 3,6 Liter auf 100 ­ Kilometer als durch seine Leistung. Die Preisspanne reicht von 21'200 bis 27'800 Franken, die Liste an Optionen bis hin zum Panorama-Glasdach ist ­allerdings lang.

Peter Hegetschweiler fuhr den C4 Cactus auf Einladung der Citroën Suisse SA in Südfrankreich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.02.2018, 18:13 Uhr

Bequemer Trendsetter

Citroën C4 Cactus

Modell: Kompakter Fünfplätzer.

Masse: Länge 4170 mm, Breite 1714 mm, Höhe 1480 mm, Radstand 2595 mm.

Kofferraum: 358 bis 1170 Liter.

Motoren: Zwei Dreizylinder-Benziner mit 110 und 130 PS, ein Vierzylinder-Diesel mit 99 PS.

Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 9,1 bis 11,8 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit von 184 bis 193 km/h.

Verbrauch: 3,6 bis 4,5 Liter auf 100 Kilometer.

CO²-Ausstoss: 94 bis 110 Gramm pro Kilometer.

Preis: ab 21'200 Franken.

Markteinführung: April.

Infos: www.citroen.ch


Vergleichsdienst

Finden Sie in nur fünf Schritten die optimale Versicherung für Ihr Auto.
Jetzt vergleichen.

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitag um 16 Uhr Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Kleiner Punk: Ein junger Buntspecht sitzt in Rafz auf einem Baumstamm. (18.Juni 2018)
(Bild: Leserbild: Peter Koch) Mehr...