Auto-Salon setzt auf Technologie und Emotionen

Am Donnerstag öffnet die 88. Geneva International Motor Show ihre Tore. Die Messeleitung fokussiert auf alternative Antriebe und das Besuchserlebnis.

Mercedes-AMG enthüllt heute bei den Pressetagen in Genf den viertürigen GT als eine von über 100 Premieren. Foto: PD

Mercedes-AMG enthüllt heute bei den Pressetagen in Genf den viertürigen GT als eine von über 100 Premieren. Foto: PD

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Dieselskandal, Dieselverbote, Produktionsimpotenz bei Tesla und Streit um die Zölle: Man könnte meinen, die Automobilindustrie stecke tief in der Krise. Doch die meisten Hersteller melden Rekordverkäufe und Rekordgewinne. Und auch der Schweizer Automarkt steht gut da: In den ersten beiden Monaten 2018 sind 43'963 neue Personenwagen immatrikuliert worden – ein Plus von 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. «Das ist nicht nur ein gutes Vorzeichen für den Auto-Salon, sondern für die ganze Schweiz», sagt Salon-Direktor André Hefti. «Die anhaltende Beliebtheit des Autos hat auch bei uns positive Auswirkungen auf die Wirtschaft: 220'000 Arbeitsplätze hängen direkt und indirekt mit der Autobranche zusammen. Wir sind zwar keine Herstellernation, aber Garagisten, Autoimporteure, Transporteure, Tankstellen und Versicherungen generieren jährlich einen Umsatz von 90 Milliarden Franken. Und bei uns sind derzeit mehr als 4,5 Millionen Autos registriert.»

Davon fährt ein immer grösserer Anteil mit alternativen Antrieben. «Im Februar 2018 wurden fast doppelt so viele Elektro- und Gasautos verkauft wie 2017», freut sich Auto-Schweiz, die Vereinigung Schweizer Automobilimporteure. «Gemeinsam legten die Alternativantriebe in den ersten beiden Monaten im Vorjahresvergleich um 33,8 Prozent zu und kamen auf einen Marktanteil von 6,0 Prozent. Ende Februar 2017 lag der Wert noch bei 4,7 Prozentpunkten.»

100-km/h-Spurt wird unwichtig

An diesem Trend soll die Geneva International Motor Show (GIMS) nichts ändern, sondern soll ihn weiter beschleunigen. «Der Genfer Auto-Salon zeigt jedes Jahr die neusten Trends der Branche. Dazu gehört auch die Entwicklung hin zu mehr Energieeffizienz», erklärt Thomas Weiss, Fachspezialist Mobilität beim Bundesamt für Energie. «Darum ist Energie Schweiz 2018 mit dem Projekt CO2tieferlegen.ch bereits zum dritten Mal Presenting Partner und macht auf die Vielfalt energieeffizienter Autos aufmerksam.» Und obwohl der Auto-Salon traditionsgemäss eher für spektakuläre Sportwagen und futuristische Studien steht, bestätigt Direktor André Hefti die Wichtigkeit der alternativen Technologien und Partnerschaften. «Sie zeigen, dass sich die Industrie ihrer Verantwortung trotz den letzten Skandalen bewusst ist. Und wir beweisen mit der Partnerschaft mit CO2tieferlegen.ch, dass wir die Umweltziele unterstützen. Die Energieeffizienz der Neuheiten ist heute mindestens so wichtig wie die Anzahl PS oder der Spurt von null auf hundert. Die Zeiten ändern sich auch bei uns.»

Das ist auch nötig. Denn Messen wie die Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas versuchen den traditionellen Autoshows nicht nur das Publikum, sondern auch die Aussteller abzujagen. Angst macht das Salon-Direktor André Hefti aber nicht. «Ich war im Januar in Las Vegas an der CES – eine faszinierende Show, aber keine Autoshow. Die meisten Hersteller zeigten nur Prototypen und Visionen. Das ersetzt noch keinen Auto-Salon», sagt er kämpferisch. «Viel wichtiger ist der aktuelle Austausch zwischen der Autoindustrie und dem Silicon Valley. Es gibt mittlerweile sehr viele Autobauer, die direkt mit Google, Microsoft oder Apple zusammenarbeiten. Das ist die Zukunft. Und die ist somit auch in Genf präsent.» Auch das Abwandern vieler «Enthüllungen» im Vorfeld des Auto-Salons ins Internet bereitet Hefti kein Kopfzerbrechen. Denn Hefti ist überzeugt, dass digitale Premieren einen realen Besuch nicht ersetzen können. «Das Auto weckt noch immer Emotionen, die kein HD- oder 5K-Bildschirm vermitteln kann. Die geschwungenen Kurven einer Karosserie, aromatisch riechendes Leder, die Musik aus der Soundanlage, die Passform eines Sportsitzes oder die Haptik eines Lenkrads – das muss man mit all seinen Sinnen erfassen. Das kann kein Computer bieten, aber wir schon.»

Jaguar I-Pace als Botschafter

Für besonders viel Aufmerksamkeit bei den rund 700'000 erwarteten Besuchern dürften ab Donnerstag zwei neue SUV sorgen – der Jaguar I-Pace und der Hyundai Kona Electric. Während sich die Koreaner schon lange und erfolgreich auf dem Spielfeld der alternativen Antriebe tummeln, ist Jaguar ein Neuling auf diesem Gebiet. Doch kleine Brötchen wollen die Briten trotzdem nicht backen. Im Gegenteil: «Mit dem rein elektrisch angetriebenen Performance-SUV I-Pace rückt Jaguar an die vorderste Front der elektrischen Antriebsrevolution», schreiben sie. Die Daten zu den grossen Worten: Der von A bis Z als Elektrofahrzeug konzipierte I-Pace verfügt dank je einem Elektromotor pro Achse über Allradantrieb. Beide Motoren leisten kombiniert 400 PS und beschleunigen den knapp 4,7 Meter langen Wagen in 4,8 Sekunden auf Tempo hundert. Gemessen nach dem neuen WLTP-Zyklus (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure) soll der Jaguar 480 Kilometer mit einer Ladung schaffen. Das kostet mindestens 82'800 Franken. Und wer ab und zu auf der Aufpreisliste ein Häkchen setzt, landet in wenigen Sekunden bei einem Preis von über 100'000 Franken. Egal, der Jaguar I-Pace ist ein perfekter Botschafter für den Wandel in Genf: Er verbindet die Tradition eines Autobauers mit der Technik der Zukunft.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.03.2018, 17:11 Uhr

88. Autosalon Genf

Zahlen und Fakten

180 Aussteller, über 110 Welt- und Europapremieren, 70 Pressekonferenzen, 900 ausgestellte Modelle. Die Veranstalter rechnen mit rund 700'000 Besuchern.

Dauer Vom 8. bis 18. März 2018.

Öffnungszeiten Montag bis Freitag 10.00 bis 20.00 Uhr, Samstag und Sonntag 9.00 bis 19.00 Uhr.

Eintrittspreise Erwachsene 16 Fr., Kinder von 6 bis 16 Jahren, AHV- und IV-Bezüger 9 Fr., Gruppen (mehr als 20 Personen mit Begleitung/Pers.) 11 Fr. Ab 16.00 Uhr 50 % Rabatt auf alle Eintrittstickets vor Ort.

Anreise Mit dem ÖV. Die SBB offerieren vergünstigte Kombi-Tickets Unterkunft plus Eintritt, Übernachtung und Saloneintritt ab 64 Fr./Person.


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