Auf Distanz zum Scharia-Recht

Warum Imame in der Schweiz geschult und entlöhnt werden müssen.

Michael Meier@tagesanzeiger

Warum mochte sich Imam Youssef Ibram 2004 nicht von der Steinigung für Ehebrecherinnen distanzieren? Weil der Marokkaner sechs Jahre im Scharia-Staat Saudiarabien studiert hatte. Besser, er würde nicht in der Schweiz predigen, schon gar nicht an den grossen Moscheen in Volketswil und Genf. Hier hat die Scharia nichts zu suchen. Ibram verweigert das Gespräch, weil ihm die Medien damals übel mitgespielt hätten, erklärt Muhammad Hanel, der Sprecher der Zürcher Muslime. Als «rufmordende Meute» hätten sie jemandem, dem Religion wichtig sei, verunmöglicht, ernsthaft ins Gespräch zu kommen.

Meint Hanel allen Ernstes, man müsse in der Schweiz über die Steinigung von Ehebrecherinnen diskutieren können? Das nährt höchstens den Verdacht, dass gewisse Moschee-Exponenten sich zwar zu Rechtsstaat und Menschenrechten bekennen, aber nur solange diese den Scharia-Normen nicht widersprechen. Leider fehlt hierzulande noch immer eine Imam­ausbildung. Das religionspädagogisch aktive Zentrum in Freiburg genügt nicht. Eine universitär-theoretische Ausbildung müsste sicherstellen, dass hiesige Vorbeter zum Scharia-Straf- und -Familienrecht auf Distanz gehen.

Imamausbildung im Gesetz

Als der Bund anfing, über die Ausbildung von muslimischen Betreuungspersonen nachzudenken, war auch Youssef Ibram involviert. Inzwischen hat er sich zurückgezogen. Eine solche Ausbildung missfällt nicht nur der SVP, sondern auch konservativen Muslimen. Erinnert sei an den Streit um Mouhanad Khor­chide, der in Münster das Zentrum für muslimische Religionspädagogik leitet und einen angstfrei-barmherzigen Islam vermittelt. Die Muslimverbände distanzierten sich von Khorchides «weichgespültem Islam».

Österreich hat seit letztem Jahr ein Islam-Gesetz, das eine Imamausbildung fordert und die Auslands­finanzierung von Moscheen und Vorbetern untersagt. Bei uns ist auch die Frage der Finanzierung ungelöst. An der Genfer Moschee sind es saudische Stiftungen, die Imame finanzieren, an vielen türkischen Moscheen das Religionsministerium Diyanet. Den Slogan «Keine importierten Imame» ernst zu nehmen, hiesse, die Imame vor Ort zu bilden und zu entlöhnen.

Tages-Anzeiger

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