Die zentrale Figur steht neben dem Feld

Wacker Thun holt sich den Schweizermeister-Titel. Der Kommentar von Sportredaktor Adrian Horn zur Rolle des Trainers Martin Rubin.

Adrian Horn

Es ist keine Grosstat, ein Team zum ­Gewinn des Schweizer-Meister-Titels zu coachen, das Spieler wie Lukas von Deschwanden, Lenny Rubin und Nicolas Raemy enthält. Dass die Thuner aber überhaupt erst so gut geworden und als Favorit in die Saison gegangen sind, ist vornehmlich das Verdienst von Martin Rubin.

Er ist ein exzellenter Ausbildner, der es immer wieder hinkriegt, aus unbekannten Akteuren Leistungsträger zu formen. Als er Wacker 2007 übernahm, stand ihm eine Reihe profilloser Talente zur Verfügung. In den elf Jahren ­seines bisherigen Schaffens gewannen die Berner dreimal den Cup und zweimal das Championat.

Unter dem ehemaligen Bundesligaprofi haben sich die vorübergehend in der Abstiegsrunde engagierten Oberländer nachhaltig zum Topclub entwickelt.Rubin ist ein atypischer Handballtrainer. Er ist kein Kontrollfreak, überträgt Spielern wie Assistenzcoachs Verantwortung; er setzt Leitplanken, zwängt einen aber nicht in ein Korsett.

Während es andere Teamchefs für unerlässlich halten, die eigenen Leute fortwährend zusammenzustauchen und jeden Schiedsrichterpfiff mit einem Schrei zu quittieren, tritt der Thuner betont besonnen auf. In einer aussergewöhnlich ereignisreichen Sportart ist im Vorteil, wer Ruhe und Übersicht zu bewahren vermag.

Der 53-Jährige hat in Thun ein Klima geschaffen, in dem hohe Ambitionen und Bodenständigkeit koexistieren. Und parallel zu seinen Akteuren ist auch er besser ge­worden. Er scheut sich längst nicht mehr, unpopuläre Entscheidungen zu treffen, ist nicht mehr nur der liebe Kerl, für den man ihn in den Anfängen seines Schaffens gehalten hat.

Ein Menschenkenner ist er geblieben. Zu Beginn der Saison setzte er im Tor demonstrativ und uneingeschränkt auf die langjährige Nummer zwei Marc Winkler, der unterdessen Eckpfeiler im Ensemble ist.

Es gilt festzuhalten: Der Spieler Rubin, der war gut. Der Trainer Rubin aber, der ist noch besser.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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