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Die UBS wird zum Spielball der Märkte

Noch vor einem Jahr galt die UBS als mächtiger Konzern, der seine langfristige Zukunft mit selbst gewählten Strategien erfolgreich gestalten konnte. Heute ist alles anders.

Fehlspekulationen, unzufriedene Kunden, Verluste, vermutete Regelverstösse in den USA und die Verwicklung in Steueraffären haben in der Bank ein hektisches Krisenmanagement ausgelöst. Deshalb ist von aussen keine zusammenhängende Unternehmensstrategie mehr zu erkennen.

Das Ausbrechen stets neuer Krisen hat dem Ruf der UBS arg zugesetzt. In den vergangenen zwölf Monaten ist die Aktie der Grossbank auf 30 Prozent ihres früheren Wertes zurückgefallen. Sie lebt derzeit mehr von Übernahmegerüchten als von einer konkret erkennbaren Trendwende im Unternehmen. In Börsenkreisen wird der britischen Grossbank HSBC ein Interesse an der UBS nachgesagt. Dass die Briten eine Übernahmeofferte lancieren, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Sie müssten sich nach einem Kauf um all jene Probleme kümmern, die jetzt die UBS plagen:

  • Die Gefahr weiterer Wertberichtigungen auf problematischen Bilanzpositionen
  • Kundenverluste, die nur zum Teil durch Preiszugeständnisse verhindert werden können
  • Schwachstellen im Anlagefondsgeschäft und in der Vermögensverwaltung
  • Risiken im Zusammenhang mit Steuerhinterziehung und Steuerbetrug durch UBS-Kunden
  • Unsicherheit über mögliche Sanktionen gegen die UBS durch amerikanische Behörden
  • Redimensionierungsbedarf im Investmentbanking
  • Verunsicherung unter den Mitarbeitenden

Gerade die Probleme in den USA sind sehr ernst zu nehmen. Denn seit die UBS 2004 von der amerikanischen Notenbank für einen Vertragsbruch im internationalen Banknotenhandel mit 100 Millionen Dollar gebüsst worden ist, kann sie nicht mehr auf einen Vertrauensbonus in den USA zählen. Aber nicht nur eine hohe Busse wäre schädlich für die UBS. Belastend für das Geschäft mit den reichen Privatkunden ist bereits die Erwartung, dass die UBS gezwungen wird, als Hilfssheriff der amerikanischen Steuerbehörden zu operieren. Eine solche Lösung würde den Interessen vieler Kunden widersprechen.

Bereits ohne diese zusätzlichen Belastungen lässt sich der Vertrauensverlust der UBS mittels öffentlich zugänglicher Informationen messen. So zeigen zum Beispiel die Zahlen über den Markt für Anlagefonds in der Schweiz, dass die UBS als Fondsmanagerin massiv Terrain verloren hat. Der Marktanteil der Grossbank ist gemäss dem Fondsresearch von Lipper zwischen März 2007 und März 2008 von 32 auf 28 Prozent zurückgegangen. Weil Anlageberater bevorzugt die hauseigenen Fonds verkaufen, kann indirekt auf Kundenverluste der UBS in der Schweiz geschlossen werden. Auf jeden Fall sind bedeutend weniger Kunden bereit, sich auf das Fondsmanagement der UBS zu verlassen.

Einen ähnlichen Schluss kann man aus den von der UBS publizierten Zusatzinformationen zur Bilanz ableiten: Am 30. Juni 2007 hatten alle Kunden zusammen 616 Milliarden Franken in Form von Kontoguthaben und Geldmarktanlagen zur Verfügung gestellt. Neun Monate später waren es nur noch 567 Milliarden.

Insgesamt gibt es bei der UBS so viele Fragezeichen und Risiken, dass nachvollziehbar ist, warum eine grosse Zahl von Aktionären ihre Papiere auf den Markt geworfen hat. Bei jedem Aktienverkauf gibt es jedoch auch einen Käufer. Auffallend ist, dass vor allem professionelle Anleger aus dem Ausland UBS-Aktien kaufen. Ein Beispiel dafür ist Luqman Arnold, der frühere Präsident der UBS-Konzernleitung, der mit seiner Beteiligungsgesellschaft bereits 2,5 Prozent der UBS-Aktien hält. Schweizer Anleger, die vor der Krise besonders treue Aktionäre waren, haben in den letzten Monaten ihre Beteiligung an der UBS reduziert. Diese ist somit auf dem besten Weg, eine ausländisch kontrollierte Bank zu werden.

Grossaktionäre auf dem Vormarsch

Die Grossinvestoren, deren Bedeutung von Monat zu Monat zunimmt, werden einen bestimmenden Einfluss auf den Verwaltungsrat und die Konzernleitung ausüben. Die immer noch dringend nötige personelle Erneuerung der Führungsgremien bleibt dabei eine wichtige Forderung. Gleiches gilt für Korrekturen bei der Unternehmensstrategie.

Unter den Veränderungen im Aktionariat wird nicht zuletzt die Aktionärsdemokratie leiden. Die UBS-Generalversammlungen werden in Zukunft noch mehr zu Folklore-Veranstaltungen für Kleinaktionäre. Verwaltungsrat und Geschäftsleitung werden nämlich die wichtigen Geschäfte im Vorfeld der Generalversammlung mit den Grossaktionären absprechen. Diese müssen an der Versammlung gar nicht erst das Wort ergreifen, um sich durchzusetzen. Als Folge werden weitere Kleinaktionäre aussteigen, weil ihre Aktien in den Händen der Grossaktionäre schlicht mehr Wert sind.

Vor tief greifenden Umwälzungen?

Es kann aber auch vorkommen, dass die Grossaktionäre nicht zufrieden sind mit den Leistungen der UBS-Führungsorgane. Dann werden von der Generalversammlung wahrscheinlich neue Verwaltungsräte gewählt – selbstverständlich solche, die von den Grossinvestoren unterstützt werden. Die auf ein Jahr verkürzte Amtsdauer für die Mitglieder des UBS-Verwaltungsrates wirkt disziplinierend: Da kein Verwaltungsrat gerne abgewählt wird, werden die Grossaktionäre offene Ohren für ihre Anliegen finden.

Somit ist fraglich, ob die UBS in ihrer heutigen Einheit bestehen bleibt. Aktive Aktionäre, die den Wert ihrer Anlage steigern wollen, können zur treibenden Kraft für eine fundamentale Umgestaltung werden. Man kann sich deshalb fragen, ob die ausländischen Grossaktionäre auch längerfristig in ein starkes Standbein der UBS in der Schweiz investieren wollen.

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