Zum Hauptinhalt springen

Solidarische Langnau-FansDie Tigers sind überwältigt

Über 126’000 Franken haben Fans der SCL Tigers ihrem Club überwiesen. So greifen sie dem Verein in den unsicheren Corona-Zeiten unter die Arme.

Ob damals bei der Eröffnung der neuen Ilfishalle oder jetzt in den Corona-Zeiten: Egal, was ist, die Fans stehen hinter den SCL Tigers.
Ob damals bei der Eröffnung der neuen Ilfishalle oder jetzt in den Corona-Zeiten: Egal, was ist, die Fans stehen hinter den SCL Tigers.
Manuel Zingg

Dass die SCL Tigers eine besonders treue Fangemeinde haben, ist hinlänglich bekannt. Aber mit einem derart starken Zeichen der Solidarität hätten die Club-Verantwortlichen nicht gerechnet. Als der Bundesrat Ende Februar wegen der Corona-Pandemie entschied, Grossveranstaltungen zu verbieten, mussten dieTigers erst vor leeren Rängen spielen, danach wurde die Saison frühzeitig abgebrochen.

«Budgetierte Einnahmen konnten ohne eigenes Verschulden nicht realisiert werden, während der grösste Teil der Ausgaben unverändert blieb.» So wird auf der Website Solitickets-scl.ch erklärt, was eine Projektgruppe dazu bewog, aktiv zu werden. Sie wollte dem vor grossen wirtschaftlichen Herausforderungen stehenden Club unter die Arme greifen. Ihre Initiative führte zu Einnahmen von (Stand 1. Juli) 126’176.85 Franken, die den Tigers letzthin überwiesen wurden.

Perfekt vorbereitet

Es waren der Sektor46, ein Dachverband von aktiven Fangruppierungen des SCL, und die Fanszene Langnau, die Anfang Mai mit der Unterstützung zahlreicher weiterer Fanclubs und Partner die Solidaritätsaktion «SCL FÜR IMMER! – SOLI-TICKET» lancierte. «Das Tolle war, dass sie mit einem perfekt vorbereiteten Vorschlag zu uns kamen und wir das Projekt nur noch absegnen konnten», lobt der Fan-Verantwortliche Adrian Gerber im Namen des Clubs.

Sie verkauften Tickets für ein Spiel, das keinen Spass verspricht.

Kaum gestartet, zeigte sich, dass die Tigers-Anhänger auch tatsächlich mitmachen würden. Die Projektgruppe hatte es nicht bei einem einfachen Spendenaufruf bewenden lassen. Sie verkaufte Tickets für ein Spiel, das keinen Spass verspricht, für den Match «SCL vs. Covid-19». Es gab Billetts im Wert von 10, 20, 50 oder 100 Franken zu kaufen. Und sie wurden rege bestellt. Was bedeutete, dass die Mitglieder des Projektteams viele Feierabende opferten, um Tickets zu verschicken.

Grosser Aufwand

16 Personen hätten mitgemacht, rund 2000 Briefe seien verschickt worden, sagt Stephan Studer im Namen der Projektgruppe auf Anfrage. In einer Mitteilung der SCL Tigers räumt er ein, dass die Aktion sehr zeitaufwendig gewesen und auch nicht immer reibungslos gelaufen sei. Da sei schon mal etwas falsch zugestellt worden. Sie hätten aber auch nicht mit einem derart grossen Interesse gerechnet, gesteht er. Studer hält fest: «Die vielen positiven Reaktionen waren sehr toll und eine immense Wertschätzung für unseren Aufwand.» Übrigens: Je teurer die Tickets, umso häufiger wurden sie bestellt.

Es wurden aber nicht nur Billetts verkauft, sondern auch signierte Fan-Artikel versteigert. Das Engagement ist noch nicht beendet, es soll bis mindestens Ende Juli weiterlaufen. In einigen Tagen startet beispielsweise die dritte Auktion von signierten Gegenständen auf Ricardo.

«Das Herzblut für unseren Club ist nicht nur im Winter während der Meisterschaft gross, sondern ebenfalls in schwierigen Zeiten.»

Adrian Gerber, Fan-Verantwortlicher SCL Tigers

«Dass diese Aktion so erfolgreich läuft und dabei ein derart grosser Betrag zusammenkommt, haben wir nicht erwartet», sagt Adrian Gerber. Der Fan-Verantwortliche bedankt sich bei den Initianten gleichermassen wie bei den Fans. Deren Solidarität mit dem Club fasziniert ihn. Gerade eben sei er im Dorf einem Mann begegnet, der seit 50 Jahren jede Saison ein Abo kaufe und nun stark darauf hoffe, auch diesen Winter in der Ilfishalle Spiele verfolgen zu können.

Doch niemand weiss, ob das möglich sein wird. Die Unsicherheiten seien weiterhin gross, eine aussagekräftige Planung nicht möglich. Deshalb kann Gerber auch nicht einschätzen, in welchem Verhältnis zum finanziellen Schaden, den die Pandemie angerichtet hat, die über 126’000 Franken der Fans stehen werden. Aber etwas weiss er: «Das Herzblut für unseren Club ist nicht nur im Winter während der Meisterschaft gross, sondern ebenfalls in schwierigen Zeiten.»