Die SBB brauchen bis Dezember 25 neue Züge – sonst leiden die Pendler

Der neue Doppelstöcker von Bombardier schüttelt immer noch – und nun drohen weitere Einschränkungen für die Passagiere.

Jahrelange Verspätung bei der Auslieferung, nicht behindertengerecht, Software-Störungen: Die SBB lud am 1. Mai zur Fahrt im Pannenzug ein. Video: SDA

Bombardier-Chef Stéphane Wettstein und Personenverkehrs-Chef Toni Häne von den SBB mussten sich gehörig festhalten im neuen Doppelstöcker. Die beiden informierten gestern stehend im Zug über den neusten Stand der Einführung.

Und der Zug machte seinem Ruf als «Schüttelzug» alle Ehre. Er sei halt nicht auf solche tiefen Geschwindigkeiten ausgelegt, sagte Wettstein. So schüttle er etwa bei Spurwechseln.

Das hat auch damit zu tun, dass die SBB ihn gar noch nicht dort einsetzt, wo er schneller fahren könnte. Etwa zwischen Bern und Zürich. Wann dies der Fall sein wird, ist weiter unklar. Priorität hat nun die Intercity-Strecke zwischen Basel und Chur. Dort soll der neue Zug voraussichtlich ab Fahrplanwechsel 2019 im Dezember fahren, sagte Häne.

Bis dahin muss Bombardier weitere Kompositionen fertigstellen. Denn: «Werden nicht genügend Züge geliefert, kommt es zu Einschränkungen für die Passagiere», sagt der Leiter Rollmaterialentwicklung der SBB Christian Frisch.

Auswirkungen auf Pendler

Bis zum Fahrplanwechsel im kommenden Dezember benötigen die SBB 25 der Doppelstockzüge, sagt Frisch. Momentan stehen zwölf im Einsatz. Bis zu fünf werden in den nächsten Wochen übernommen, hiess gestern anlässlich der Medienkonferenz. Das heisst auch, dass bis zum Jahresende noch acht der Kompositionen fertiggestellt und geliefert werden müssen.

Für Pendler hätte eine weitere Verspätung direkte Folgen. Die fehlenden Züge werden heute mit jahrzehntealtem Rollmaterial kompensiert. Material, das die Bundesbahnen eigentlich schon länger aus dem Verkehr ziehen wollten.

Kommen die neuen Bombardier-Züge nicht pünktlich, werden die Uraltfahrzeuge weiter eingesetzt. Auch wenn die Wagen saniert worden sind: Der Fahrkomfort für die Passagiere ist deutlich eingeschränkt.

«Wenn nicht genügend Züge zur Verfügung stehen, müssen kürzere Kompositionen eingesetzt werden», sagt Frisch. Das bedeutet für Pendler vor allem: Weniger Sitzplätze, mehr Stehplätze. Denn auf den nächsten Winter hin planen die SBB einen Angebotsausbau.

Entsprechend würde sich die Situation nochmals verschärfen, wenn es zu erneuten Verzögerungen kommt. Den finanziellen Schaden, der dadurch entstehe, müsste Bombardier tragen, sagt Frisch.

Bombardier verspricht zu liefern

Bombardier hat im März bestätigt, dass man eigentlich bereit ist, neun zusätzliche zu liefern. Ein Bombardier-Sprecher sagte damals zu Tamedia: «Man muss die Züge einsetzen, damit die Zuverlässigkeit weiter erhöht werden kann und Erfahrungen gesammelt werden können.» Denn: «Stehende Fahrzeuge werden nicht einfach so besser.»

Doch die SBB sperrte sich. Zu wenig zuverlässig seien die Züge. Das hat sich nun offenbar geändert.

Bei Bombardier heisst es, dass man bis Ende Jahr das benötigte Rollmaterial liefern kann. Bis circa Ende 2020 dauere es, bis alle 62 Kompositionen fertig wären. Immer unter der Bedingung, dass die SBB auch weiterhin Züge übernehmen werden, sagte der Bombardier-Sprecher weiter.

Türstörungen weitgehend behoben

Seitdem die Doppelstöcker fahrplanmässig unterwegs sind, hat sich ihre Zuverlässigkeit stetig gesteigert. Im März fuhren sie bis zu 3500 statt wie anfangs 850 Kilometer ohne Panne.

Offenbar hat ein Software-Update die gröbsten Probleme bei den immer wieder auftretenden Türstörungen weitgehend behoben. Diese hatten zu Verspätungen oder gar zu Zugsausfällen geführt. Die SBB haben wegen der Umtriebe gar Fahrgäste in der Ostschweiz entschädigt.

Nicht behoben ist das starke Schwanken. Bombardier erhofft sich mehr Laufruhe, indem die Räder der Züge überarbeitet werden. Zurzeit sind zwei der im Einsatz stehenden Fahrzeuge angepasst.

Eigentlich sollte der Doppelstöcker schon vor Jahren geliefert werden. Mit 1,9 Milliarden Franken ist es die teuerste Rollmaterialbeschaffung in der Firmengeschichte der SBB. Wie viel die Bundesbahnen am Ende wirklich zahlen, ist offen: Wegen der Verspätungen sind Bombardier und SBB in Verhandlungen.

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