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Ex-Tennisspielerin bekundet«Die Nummer 1 zu sein, macht keinen Spass – es ist das Gegenteil»

Die Russin Dinara Safina gewann Olympia-Silber und war die Weltnummer 1. Doch glücklich war sie im Tennissport nie – bis jetzt.

Die Russin Dinara Safina war als Tennisspielerin erfolgreich, doch der Sport brachte ihr viel Kummer.
Die Russin Dinara Safina war als Tennisspielerin erfolgreich, doch der Sport brachte ihr viel Kummer.
Foto: Keystone
Zum Leben als Weltnummer 1 sagt sie: «Ich dachte, es würde Spass machen, wissen Sie? Aber eigentlich ist es das Gegenteil.»
Zum Leben als Weltnummer 1 sagt sie: «Ich dachte, es würde Spass machen, wissen Sie? Aber eigentlich ist es das Gegenteil.»
Foto: Keystone
2011 absolvierte sie ihre letzte Partie auf der Profitour, ihren offiziellen Rücktritt gab sie 2014 bekannt (im Bild). «Ich denke, damit konnte ich auch endlich all dem Druck entkommen.»
2011 absolvierte sie ihre letzte Partie auf der Profitour, ihren offiziellen Rücktritt gab sie 2014 bekannt (im Bild). «Ich denke, damit konnte ich auch endlich all dem Druck entkommen.»
Foto: Getty Images
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«Ich denke, der Tennissport hat mich enttäuscht», sagt Dinara Safina. Die ehemalige Weltnummer 1, zwölffache Turniersiegerin und Silbermedaillengewinnerin an den Olympischen Spielen 2008 in Peking hat dem britischen «Guardian» tiefe Einblicke in ihr Leben und emotionales Leiden als Tennisprofi gewährt.

2009 stand die Russin 27 Wochen lang an der Spitze der Weltrangliste und machte es damit ihrem Bruder Marat Safin nach, der dasselbe Kunststück neun Jahre zuvor geschafft hatte (wenn auch nur während neun Wochen). Die beiden sind bis heute das einzige Geschwisterpaar, das sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen die Spitzenposition im Tennis erlangte.

Doch ihr Erfolg stürzte Safina ins Unglück, wie die 34-Jährige offenbarte. «Ich hatte immer den Traum, berühmt und die Nummer 1 zu werden», sagt sie. Aber dann habe sie plötzlich so viel Druck gespürt, dort zu sein. «Ich dachte, es würde Spass machen, wissen Sie? Aber eigentlich ist es das Gegenteil.»

Gefühle nicht gezeigt

Sie erzählt: «Ich konnte mit meinen Gefühlen und all diesen Dingen nicht umgehen. Für mich war es deshalb so schwierig.» Je mehr sie auf Sand dominierte und je höher sie im Ranking aufstieg, desto mehr wurde sie vom Druck gequält und stand in wichtigen Partien am Rande der Tränen.

Während ihr älterer Bruder seinen Gefühlen freien Lauf liess, hie und da einen Schläger zertrümmerte oder mit sonstigen Eskapaden auf sich aufmerksam machte, frass Safina ihren ganzen Kummer in sich herein.

Marat Safin, Bruder von Dinara Safina, liess seine Wut gerne mal an seinen Schlägern aus.
Marat Safin, Bruder von Dinara Safina, liess seine Wut gerne mal an seinen Schlägern aus.
Foto: Getty Images

Besonders ein Thema beschäftigte und bedrückte die Russin ständig: In ihrer Karriere gewann sie nie einen Grand-Slam-Titel – dreimal scheiterte sie im Final, unter anderem an ihr selbst. «Natürlich hört man dann in jedem Interview die gleiche Frage: Wann werden Sie Ihren ersten Grand Slam gewinnen? Ich fing an, wirklich damit zu hadern. Es war sehr schmerzhaft, weil es etwas ist, was ich wirklich gewinnen wollte», so die Sandspezialistin.

Früher habe sie eine idealisierte Vorstellung von einem Dasein als Weltnummer 1 gehabt. Sie habe sich vorgestellt, dann hätte man ein anderes, ein besseres Leben. Heute sagt sie: «Aber wenn du das alles erreicht hast und dir klar wird, dass es überhaupt nicht das ist, was du dir vorgestellt hast – dann zerfallen alle deine Träume.»

«Als Coach möchte ich den Spielern beibringen, nicht dieselben Fehler wie ich zu machen.»

Dinara Safina

2011 absolvierte sie ihre letzte Profipartie und gab drei Jahre später ihren Rücktritt bekannt, weil sie ihre starken Rückenschmerzen nicht in den Griff bekam. «Ich hatte genug von diesen körperlichen Schmerzen. Und ich denke, damit konnte ich auch endlich dem Druck entkommen», blickt Safina zurück.

Dem Tennis hat sie den Rücken aber trotz allem nicht zugekehrt. Heute arbeitet die Russin als Coach und sagt: «Ich möchte nicht, dass Spieler sich auch so fühlen, wie ich mich fühlte. Ich möchte ihnen beibringen, nicht dieselben Fehler wie ich zu machen.»