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Comicstar Zep im Interview«Die Natur wird uns immer überlegen sein»

Der Genfer Comicautor und «Titeuf»-Vater Philippe Chappuis bringt in seinen Büchern Umweltaktivismus und Unterhaltung zusammen.

Philippe Chappuis: «Beim deutschsprachigen Publikum ist das Bewusstsein für Klimaschutz viel weiter entwickelt als im französischsprachigen Raum.»
Philippe Chappuis: «Beim deutschsprachigen Publikum ist das Bewusstsein für Klimaschutz viel weiter entwickelt als im französischsprachigen Raum.»
Foto: PD

Herr Chappuis, darf man Sie als «unseren Roger Federer der Comics» bezeichnen?

Haha! Ich weiss nicht, wie gut Federer zeichnen kann … aber ich bin auf jeden Fall eine Null im Tennis. Es geht also voll in Ordnung, dass die Rollen hier so verteilt sind.

Sie haben Millionen von Comics verkauft, hauptsächlich in Frankreich und Belgien. Hätten Sie sich manchmal mehr Aufmerksamkeit aus dem deutschsprachigen Raum gewünscht?

Man hofft natürlich immer, dass ein Buch und seine Leserschaft zusammenfinden, aber das ist etwas, auf das ich kaum Einfluss nehmen kann. «Titeuf» zum Beispiel besitzt eine grosse Fangemeinde in China und Nordafrika. Bei einer so breiten Leserschaft kommt es nicht selten vor, dass in meinen Büchern Dinge und Zusammenhänge entdeckt werden, die ich nicht bewusst platziert habe.

Was erwarten Sie von Ihrem aktuellen Comic «The End»?

Ich bin gespannt, wie das deutschsprachige Publikum reagiert. Hier ist ja das Bewusstsein für Klimaschutz viel weiter entwickelt als im französischsprachigen Raum.

«Der Gedanke, dass der Mensch über die Natur bestimmt, muss wieder relativiert werden.»

Apropos Klima: In «Paris 2119» und «The End» geht es um Bäume, die sich untereinander organisieren, und Sie zitieren aus Peter Wohllebens Buch «Das geheime Leben der Bäume». War das ein Schlüsselmoment für Sie?

Ich habe das Buch erst später gelesen. Aber der Gedanke, dass der Mensch über die Natur bestimmt, muss wieder relativiert werden hin zur Vorstellung, dass die Natur uns am Ende immer überlegen sein wird.

Wie kamen Sie auf die miteinander kommunizierenden Bäume?

Ich habe die Bücher von Francis Hallé gelesen, einem französischen Botaniker, der schon vor 60 Jahren begann, über die Sprache der Bäume nachzudenken. Mein Sohn, der eine Ausbildung zum Öko-Landwirt gemacht hat, erzählte mir dann die Geschichte über die Kudus. Das sind jene Antilopen mit gedrehten Hörnern in Südafrika, die von ihrer Hauptnahrungsquelle – den Akazienbäumen – vergiftet wurden. Spätestens da habe ich begonnen, mir eine Geschichte zu überlegen.

Wie schwierig ist es, Umweltaktivismus und Unterhaltung zusammenzubringen?

Ich denke, man kann ein ökologisches Thema durchaus witzig rüberbringen. Zumindest habe ich das schon einige Male bei «Titeuf» versucht. Die jüngere Generation erachtet es heute als selbstverständlich, das Klima und die Natur zu schützen, da gibt es keine zwei Meinungen mehr, wie man auch an den diversen Protestbewegungen der letzten Zeit sieht. Aber man muss da dran bleiben, sonst drängt wieder die zerstörerische Seite der etablierten Ökonomie durch.

«Ich habe die Farben so verwendet, wie man es von der Filmmusik kennt.»

Wie gehen Sie konkret an einen solchen Stoff heran?

In «The End» wollte ich eine düstere, hoffnungslose Atmosphäre schaffen. Aber das hat sich so ergeben, im Vorfeld schränke ich mich nicht ein. Ich will gute Geschichten erzählen, und die können mal komisch, mal tragisch, mal fantastisch, mal psychologisch sein. Grafische Literatur bietet all diese Optionen, selbst innerhalb einer Geschichte kann man hin und her wechseln.

«The End» verfügt über ein spezielles Farbkonzept. Was ist mit den Farben Blau, Grün, Braun und Rot gemeint?

Ich habe die Farben so verwendet, wie man es von der Filmmusik kennt, um eine spezielle Stimmung zu erzeugen. Das hat mir geholfen, Passagen zwischen den Szenen zu schaffen, ohne explizit «am nächsten Tag» oder «zur selben Zeit im Naturreservat» hinschreiben zu müssen. Mit den Farbwechseln weiss man intuitiv, dass man woanders ist.

In einigen Ihrer Comics, zuletzt «Paris 2119», beschränkten Sie sich aufs Szenario und holten sich einen anderen Zeichner. Warum?

Seit ich Comics mache, weiss ich, dass mir nur wichtig ist, dass ich meine Geschichten erzählen kann. Sei es, dass ich sie für mich oder eben für andere schreibe. In letzterem Fall gestalte ich die Geschichten etwas freier und freue mich darüber, wie die Zeichner es umsetzen. Klar, wenn ich schreibe und zeichne, fällt die Spannung weg. Dafür habe ich dann über alles die Kontrolle.

Schon bald wieder in neuen Abenteuern zu sehen: Titeuf und seine Eltern.
Schon bald wieder in neuen Abenteuern zu sehen: Titeuf und seine Eltern.
© Carlsen-Verlag

Sie haben auch für den Animationsfilm «Titeuf, le film» das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Wie war Ihre Erfahrung?

Anstrengend. Der Film hat drei Jahre beansprucht. Es war eine Herausforderung, die man nicht ablehnen konnte, und eine wahre Mannschaftsleistung – nahezu 700 Personen haben daran gearbeitet. Aber den Wunsch, eine solche Maschinerie noch einmal zu orchestrieren, verspüre ich derzeit nicht. Im Moment ziehe ich die Einsamkeit vor, die man hat, wenn man an Comics arbeitet.

Und woran arbeiten Sie gerade?

An «Titeuf». Der nächste Band wird im kommenden Sommer erscheinen.

Lesen Sie hier wie Philippe Chappuis zum erfolgreichen Comicautor wurde.