Zum Hauptinhalt springen

Konzert Theater BernDie meisten Schauspielerinnen und Sänger müssen gehen

Wie radikal der Umbruch im Berner Schauspiel- und im Opernensemble wird, zeigt sich erst jetzt. Nur drei Schauspieler bleiben über den nächsten Sommer – und eine Sängerin.

Jonathan Loosli (links) und David Berger (hier in der Theaterfassung von Arno Camenischs  «Der letzte Schnee»)  bleiben wie Stéphane Maeder bei Konzert Theater Bern. Der Rest des Schauspielensembles wird ersetzt.
Jonathan Loosli (links) und David Berger (hier in der Theaterfassung von Arno Camenischs «Der letzte Schnee») bleiben wie Stéphane Maeder bei Konzert Theater Bern. Der Rest des Schauspielensembles wird ersetzt.
Foto: pd/Annette Boutellier

Ein Tag im Berner Kultur-Lockdown: Die Vorstellungen von Konzert Theater Bern sind abgesagt, aber der Betrieb ruht keineswegs. Im Stadttheater wird das Weihnachtsmärchen geprobt. Gegenüber in der alten Kornhauspost arbeiten die Theaterschneiderinnen an den Kostümen.

Irgendwie läuft es weiter. Es ist die zweite Spielzeit der Ungewissheit. Wegen Corona. Und für viele Schauspielerinnen und Schauspieler, Sängerinnen und Sänger ist jetzt gewiss, dass es nicht mehr weitergeht. Der Umbruch, den das Vierspartenhaus vollzieht, war angekündigt und ist nicht ungewöhnlich im Theaterbetrieb. Doch jetzt zeigt sich: Er ist massiv. Die meisten Künstlerinnen und Künstler müssen gehen.

Nur Claude Eichenberger bleibt

Wie Konzert Theater Bern am Montagnachmittag bekannt gegeben hat, ist Mezzosopranistin Claude Eichenberger die Einzige der jetzigen Belegschaft, die im Opernensemble bleibt. Sie wird nach der Sommerpause sieben neue Kolleginnen und Kollegen begrüssen.

Mezzosopranistin Claude Eichenberger, seit 13 Jahren Ensemblemitglied, bleibt weiterhin in Bern.
Mezzosopranistin Claude Eichenberger, seit 13 Jahren Ensemblemitglied, bleibt weiterhin in Bern.
Foto: Nicole Philipp

Im Schauspielensemble wusste Milva Stark bereits seit längerem, dass ihr Vertrag nicht verlängert wird, dazu kamen die freiwilligen Abgänge von Chantal Le Moign, Irina Wrona und Marie Popall auf diese Spielzeit hin – sie treten nur noch als Gastschauspielerinnen in Bern auf. Nun ist bekannt, dass vom jetzigen Ensemble nur Stéphane Maeder, Jonathan Loosli und David Berger einen neuen Vertrag erhalten.

«Kein Bruch, ein Prozess»

Die neuen Spartenleiter Roger Vontobel (Schauspiel) und Nicholas Carter (Oper) durften auf Anfrage keine Stellung zu den Wechseln nehmen – sie werden erst im Frühling über ihre Pläne sprechen. Doch Intendant Florian Scholz äussert sich in seinem Büro im anderen Nebengebäude des Stadttheaters. «Ein Bruch ist ein Bild, das für mich nicht zutrifft. Es ist nicht ein abruptes Ende, das hier ist ein sehr langer Prozess. Erst nach längerer Zeit des Beobachtens sind Nichtverlängerungen angesprochen worden, die dann im kommenden Sommer zum Vertragsende führen», sagt er.

Die Personalplanung ist bei Konzert Theater Bern Chefsache. Natürlich sei die Meinung der künftigen Spartenleiter mit eingeflossen, sagt Scholz, aber letztlich habe er die Entscheide gefällt. «Ich muss derjenige sein, der die Künstler bewertet und beurteilt. Das ist meine Funktion hier im Haus, und dieser müssen wir folgen, damit die Dinge ihre Ordnung haben.»

Florian Scholz, Intendant am Konzert Theater Bern
Florian Scholz, Intendant am Konzert Theater Bern
Foto: Raphael Moser

«Das ist meine Funktion hier im Haus, und dieser müssen wir folgen, damit die Dinge ihre Ordnung haben.»

Florian Scholz, Intendant

Über die Gründe für oder gegen die Vertragsverlängerungen mit den Künstlerinnen und Künstlern wollte er «aus Respekt zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern» nicht sprechen. «Als ich vor eineinhalb Jahren ans Haus berufen wurde, ging man davon aus, dass ein neuer Leiter eine neue künstlerische Idee mitbringt.» Das habe zur Folge, dass es zu personellen Wechseln komme.

Das Publikum verliert einige seiner Lieblinge. «Natürlich wird die Identifikation mit dem Haus auf die Probe gestellt. Aber es ist auch unsere Aufgabe, das Publikum herauszufordern», sagt Scholz.

Weihnachtszeit ohne Märchen

Im Stadttheater ist die Probe des Weihnachtsmärchens «Momo» mittlerweile vorüber. Premiere wäre am 6. Dezember. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass sie stattfindet, ist klein – auch wenn der Berner Regierungsrat den Mini-Lockdown nach einem Monat beenden würde und auch in Bern die etwas milderen Regeln des Bundes gelten würden. «Vor 30 Kindern und 20 Eltern oder Grosseltern bringen wir diese Produktion voraussichtlich eher nicht auf die Bühne», sagt Scholz. Die Produktion werde ihre Zeit bekommen – wann die ist, steht in den Sternen.

4 Kommentare
    Pascal

    Man könnte sich fragen, ob der Stiftungsrat den Intendanten frei gewähren lässt, so nach dem Motto, dieser wisse schon, was richtig sei (war es bei Raiffeisen oder UBS nicht ähnlich?).

    Zudem: Was passiert nun mit den CHF 38'000'000, den die KTB erhählt? Der Grossteil dieser Subventionen müsste nun wegfallen, wenn die Künstler keinen Job mehr haben. Wer schaut hier hin? Wer kontrolliert die Geldflüsse?

    Vielleicht könnte man sich in diesem Zusammenhang fragen, ob der Beitrag an die IKUR von CHF 380'000 vergleichsweise nicht geradezu lächerlich erscheint. Immerhin haben viel mehr Jugendliche und Junggebliebene Freue an den Veranstaltungen im Dachstock der Reithalle statt an den oftmals nicht verständlichen Vorführungen der KTB. Und ja, ich denke bürgerlich, aber ich habe Kinder, und denen macht es mehr Freude, sich im Umfeld der Reithalle zu bewegen als in den Plüschsesseln der KTB.