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Soundcheck «Festival im Garten»Die Leiden der jungen Soukey

Beim Berner Thunplatz stieg am Wochenende eine Art Selbsthilfe-Festival. Die junge Rapperin Soukey war eine der Entdeckungen.

Neue Berner Hip-Hop-Frauenstimme: Soukey rappte und sang am «Festival im Garten» am Berner Thunplatz.
Neue Berner Hip-Hop-Frauenstimme: Soukey rappte und sang am «Festival im Garten» am Berner Thunplatz.
Foto: Enrique Muñoz García

Aus der Not eine Tugend machen: Das alte Motto soll in Zeiten der Post-Corona-Depression erst recht gelten. Kein Gurten-, kein Anyone-can-play-guitar-, ein bloss reduziertes Garten-Festival? Das sind keine guten Nachrichten. Doch wenn auch Veranstalter, welche die vom Bund verordnete 1000er-Grenze kaum schrammen, wegen des bürokratischen Aufwands Forfait geben, schlägt die Stunde der lokalen Selbsthilfe-Gruppen.

So geschehen am Wochenende beim Berner Thunplatz im Park am Eingang zum Dählhölzliwald, gleich neben dem Tennisplatz. Dort organisierte ein Team von «Locals» statt eines Quartierfests zum ersten Mal ein Open Air. Der Aufwand an der Kasse war zwar mit Personenkontrolle und Handy-Codes auch nicht ohne. Aber davon liessen sich weder die Veranstalter noch die ausgehungerten Musikfans abhalten. Zu den rockenden Stadt-Originalen wie Reverend Beat-Man oder den Groove Druids strömte am Freitag jedenfalls eine ansehnliche Menge.

Frauen, die durch die einstige Männerbastion streunen

Dezenter, femininer (oder sollen wir sagen: feministischer) und um einiges jünger gings am Samstag weiter. Bei der Programmation hörten die Organisatoren diesmal auf den eigenen Nachwuchs. So erhielt die 17-jährige Rapperin Soukey eine Plattform. Soukey ist eine der neuen Frauenstimmen des Berner Hip-Hops, die ohne allzu grosse Berührungsängste durch die (einstige) Männerbastion streunen und dort ungefragt ihre musikalischen Tags hinterlassen.

In ihren Texten reibt sich die junge Frau, die von der Berner SP-Politikerin Tamara Funiciello als «Queer Emo Rapperin» empfohlen wurde, an der Welt. Sie singt über Ausgrenzung und Widerstand, über
Ausbruch und Entfremdung, über die Musik als Ventil (« I la mid nid la gheie / wül i alles useschreie»). Und hier ist er auch wieder, der Eskapismus, der sich wie ein roter Faden durchs Berner Liedgut zieht. «Darum fragen’i mi wieso i no hie bi/Wiu irgendwie passi niene häre/Irgendwie muess i mi überau schäme/Darum muess i mi jetz irgendwie entfärne/U flüge richtig Stärne/I ma nüme länger gränne.»

Erst eine Handvoll Songs im Repertoire

Diese Texte sind nicht immer leicht verständlich, weil Soukey ihre Stimme meist mit Effekten verfremdet. Dabei ist das eine authentische Stimme, warm und facettenreich, und die Performance sonst schnörkellos und ungekünstelt. Dass Soukey noch sehr jung ist und sich auf der Suche nach ihrer Identität befindet, hört man – und das ist gut so. Klar, es gibt ein paar formale Einwände, nicht jeder Reim überzeugt, nicht jedes Sprachbild passt. Doch diese Songs sind keine Schnellschüsse, hier kommuniziert jemand mit Musik.

Bald überliess Soukey (links) die Bühne DJane Karaba, die einen sonnigen Sound aus ihrem Mixer zauberte.
Bald überliess Soukey (links) die Bühne DJane Karaba, die einen sonnigen Sound aus ihrem Mixer zauberte.
Foto: Enrique Muñoz García

Viel Zeit, um das neue Talent kennen zu lernen, bleibt nicht. Nur eine Handvoll Songs hat Soukey im Repertoire, neben ihren Youtube-Erfolgen «Tüffuskreis» und «Peace Out» auch zwei neue, noch kaum fertiggestellte Lieder. Dann überlässt sie die Bühne wieder ihrer Begleiterin DJ Karaba, die einen multikulturellen, sonnigen Sound aus ihrem Mixer zaubert. Derweil mischt sich Soukey ins junge, vorwiegend weibliche und leider nicht allzu zahlreiche Publikum und sucht das Gespräch. So nahe kommen sich Künstlerinnen und Publikum nur selten. Und das nicht trotz, sondern wegen der Abstandsregeln.