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Wacker und der SchockDie grosse Stille in der Lachenhalle

Wer den Erfolgscoach beerben könnte, was aus dem Club wird und weshalb die Thuner dem BSV nicht böse sein dürfen: 10 Antworten auf die brennendsten Fragen rund um den Abgang Martin Rubins 2021.

Martin Rubin – und einer, der grundsätzlich das Zeug hätte, nun mehr Verantwortung zu übernehmen: Goalietrainer Andreas Merz.
Martin Rubin – und einer, der grundsätzlich das Zeug hätte, nun mehr Verantwortung zu übernehmen: Goalietrainer Andreas Merz.
Bild: Markus Grunder

Wurden die Thuner vom Entscheid überrascht?

Rubin kommunizierte intern stets sehr transparent. Er tendierte früh dazu, den im Frühling 2021 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Letzte Woche unterschrieb er beim BSV. Präsident Georges Greiner und Remo Badertscher, der Teammanager, wussten davon.

Warum verlässt Rubin Wacker?

Er glaubt, dass nach 14 Saisons Zeit für einen Wechsel sein werde. Das sei gut für ihn, und das sei wohl auch gut für die Spieler, sagt er. «Es kann nicht schlecht sein, mal einen andern Gring vor sich zu haben.»

Wie reagierten die Spieler?

Sie erfuhren am Abend im Training davon – nur wenige Minuten vor der Öffentlichkeit. Als Rubin vor seine Leute trat und den Entscheid verkündete, war es zunächst: sehr still. Später seien einzelne Spieler auf ihn zugegangen und hätten ihm zum neuen Engagement gratuliert, erzählt der Coach.

Wieso wurde der Wechsel so früh kommuniziert?

Das war im Sinne aller Involvierter: Die Beteiligten wissen nun, woran sie sind. Die Thuner etwa haben genügend Zeit, einen Nachfolger zu finden.

Wer könnte denn folgen auf Rubin?

An Fachkompetenz mangelt es im Raum Thun gewiss nicht. Teammanager Remo Badertscher, Dragan Dejanovic, Rubins früherer Assistent, Peter Bachmann, welcher den Club 2002 und 2006 zum Cupsieg führte: Sie alle könnte man sich sehr gut als Nachfolger vorstellen. Vor wenigen Jahren zurückgetretene Spieler wie Andreas Merz, aktuell Torwarttrainer, Roman Caspar und Markus Hüsser brächten zudem alles dazu mit, gute Chefs zu sein. Eine externe Lösung scheint aber nicht unwahrscheinlich. Vielleicht kontaktieren die Thuner ja Aleksandar Stevic, welcher den BSV coacht, ehe Rubin im Sommer 2021 dort übernehmen wird.

Was bedeutet der Wechsel für den BSV?

Den in den letzten Jahren vergleichsweise erfolglosen Stadtbernern gelang mit der Verpflichtung des sehr renommierten Coachs ein Meisterstück. Der Name Rubin verspricht Erfolg. Und Aufmerksamkeit.

Verhielten sich die Stadtberner korrekt?

Ja. Sie haben Wacker den Trainer nicht ausgespannt, auch wenn theoretisch selbst das legitim gewesen wäre. Rubin hätte in Thun in jedem Fall aufgehört. Und dass sie sich für den erfolgreichsten Schweizer Trainer interessieren, zumal dieser eine glanzvolle BSV-Vergangenheit hat, ist logisch.

Wird Rubins letzte Saison seine schwierigste?

Das ist unwahrscheinlich. Die Beziehung Rubin/Wacker hat unter dem jüngsten Entscheid nach ersten Erkenntnissen nicht gelitten: Der Coach geniesst bei den Spielern und im Umfeld unverändert höchstes Ansehen. Er selber sagt, sein Ziel sei, sich mit einem weiteren Titel zu verabschieden. Die Chancen dazu bestehen.

Wird Wackers Wettbewerbsfähigkeit leiden?

Die Thuner verloren 2012 Jakub Szymanski, ihren damals wichtigsten Spieler; in der folgenden Saison gewannen sie das Double. Sie erlitten 2018 einen heftigen Umbruch – und triumphierten ein halbes Jahr später im Cup. Vermutlich werden sie auch Rubins Abgang zumindest ansatzweise kompensieren können.

Endet bald mehr als bloss Rubins Amtszeit?

Vorbei geht in Thun eine Ära. Leute wie Marc Winkler und Jonas Dähler sind schon lange dabei. Nicht alle aus der so erfolgreichen Generation werden in ein paar Jahren noch an Bord sein. Möglicherweise machen einzelne Arrivierte ihre Zukunft auch davon abhängig, was sie vom neuen Trainer halten werden.