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Ende des Zweiten WeltkriegsDie grosse Erleichterung

Der Krieg ist aus: Konrad Schaller berichtet von der Freude, als vor genau 75 Jahren die Nachricht kam.

Konrad Schaller berichtet von seinen Erinnerungen zum Ende des Zweiten Weltkriegs.
Konrad Schaller berichtet von seinen Erinnerungen zum Ende des Zweiten Weltkriegs.
Foto: Christian Pfander

Als der Zweite Weltkrieg endete, jätete Konrad Schaller im Garten hinter der Dorfbäckerei in Gurmels.

Es gibt Ereignisse, die brennen sich ins Gedächtnis einer Generation ein. In jüngerer Geschichte ist es das Kalenderdatum 9/11, das Menschen rund um den Globus nicht vergessen. Jeder erinnert sich, wo und mit wem er die Bilder der Hochhäuser sah, als sie in sich zusammenfielen.

Am 8. Mai 1945 ging eine Nachricht um die Welt, die die Menschen ebenso zusammenrücken liess, anstelle der Bestürzung setzte sich jedoch ein Gefühl der Erleichterung. Heute vor 75 Jahren kapitulierte die deutsche Wehrmacht.

Kind des Dorfbäckers

Die Eltern von Konrad Schaller – er war damals neun Jahre alt – sprachen viel vom Krieg, die Kinder lauschten mit offenen Mündern. Manchmal hörte er in der Nacht die amerikanischen Bomber, die über die Schweiz flogen, oder er erwachte, als Soldaten der Schweizer Armee durch das Dorf zogen. Als Bub kannte er kein Leben ohne Krieg. Und am 8. Mai 1945 war plötzlich alles vorbei.

Der Sigrist, der im Nachbarhaus wohnte, trat aus der Tür und rief: «Der Krieg ist aus!» Er eilte zur Kirche, läutete die Glocken. «So hell, so freudig hatte ich die Kirchenglocken noch nie empfunden», sagt Schaller heute. An die Erlebnisse dieses Tages, mit dem ein neues Geschichtskapitel begann, erinnert sich der 84-Jährige noch heute mit vielen Details.

Sein Vater, der Dorfbäcker, holte im Keller eine gute Flasche Wein, umarmte seine Frau und die Kinder. Sie beteten, dankten Gott für den Glückstag und stiessen auf den Frieden an. Die Kinder tranken Zuckerwasser mit einem Schuss Wein. Als Konrad Schaller aus dem Küchenfenster blickte, sah er vor der nahe gelegenen Pinte eine Gruppe Armeeangehöriger. Ein Soldat dirigierte, mit einem abgenagten Schinkenknochen in der Hand, das Lied «Wer weiss, ob wir uns wiedersehen».

Konrad Schaller an seiner Erstkommunionsfeier. Diese fand just vor dem Kriegsende – im April 1945 – statt.
Konrad Schaller an seiner Erstkommunionsfeier. Diese fand just vor dem Kriegsende – im April 1945 – statt.
Foto: zvg

Das Ende des Zweiten Weltkriegs sei eine grosse Befreiung gewesen. «Es fühlte sich an wie eine grosse Entlastung», sagt Schaller. Die Ängste und Ungewissheiten lösten sich auf. Die Kinder freuten sich, dass das mühselige Sortieren und Zählen der Rationierungsmarken ein Ende hatte.

Zum Schluss sagt Konrad Schaller, dass jede Generation ihre Ängste hat, die sich irgendwann auflösen. Und Erinnerungen behalten, die sie nie wieder hergeben.