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Jugend und Corona«Die Gedanken an die Zukunft sind von Sorgen begleitet»

Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Lerbermatt in Köniz beschreiben, wie das Geschehen rund um die Pandemie ihre Zukunftspläne beeinflusst.

Gymnasium Lerbermatt in Köniz.
Gymnasium Lerbermatt in Köniz.
Foto: Beat Mathys

Milena Nikic (18), Belp

Einige meiner Mitschülerinnen und Mitschüler wollen nach der Matura ein Zwischenjahr einlegen. Manche tun dies noch immer, andere, beispielsweise jene, die ins Ausland wollten, haben sich nun doch für einen Studiengang angemeldet. In meinem Falle ändert sich bezüglich meines beruflichen Weges zum Glück nichts. Bereits vor einiger Zeit habe ich mich gegen ein Zwischenjahr entschieden, worüber ich in der jetzigen Situation froh bin. Trotzdem hat das Virus auch Auswirkungen auf meine Zukunft. Ich habe mich bewusst gegen ein Zwischenjahr entschieden, und meine Erwartungen an den Sommer, bevor dann im Herbst mein Jurastudium beginnt, waren dementsprechend hoch. Diese Erwartungen muss ich nun herunterschrauben, da meine Pläne, unter anderem kleinere Reisen zu unternehmen, wohl eher nicht umsetzbar sind. Allmählich kann ich aber sagen, dass ich mich langsam mit der Lage abgefunden habe und versuche das Beste daraus zu machen.

Da die Maturitätsprüfungen abgesagt wurden und somit die Prüfungsvorbereitungen weggefallen sind, hatte ich viel mehr Zeit, wodurch sich auch meine Freizeitgestaltung verändert hat. Das Ausprobieren von neuen Rezepten hat mir grosse Freude bereitet, das möchte ich beibehalten. Meiner Meinung nach hat diese Krise auch positive Seiten. Ich konnte sehr viel Zeit mit meiner Familie verbringen, wofür ich sehr dankbar bin. Meine wichtigste Erkenntnis ist aber, dass das Zu-Hause-Bleiben kein Zwang, sondern ein Privileg ist, welches wir schätzen sollten.

Tobias Aebi (18), Liebefeld

Die momentane Situation ist für viele Menschen eine Herausforderung. Auch für Schülerinnen und Schüler, insbesondere für unseren Jahrgang. Wir, die keine Maturaprüfung ablegen werden. Jedoch hat der momentane Zustand für uns auch seine Vorteile. Ich hatte in den letzten Wochen mehr Zeit, mich mit meinen Plänen für die Zeit nach dem Gymnasium zu befassen. Ich wollte als Erstes die RS absolvieren, das werde ich aber nun nicht tun. Stattdessen werde ich nach dem Gymnasium an der Uni Volkswirtschaftslehre studieren. Auch meine Freizeitgestaltung hat sich verändert.

Mittlerweile habe ich mich wie viele andere daran gewöhnt, viel Zeit zu Hause zu verbringen. Ich verhalte mich trotz der Lockerungen noch vorsichtig und bleibe möglichst zu Hause, solange die Pandemie noch anhält, damit ich die Social-Distancing-Regeln einhalten kann.

Mit meiner Familie wollte ich nach der Matura in die Ferien fahren, jedoch kann ich mir momentan kaum vorstellen, bald schon zu verreisen. Vor ein paar Monaten hätte ich mir das alles noch nicht denken können. Nun ist es Realität, und ich muss meine Zukunftspläne anpassen.

Elena Bider (18), Belp

«Zu Hause bleiben, rettet Leben» stand auf zahlreichen Plakaten. Hier in der Schweiz ist das einfach umzusetzen. Doch wie geht es den Menschen, die kein Zuhause haben? Die Flüchtlingslager in Moira (Griechenland) sind überfüllt. Durch die fehlenden Schutzmassnahmen und die unzureichenden Gesundheitsbedingungen sind etliche Flüchtlinge dem Virus hilflos ausgesetzt. Für mich unvorstellbar, dass Jugendliche wie ich unbegleitet auf der Flucht sind und sich eigentlich eine bessere Zukunft erhofft haben. Menschen, wie wir, die nirgends in Europa willkommen sind. Covid-19 betrifft zwar jede und jeden, aber nicht alle haben dieselben Möglichkeiten, sich zu schützen. Zum Glück gibt es Organisationen wie Amnesty International, die zum Handeln aufrufen.

Gerne würde ich in Zukunft den Weg einschlagen, Menschen zu helfen. Für mich ist es wichtig, Spuren zu hinterlassen und nicht nur Staub.

Aufgrund der vielen Ungerechtigkeiten, die es leider auf der Erde gibt, schätze ich meine Situation sehr. Trotz den verschiedenen Veränderungen, die sich in meinem Leben abgezeichnet haben, wie beispielsweise das abrupte Ende meiner «normalen» Schulzeit oder dass ich meine Freunde und Grosseltern während des Lockdown nicht treffen konnte, bin ich dankbar für mein Leben, wie ich es hier führen darf. Auch wenn ich mir mein 18. Lebensjahr definitiv anders vorgestellt habe, kann ich auch aus dieser speziellen Lage Erfahrungen mitnehmen. Ich denke, dass wir zukünftig jeden Moment viel bewusster wahrnehmen werden und dankbarer sind. Jedem wird dieses Jahr in Erinnerung bleiben, und wir werden unseren Kindern und Enkelkindern davon erzählen.

Michelle Rolli (18), Gasel

Das Ende meiner Zeit am Gymnasium habe ich mir definitiv anders vorgestellt. Ich wollte nach der Maturfeier, die immer den Abschluss meiner zwölfjährigen Schulzeit symbolisiert hat, erst einmal den Sommer geniessen. Das eine oder andere Festival besuchen. Doch aufgrund der Covid-19-Pandemie werden meine Sommerpläne ins Wasser fallen. Auch mein geplanter Sprachaufenthalt in Frankreich, den ich Ende August antreten wollte, wird wohl nicht stattfinden können. Dadurch ist mir einmal mehr klar geworden, wie selbstverständlich für unsere Gesellschaft die vielen Möglichkeiten sind, die uns zur Verfügung stehen, und wir nun plötzlich mit Einschränkungen leben müssen, die längerfristig unser Leben beeinflussen werden.

Trotzdem dass meine Pläne für das Zwischenjahr durcheinandergebracht wurden, versuche ich das Beste aus der Situation zu machen. Ich möchte nun ein Jahr lang arbeiten, um Erfahrungen zu sammeln und um nicht nur hinter dem Schreibtisch zu sitzen und zu lernen. Denn auch wenn für mich kein Sprachaufenthalt möglich ist, erhalte ich dadurch einen willkommenen Tapetenwechsel, um neue Motivation und Inspiration zu erhalten, damit ich in einem Jahr interessiert mein Biochemie-Studium beginnen kann. Zusammenfassend kann ich sagen, dass durch die Covid-19-Pandemie Unsicherheiten und Veränderungen entstanden sind, die ich mir zu Beginn des Jahres nicht hätte vorstellen können.

Sam Padickakudy (18), Schwarzenburg

Meine Bedenken darüber, ob die Abschlussprüfungen nun stattfinden sollten oder nicht, hatte ich allemal. Einerseits hat dann die Entscheidung, dass sie nicht stattfinden werden, endlich Licht ins Dunkle gebracht, denn unter uns Schülern und Schülerinnen wurde intensiv darüber diskutiert. Andererseits stelle ich mir die Frage, wieso nicht ein einheitlicher Beschluss für die Maturaprüfungen gefallen ist, obschon für die Berufsmaturität ein solcher möglich gewesen ist? Könnte diese Entscheidung nicht zu Ungleichheiten führen? Formell betrachtet ist mir bewusst, dass meine Matur sich in keiner Art und Weise von den anderen unterscheidet. Trotz alledem wurde ich schon mit Bemerkungen konfrontiert wie, mir sei die Matura geschenkt worden. Auf solche Kommentare werde ich vermutlich häufiger treffen, doch letztlich wenig übrighaben. In meinen Augen wird die Matura von vielen nur auf die Abschlussprüfungen beschränkt, wobei noch ganze vier Schuljahre dazugehören. Schuljahre, in denen schon endgültige Noten für das Maturazeugnis gesetzt werden. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als gegen eine Wand des Unverständnisses zu reden, bei all jenen, die felsenfest davon überzeugt sind, dass mir die Matura geschenkt worden ist.

Erarbeitet oder geschenkt: Die Matura ermöglicht mir den Zugang zu einer Hochschule, dessen Abschlusszeugnis mir keineswegs geschenkt werden wird.

Timon Rieder (18), Stettlen

Ich bin jemand, der sich sehr gut zu Hause beschäftigen kann. Es ist eher so, dass ich nicht weiss, was es draussen zu tun gibt, ausser mit meinen Freunden in den Ausgang zu gehen und Konzerte zu besuchen. Dieser Umstand hat dazu geführt, dass mir ein Lockdown eigentlich gelegen kam. Mit meinen Freunden kann ich auch per Videochat unnütze lustige Gespräche führen oder auch ab und zu fragen, wie es geht, und es zur Abwechslung einmal ernst meinen. Die positiven Erfahrungen, die ich mit diesen Meetings gesammelt habe, haben mich zu der Entscheidung geführt, immer mal wieder, wenn ich gerade Zeit habe, jemanden anzurufen und ein bisschen zu plaudern. Das ist aber nicht wirklich eine grosse Veränderung durch das Virus für meine Zukunft. Überhaupt gibt es nicht wirklich eine Veränderung, wie ich meine Zukunft gestalten will oder muss. Ich bin sehr froh, dass ich durch Covid-19 nicht gravierend eingeschränkt werde. Weder ich noch mein Umfeld ist von den direkten oder indirekten Folgen betroffen, und es fühlt sich eher wie ein langweiliger Urlaub als wie eine Katastrophe an.

Zu sehen, was für einschneidende Auswirkungen dieses Virus auf die Menschen in einem viel schwierigeren Umfeld hat, zeigt mir, wie glücklich ich mich in meiner Situation schätzen kann.

Fiona Saner (18), Wabern

Ich würde mich nicht als eine besonders vorausplanende Person beschreiben, doch für mein nächstes Jahr, da hatte ich einen Plan. Seit zwölf Jahren arbeite ich auf diesen Moment hin, auf den Moment, erstmals richtig Freiheit zu erleben. Nach zwölf Jahren Schuldbildung wollte ich ein Zwischenjahr machen, in dem mir alles offen stehen würde.

Nach vier Jahren Gymnasium kenne ich meine Stärken und kam zum Schluss, der Journalismus vereine diese alle miteinander: Ich bin gut in Rhetorik, habe eine Leidenschaft fürs Schreiben und grosses Interesse an Politik und Gesellschaft. Somit lautete mein Plan, eine Praktikumsstelle in einem Medienunternehmen zu ergattern, um erste Arbeitserfahrung zu sammeln. Doch als ich mich bewerben wollte, waren sämtliche Angebote wie vom Erdboden verschluckt und tauchten bis heute nicht wieder auf. Es ist klar, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten streicht man solche Stellen zuerst. Doch was nun? Wird ein Praktikum bald wieder möglich sein oder nimmt die drohende Rezession mir in dieser Hinsicht sämtliche Möglichkeiten?

Statt eines Praktikums in diesem Jahr um die Welt zu reisen, fällt ebenfalls ins Wasser. Ja, soll ich mich jetzt schnell noch für ein Studium anmelden, nur um irgendeine Art von Sicherheit zu haben? Zwölf Jahre lang arbeitete ich auf diesen Moment hin, endlich richtig frei zu sein, nur um dann zusehen zu müssen, wie mir sämtliche Möglichkeiten genommen werden, von einem kleinen, unsichtbaren Feind, der die ganze Welt fest im Griff hält. Und von dem niemand weiss, wann und ob er uns wieder loslässt? Was also tun als 18-Jährige, mit Matura, aber ohne Freiheit?

Joana Bäbler (18), Belp

Für mich hat Corona grosse Auswirkungen auf meine Zukunftspläne. Bis jetzt war ich mir sicher, dass ich ein Zwischenjahr machen werde und in dieser Zeit arbeiten und reisen werde. Doch während der aktuellen Lage ist das nicht mehr so einfach, und deshalb habe ich mich dazu entschieden, trotzdem schon diesen Herbst ein Studium zu beginnen. Dazu kommt, dass ich während des Lockdown viel Zeit hatte, darüber nachzudenken, was ich wirklich studieren möchte. Vor Corona war ich es gewohnt, ständig meine Freunde um mich zu haben, und ich habe sehr viel Zeit mit ihnen verbracht. Nun ist das nicht mehr in diesem Ausmass möglich, und ich treffe mich nur noch mit meinen allerengsten Freunden. Meine beste Freundin sehe ich trotzdem noch fast täglich, was die Situation etwas einfacher macht.

Was für mich persönlich am schwierigsten war, ist, dass wir so lange nicht darüber informiert worden sind, ob die Maturaprüfungen durchgeführt werden oder nicht. Wir hätten uns während dieser ganzen Zeit vorbereiten sollen. Durch die Unklarheit darüber, ob die Prüfungen stattfinden werden oder nicht, war es etwas komisch, dafür zu lernen, der Druck stieg aber trotzdem von Tag zu Tag. Mit der jetzigen Lösung bin ich also zufrieden.

Maria Karajiannis (18), Köniz

Ob Corona etwas an meiner Zukunft ändern wird? Ich weiss es (noch) nicht. Aber ich werde, obwohl ich bereits jetzt schon nicht viel reise, bewusster auf die Lage und die Begehbarkeit meiner Feriendestination achten. Wie Goethe sagte: «Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah.» Auch ich sehe das so. Ich muss nicht nach China, Australien oder Südamerika reisen, um die Welt zu entdecken. Es gibt wunderschöne Orte ganz in der Nähe, man muss nur die Augen öffnen. Wieso das Flugzeug nehmen, wenn man sich mit dem Auto oder dem Fahrrad fortbewegen kann?

Ist Covid-19 die Antwort auf unser stetiges Streben nach immer mehr, nach nie genug, nach Wohlstand ohne Ende? Früher war es nicht üblich, direkt nach bestandener Matur ein sogenanntes Zwischenjahr zu planen, welches zu 80 Prozent mit Reisen gefüllt wird. Geht man direkt nach der Matura an die Universität, gilt man schon als Exotin. Bezüglich meiner beruflichen Zukunft hat sich noch nicht viel geändert ausser, dass eine der beiden von mir geplanten Aufnahmeprüfungen wegen der aktuellen Situation abgesagt worden sind. Die Studienaufnahme für Sportwissenschaften erfolgt nun prüfungsfrei. Ob dies irgendwelche Folgen haben wird, wird sich herausstellen, es gibt sicher eine grosse Selektion danach. Ansonsten muss ich mich überraschen lassen, denn das Jahr 2020 hat meine Pläne völlig durcheinandergebracht: Mein 18. Geburtstag konnte ich nicht so feiern, wie ich wollte, etliche Veranstaltungen wurden abgesagt. Jetzt stehen Spontanität, Flexibilität sowie «zu Hause bleiben» auf meiner Liste. Unwissend, ob ein solcher «Maturitätsabschluss» langfristig Spuren hinterlassen wird, überkommt mich beim Gedanken an diese Matura statt Freude eine gewisse Trauer.

Luca Heng (19), Belp

Coronavirus hier, Coronavirus da. Nicht nur die Medien sind voll damit, sondern auch in unseren Köpfen ist das Thema omnipräsent. Es ist nur plausibel, dass es uns und unsere Zukunft beeinflusst. Ich versuche positiv in die Zukunft zu schauen, denn ich bin davon überzeugt, dass die Art, wie wir denken, ob optimistisch oder pessimistisch, auch zur Prägung unserer Zukunft führt. So denke ich beispielsweise nicht, dass in Zukunft das Reisen eingeschränkt werden wird oder dass ich Angst haben sollte, in fremde Länder zu Reisen. Im Gegenteil, ich freue mich umso mehr aufs Reisen, auch wenn es diesen Sommer für mich nur in der Schweiz sein wird. Ich versuche es viel mehr zu schätzen und jede Reise noch mehr zu geniessen, da ich nie weiss, wann es das letzte Mal ist.

Auch sehe ich für die Entwicklung unserer Gesellschaft eine positive Zukunft voraus. Diese Krise hat uns in gewissen Bereichen zusammengeschweisst, und wir konnten, respektive mussten, uns solidarisch zeigen. Dieses Verhalten können wir mitnehmen und viel daraus lernen. Ich hoffe, dass die Pandemie unsere Lebensweise zum Beispiel im Bereich der Umweltschutzpolitik verändern wird. Unsere Gesellschaft sollte realisieren, dass wir fast alles erreichen können, wenn wir zusammenarbeiten. Die Bürgerinnen und Bürger, Politikerinnen und Politiker und vor allem auch Unternehmen sollten erkennen, dass Wachstum nicht immer die Lösung ist, sondern man auch mal einen Gang zurückfahren sollte.

Für mich ist klar, dass die Krise unsere Gesellschaft zeichnen wird. Ob wir daraus lernen werden, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Michelle Zurbrügg (19), Rüeggisberg

Seit Wochen beeinflusst Corona unser Leben und unseren Alltag. Vieles hat sich verändert, wie bei einem Schmetterling während der Metamorphose. Veränderungen, die uns alle betreffen und so auch mich. Corona hat mein gewohntes Leben ruckartig eingestellt und mir die Zeit gegeben, welche ich wahrscheinlich sonst nie gehabt hätte. Zeit über meine Zukunft nachzudenken. Nach einer Weile daheim wurde ich nachdenklicher darüber, was mein Leben und meine Zukunft betrifft. Die Tür, die immer offen gestanden hat, sperrte mich nun aus. Doch es war klar, diese Tür bleibt nicht für lange zu, sie bietet mir eine Chance, meine Zukunftspläne zu überdenken. In dieser Zeit des Nachdenkens ist mein Berufsziel, Physiotherapeutin zu werden, gleich geblieben.

Verändert hat sich jedoch etwas anderes: Ich wollte eigentlich nie alleine fort. Ich hatte Angst, allein zu sein. Doch während des Lockdown ist mir klar geworden, dass das Alleinsein gar nicht so schlimm ist und man sich dabei selbst reflektieren kann. Trotzdem wurde mir klar, welch Glück ich mit meiner Familie und meinen Freunden habe. Corona gab mir die Chance, an meinen Stärken und Schwächen zu arbeiten. Meine Schwäche, unordentlich zu sein, nahm ab. Ich konnte meine Stärken kräftigen, ich organisierte neue Sportpläne, brachte Freunde zum Lachen und engagierte mich in der Nachbarschaft. Corona lehrte mich aufatmen und Dinge zu schätzen, die ich immer als selbstverständlich angesehen habe. So stosse ich nun meine Türe der Zukunft auf, ich weiss zwar nicht in welche Richtung es dann geht, doch ich halte mich an das, was der amerikanische Informatiker Alan Kay sagt: «Die Zukunft kann man am besten voraussagen, wenn man sie selbst gestaltet.»

Vanessa Furer (18), Belp

In der kommenden Zeit hat das Virus bestimmt Auswirkungen auf mich. Ich denke, ich werde es mehr zu schätzen wissen, wenn ich mich wieder ohne Einschränkungen mit meinen Freunden treffen kann und wir wieder gemeinsam Ausflüge unternehmen können. Für mich erhoffe ich, dass ich mitnehme, was ich während des Lockdown gelernt habe. Nämlich weiss ich Dinge, die für mich zuvor selbstverständlich waren, mehr zu schätzen. Genau das will ich auf meinen künftigen Lebensweg mitnehmen. Zudem hoffe ich, dass ich schöne Erlebnisse, sei es alleine oder mit Freundinnen und Freunden, fortan noch bewusster geniessen werde. Aber ansonsten denke ich, dass die Pandemie nur schwache Auswirkungen auf meine Zukunft haben wird, da ich aufgrund der Krise nicht meine Berufswahl ändere. Ich will Lehrerin für die Vorschul- und Primarstufe werden.

Auch meine Reiseziele ändern nicht. Weil diese Veränderungen meiner Meinung nach keinen Sinn machen würde. Angenommen, ich würde nur noch in der Schweiz herumreisen, wäre ich dann sicherer, falls wieder eine Pandemie die ganze Welt befallen würde? Niemand ist jemals für eine solche Situation gewappnet, alle werden unvorbereitet getroffen. Aus diesem Grund bin ich der Ansicht, dass es das Beste ist, wenn ich meine Zukunft nicht nach einer solchen allfälligen Notsituation ausrichte.

Linus Crugnola (18), Worb

Es lässt sich sagen, dass das Coronavirus und vor allem die damit verbundenen Massnahmen des Bundes bei mir die letzten Wochen ganz schön auf den Kopf gestellt haben. Ich kann Freunde nicht in angemessener Regelmässigkeit treffen, und die anfängliche Ungewissheit darüber, ob die Maturaprüfungen stattfinden werden oder nicht, warfen einen riesigen Schatten auf mein tägliches Tun. Und noch zu Beginn des Lockdown habe ich viel Zeit investiert, darüber nachzudenken, wie sich meine Zukunft gestalten wird.

Ich versuchte mich mental auf jedwede noch so abstruse Wende in meinem Leben vorzubereiten und eine Lösung parat zu haben. Aber, und hier muss ich ehrlich sein, ich war es bald leid, mir Tag für Tag neue Szenarien für den Fall der Fälle auszudenken. Denn wenn mir die Geschehnisse zwei Dinge gezeigt haben, dann sind diese, dass es erstens anders kommt und zweitens als man denkt. Deshalb habe ich an meinen Zukunftsplänen, Elektrotechnik oder Physik zu studieren, nichts geändert, da aus derzeitiger Sicht keiner meiner Pläne gefährdet ist. Es bleibt jetzt einfach abzuwarten und offen zu sein für allfällige, möglicherweise auch abrupte, Änderungen. In einem solchen Fall wird dann wohl oder übel Kreativität gefragt sein.

Lena Sophie Brauns (20), Münchenbuchsee

Die Corona-Krise hat mir gezeigt, wie wundervoll es sein kann, Zeit zu haben. Damit meine ich nicht die Zeit, die ich «zu Hause eingesperrt» verbringen musste und «nichts machen» konnte. Nein, damit meine ich, dass ich endlich Zeit gefunden habe, die Umgebung anderes wahrzunehmen. Ich hatte Zeit, mich und meine Gefühle zu reflektieren. Ich konnte mich mit mir als Person auseinandersetzen und musste feststellen, dass es ziemlich schwierig ist, sich selbst zu definieren. Man kann auf dieser Welt jede sein und diese breite Palette an Möglichkeiten, die man hat, macht mir Angst. Bis vor der Corona-Krise habe ich gedacht, mich machen meine Hobbys, die Schule und meine Freundschaften aus. Doch diese Tätigkeiten oder Beziehungen fielen während des Lockdown alle weg. Ich musste feststellen, dass es noch andere Faktoren geben muss, die mich auszeichnen. Ich muss nämlich mir selbst gefallen können. Ich muss lernen, mich mit mir selbst beschäftigen zu können. Ich brauche ein starkes Selbstbewusstsein, sollte auf mich vertrauen können und mich nicht ausschliesslich von anderen definieren lassen.

Ohne diese intensive Zeit hätte ich mich wahrscheinlich noch lang nicht mit mir auseinandergesetzt und ich hätte mich weiterhin durch meine Umgebung beurteilen lassen. Wenn diese Epidemie ein Ende genommen hat, werde ich mir hin und wieder mal Zeit für mich nehmen und die Geschehnisse oder mich als Person reflektieren.

Severin Rothen (18), Thörishaus

Für die kommenden Jahre habe ich mir viel vorgenommen. Bald würde ich die Matur abschliessen, ein letztes Mal mit meinen Klassenkameradinnen und Klassenkameraden feiern, auf Reisen gehen, Erfahrungen sammeln und die Zeit vor allem mit viel Lebensfreude geniessen; an Zukunftsplänen mangelte es mir nie. Mir war aber nicht bewusst, dass der schillernde Teil der Zwanzigerjahre übersprungen wird und die Rezession gleich zu Beginn sämtliche Volkswirtschaften in einen Zyklus der Negativzahlen mitreisst.

Die Pandemie traf uns alle, und so sitze ich wie vermutlich alle Jugendlichen zu Hause und habe genügend Zeit, mir über meine Zukunft Gedanken zu machen. Die Zukunft, über die so viel diskutiert wird. Natürlich könnte ich jetzt eine Liste abarbeiten und zum Besten geben, was sich an meinen Plänen verändert hat, aber lohnt sich das überhaupt? All meine Erwartungen, Pläne, sogar Hoffnungen für 2020 wurden samt den Maturaprüfungen über Bord geworfen. Ermutigend, sich eine neue akribische Gestaltung der kommenden Jahre zurechtzulegen, ist das nicht gerade. Viel zu oft machen wir uns doch Gedanken über Zukunftsszenarien, wollen der Zeit immer einen Schritt voraus sein, doch vergessen dabei das Essenzielle: die Gegenwart, das Hier und Jetzt. So bleibt mein einziger Plan für die Zukunft, nicht mehr an sie zu denken, den Moment zu geniessen und dankbarer zu sein für jedes Stückchen Lebensfreude, das mir von diesen Zwanzigerjahren noch übrigbleibt.

Kevin Trepp (18), Schliern

Der Lockdown veränderte vieles im Leben der Bevölkerung. Man sass den ganzen Tag auf «engem» Raum zusammen mit der Familie, was dazu führen konnte, dass es Spannungen gab. Dennoch war es positiv, man konnte Zeit mit der Familie verbringen, welche man sonst nicht oft hat. Trotzdem muss man irgendwann wieder aus den vier Wänden raus und frische Luft holen. Das war und ist ist gar nicht mal so einfach bei den ganzen Regeln.

An meinen Zukunftsplänen hat sich jedoch nichts geändert. Nur verändert. Anstatt zuerst ins Militär gehe ich jetzt studieren. Denn ein Jahr nichts machen finde ich eher nicht gut, weshalb sich die Uni nun vor das Militär geschoben hat. Das Studienfach ist jedoch dasselbe geblieben. Meine Interessen haben sich kaum verändert und so werde ich Betriebswirtschaftslehre studieren. Niemals würde ich meine Ziele aus den Augen verlieren. Eine Krise verändert temporär die Sichtweise auf alles, doch die Krise selber ist auch temporär, also sollte man wieder auf die alte Spur zurückkommen.

Patricia Jenzer (18), Schliern

Während der Corona-Zeit ist mir aufgefallen, wie selbstverständlich gewisse Dinge für mich gewesen sind. Ein spontaner Besuch bei den Grosseltern, ein Ausflug in die Berge, ein Kinobesuch mit Freunden oder an einem Samstagnachmittag ziellos durch die Stadt zu schlendern. Jetzt, da wir zu einem langsameren und bewussteren Leben gezwungen worden sind, vermisse ich das, was ich zuvor nicht zu schätzen gewusst habe. Ich muss gestehen, dass mir die Schule fehlt, der Kontakt mit anderen Menschen, das Gefühl, zu den Stosszeiten in einem überfüllten Bus zu stehen und kaum genügend Platz zu haben, mich an eine Stange zu klammern. Mir fehlt die Freiheit, diese Dinge tun zu können. Der soziale Kontakt fehlt mir nicht einzig, weil ich beginne, mich isoliert zu fühlen, sondern auch, weil es gerade die alltäglichen Kleinigkeiten sind, die mir verwehrt bleiben. Der Mensch ist nun einmal ein Gewohnheitstier.

Mir fällt es schwer, diese Situation zu akzeptieren. Allerdings habe ich wieder gelernt zu geniessen, was ich habe. Am Morgen aufzustehen, bevor die Sonne aufgegangen ist, die Joggingschuhe anzuziehen und frische Luft einzuatmen. Ganze Nachmittage damit zu verbringen, in Bücherwelten zu versinken, der Geschmack von Apfelkuchen und heissem Kaffee. Ich habe gelernt, die Sachen zu schätzen, die ich haben kann, und mich auf Momente zu freuen, die wieder kommen werden. Dieses Achtung vor den kleinen Dingen des Lebens möchte ich gerne auch in Zukunft haben.

Davide Nocelli (18), Bolligen

Durch die Isolation hatte ich viel Zeit zum Nachdenken, auch über meine Zukunft. Bis zu diesem Zeitpunkt dachte ich nur an die Matur und nie darüber hinaus. Ich hatte nur vage Vorstellung von meiner Zukunft. Durch den Lockdown konnte ich mich genügend damit befassen und habe erste Schritte unternommen, um meine Pläne zu verwirklichen. Der Lockdown wirkte auf mich wie ein Brandbeschleuniger. Ich setze mich jetzt mehr mit meiner Zukunft auseinander. Glaube aber nicht, dass das Coronavirus meine Pläne verändert hat. Ich wusste bereits vorher, dass ich nach dem Gymnasium das Militär absolvieren möchte, und daran hat sich nichts geändert.

Jascha Schopfer (19), Stettlen

Nach der Matura werde ich ein Zwischenjahr einlegen. Ich werde zuerst ein wenig arbeiten gehen und anschliessend die Rekrutenschule absolvieren. Im Herbst 2021 möchte ich ein Studium beginnen, sehr wahrscheinlich in Richtung Wirtschaft. Die vergangenen Wochen haben meine Zukunftspläne in keinerlei Hinsicht geändert, weil ich die Zeit nicht als sehr schwer empfand. Mir liegt das Lernen zu Hause. Ich bin es gewohnt, mit Freunden über das Internet zu kommunizieren, und fühle mich wohl bei meiner Familie. Da meine Eltern getrennt wohnen, hatte ich eine gewisse Abwechslung in meinem Alltag, indem ich einige Tage bei meiner Mutter und andere Tage bei meinem Vater war.

Michèle Argentati (19), Wabern

Es hat sich vieles verändert, doch trotzdem denke ich, dass die aktuelle Situation nicht nur viele Herausforderungen, sondern auch Möglichkeiten mit sich gebracht hat. Eine der Herausforderungen ist meiner Meinung nach das Zeitmanagement. Seit ich mich in diesem Ausnahmezustand befinde, habe ich schon mehrere Male gespürt, wie meine Produktivität mich immer mehr verlässt. Das Erkennen dieses Problems hat mir gezeigt, wie essenziell das Planen eines Tages ist. So werde ich meine Selbstdisziplin trainieren, damit ich meine Ziele schneller und besser erreichen kann. Das ist für mich eine positive Erfahrung, die mir bestimmt in Zukunft helfen wird. Ausserdem habe ich verstanden, dass nun der passende Zeitpunkt gekommen ist, alles zu erledigen, was man sich schon lange vorgenommen hat. Zuvor wurden ungelesene Bücher, unaufgeräumte Zimmer und Sportmangel mit fehlender Zeit begründet. Jetzt ist diese Ausrede nicht mehr möglich. Mir ist klar geworden, dass es oft nur eine Frage des Willens war. Die Zeit nutze ich nun auch, um mich in meinem Hobby Ölmalen zu verbessern, Bücher zu lesen und neue Talente in mir zu entdecken. Auch nach dem Lockdown möchte ich mir selber mehr Zeit widmen.

Meine Zukunftspläne bezüglich des Studiums haben sich aber nicht geändert. Im Herbst werde ich mein Jurastudium beginnen. Ich bin mir in meinen Entscheidungen sicher und möchte nicht noch mehr grosse Veränderungen erleben. Das Leben vieler Menschen ist aus der Balance geraten, weshalb ich die Stabilität nun viel mehr schätze.

Tobias Ryser (19), Mühlethurnen

Zu Beginn der Krise wurde bald einmal darüber informiert, dass die Theorieprüfungen für Lernende abgesagt werden. Doch von uns Maturanden und Maturandinnen war nie die Rede. Lange Zeit sassen wir unwissend zu Hause, stellten uns die Frage: Sollen wir für die Prüfungen lernen, als würden sie normal stattfinden, oder dürfen wir schon auf die bestandene Matura anstossen? Wir warteten Woche für Woche auf Klarheit, doch uns blieb nur die Ungewissheit. Einige gaben das Lernen auf, andere glaubten noch an die Durchführung von Prüfungen. Einige Lehrer hielten keinen Unterricht mehr, andere zogen ihre Maturavorbereitungen durch. Doch was sollten wir tun?

Das lässt eine alte Diskussion wieder aufflammen: «Brauchen wir überhaupt Prüfungen?» Der ganze Stress und die Ungewissheit wäre überflüssig gewesen, wenn schon vor Jahren bestimmt worden wäre, dass es keine (Matur-)Prüfungen mehr braucht. Ich hoffe, die Corona-Krise gibt den Zuständigen einen Denkanstoss, dieses Thema in der Zukunft noch einmal zu besprechen.

Athiruthan Ramesh (20), Köniz

Wie geht es nun weiter? Wird die Normalität je wieder zurückkehren? Wie sieht meine Zukunft aus? Fragen wie diese stelle ich mir in letzter Zeit immer wieder. Die Corona-Krise hat die Welt auf den Kopf gestellt. Die eigenen Zukunftspläne muss man vielleicht ändern. Mein erster Schritt in die berufliche Zukunft wäre gewesen, die Maturaprüfungen zu bestehen, welche nun abgesagt worden sind. Das so etwas passieren könnte, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Bei der Studienwahl sehe ich keinen Grund, diese jetzt zu ändern. Ich werde im nächsten Jahr damit beginnen, Betriebswirtschaftslehre zu studieren.

Jedoch werde ich meine Einstellung ändern. Aktivitäten, die ich früher für selbstverständlich gehalten habe, wie Fussballspielen oder einen Kinobesuch, konnte ich nun gar nicht mehr ausüben. Sobald alles wieder wie gewohnt möglich sein wird, will ich die Zeit nutzen, um die kleinen Dinge im Leben zu geniessen. Aus diesem Grund ist die Entscheidung, ein Zwischenjahr zu machen, bevor ich an die Uni gehe, noch grösser geworden.

Ich werde dieses Jahr nutzen, um zu arbeiten, damit ich genug Geld habe, um die Pläne, die ich mir im Kopf gemacht habe, zu verwirklichen. Ich ging nie oft reisen, aber jetzt, da es nicht möglich ist zu verreisen, möchte ich gerne einige Orte besuchen. Von dieser isolierten Welt habe ich genug. Die Normalität werde ich wieder geniessen, da ich nun weiss, dass sie nicht selbstverständlich ist.

Celine Lim (18), Kehrsatz

Wut, Enttäuschung, Frustration und vor allem Verwirrung. All das sind Gefühle, mit denen ich die momentane Situation assoziiere. Für mich war lange Zeit klar, was ich nach der Matura tun möchte. Vier lange Jahre habe ich auf diesen Moment gewartet, um meinen grossen Traum von einem längeren Aufenthalt in England zu verwirklichen. Die Umsetzung im Sommer ist nun unrealistisch. Selbstverständlich bin ich traurig, allerdings empfinde ich es als unverantwortlich und egoistisch, momentan zu reisen, weshalb ich in nächster Zeit freiwillig darauf verzichten werde. Meine Pläne lassen sich verschieben, dafür muss ich nicht die Gesundheit anderer gefährden. Der Traum ist nicht geplatzt, sondern nur auf später verlegt. Und so unerwartet das Virus ausbrach, so unerwartet habe ich mich bereits für ein Studium im Herbst eingeschrieben. Die Wahl des Fachs Betriebswirtschaftslehre fiel mir leicht. In diesem Zusammenhang sehe ich einen positiven Aspekt der Situation.

Die Corona-Krise hat mein Bewusstsein für jene Werte gestärkt, für die ich mich im Arbeitsleben einsetzen will. Ich möchte nicht, dass es nach Corona so wird wie «vorher». Nein, meiner Meinung nach muss sich etwas verändern. Beispielsweise erholt sich gerade die Natur in Folge der Krise. Keineswegs sollten wir das wieder zerstören. Weiter wäre eine höhere Wertschätzung in Form einer fairen Entlöhnung für all jene Berufsleute mehr als nur angebracht, die unseren Alltag während des Lockdown ermöglicht haben.

Die neuen Erkenntnisse, das zusätzliche Wissen und die gestärkten Werte sollten jetzt nicht verloren gehen.

Anna Ruch (18), Belp

«Es findet kein Unterricht mehr statt», das war für mich die Hiobsbotschaft. Es hat sich für uns alle viel geändert, doch dieser Satz hat meine Vorstellungen vom Sommer 2020 komplett untergraben. Ich dachte, ich würde nur noch wenige Wochen in diesem Gymnasium sein, nur noch wenige Wochen mit dieser Klasse meinen Alltag verbringen und von diesen Lehrern unterrichtet werden. Doch ich habe mich auf diese Wochen gefreut, diese Zeit des Abschlusses und des Verabschiedens. Aber nichts ist so gekommen, wie ich es mir ausgemalt hatte. Kein Abschluss, wie ich ihn mir vorgestellt hatte nach zwölf Jahren Schule, in denen wir alle so viel gelernt und so viel Ehrgeiz aufgebracht haben. Ich wusste, die Matura wird herausfordernd, doch ich freute mich auf das Gefühl der Abschlussprüfung. Gemeinsam mit hundert anderen Maturandinnen und Maturanden im selben Raum zu sitzen. Ich freute mich auf den Nervenkitzel, die Angst und das Glücksgefühl, wenn man bestanden hat. Ich freute mich darauf, nach all der Anstrengung endlich mit der Familie, Freunden und auch Lehrern feiern zu dürfen.

Doch das bleibt uns nun verwehrt. Deshalb trifft es mich hart, wenn jemand sagt, die Gymnasiasten wollten keine Maturaprüfungen schreiben, die seien doch sowieso nur am Faulenzen. Das stimmt nicht. Denn es ist schwer, seine letzten Schulwochen zu Hause verbringen zu müssen.

Christian Balea (18), Belp

Am Anfang dieses ganzen Debakels war mein Kopf noch voll mit Bedenken und Sorgen: Ich wusste nicht, wie die Schule weitergehen wird und ob wir die Maturaprüfung schreiben werden. Als das dann klar war, stellte sich mir die Frage, was ich persönlich aus dieser Situation gelernt habe. Sicher ist, dass ich mir um einiges mehr Gedanken darüber machen werde, wie ich meine Freizeit nutze. Zu oft gab es bisher Tage, an denen ich überhaupt nichts geplant hatte und mich dann zu Hause langweilte. Während des Lockdown hatte ich noch mehr Zeit und war quasi gezwungen, jeden Tag etwas Spannendes zu machen. Was wiederum dazu führte, dass ich keinen einzigen öden Moment mehr aushalten musste. Das werde ich nun beibehalten.

Während dieser Zeit merkte ich auch, wie wichtig es ist, im Moment zu leben. Niemand hätte je gedacht, dass man sich von einem Tag auf den anderen kaum mehr sehen kann. Deshalb hat man vielleicht die gemeinsame Zeit nicht voll und ganz genutzt. Ich finde, dass diese Erkenntnisse meinen Alltag in Zukunft interessanter machen werden. Glücklicherweise hat aber der Lockdown meine Zukunftspläne nicht durcheinandergebracht, weshalb ich immer noch vorhabe, im Herbst ein Chemiestudium zubeginnen.

Simon Bernhard (18), Bolligen

Durch die Corona-Pandemie und die Massnahmen für ihre Bekämpfung wurde ich abrupt aus meinem bisherigen Leben gerissen. Das hat mein Bewusstsein in zweierlei Hinsicht beeinflusst. Einerseits habe ich gemerkt, in welch privilegierter Situation ich lebe. Denn im Gegensatz zu Familien in anderen Ländern müssen wir uns hier keine finanziellen Sorgen machen. Ausserdem sind Social Distancing und Hygienemassnahmen hier um einiges einfacher einzuhalten als beispielsweise in überfüllten Flüchtlingscamps auf Lesbos. Anderseits ist mir auch die Fragilität unseres Systems aufgefallen. Dass ein kleines Virus unsere ganze Gesellschaft über mehrere Wochen beinahe lahmlegen kann, hätte ich mir vor Corona nicht vorstellen können.

Trotz der vielen Einschränkungen denke ich nicht, dass die jetzige Situation meine Zukunft entscheidend beeinflussen wird. Dazu kommt, dass ich selbst noch nicht genau weiss, wohin mein Weg führt. Sicher bleiben werden aber das erwähnte veränderte Bewusstsein und eine striktere Einhaltung der Hygieneregeln.

Jana Zwahlen (19), Riggisberg

Ungewissheit, langes Warten und Angst, dem allem begegnen die Menschen jetzt in dieser Corona-Krise. Und im Alltag gibt es neben vielen Aufträgen, die erledigt werden müssen, auch eine Unmenge an Zeit zum Totschlagen. Diese Zeit bietet die Möglichkeit, über vieles nachzudenken und sich mit dem persönlichen Umfeld oder seiner Zukunft auseinanderzusetzen. Ich habe mir viele Gedanken über mein Leben gemacht: Sollte ich mehr Sport treiben? Gesünder leben? Wann ist der beste Zeitpunkt, um zu Hause auszuziehen?

Besonders habe ich mir auch Gedanken über meine Freunde gemacht. Dabei spürte ich klar, wer mir von ihnen fehlt. Ohne Freunde fühlte ich mich häufig allein und lustlos. Es ist wichtig, mit anderen lachen zu können, etwas unternehmen zu können oder über Sorgen zu reden. Genau solche kleinen Momente wie etwa mit Freunden an einem See zu sitzen und den Sonnenuntergang zu geniessen oder durch die Stadt zu schlendern und eine Glace essen zu gehen, die haben mir gefehlt. In Zukunft will ich genau diese kleinen, aber besonderen Momente in vollen Zügen geniessen.

Silvan Riesen (18), Schwarzenburg

Da ich wegen des Fernunterrichts meistens mehrere Stunden am Tag am PC arbeiten muss, ist mir klar geworden, wie wichtig eine ausgleichende Tätigkeit ist. Denn in den ersten Tagen zu Hause konnte ich mich nach dem Unterricht nur sehr schlecht erholen und war nicht ausgeruht. Also beschloss ich von da an, mich jeden Tag sportlich zu betätigen. Das hatte ich schon lange tun wollen, habe es aber immer vor mich hergeschoben.Jetzt war ein optimaler Zeitpunkt, damit anzufangen. Folglich bestellte ich mir einen Boxsack und eine Klimmzugstange. Seit ein paar Wochen führe ich jetzt täglich ein intensives Work-out von mindestens 30 Minuten durch. Ich boxe, mache Klimmzüge oder andere Übungen wie Liegestütze oder Planks. Relativ schnell konnte ich eine Verbesserung zu vorher feststellen: Ich fühle mich seitdem erholter, ausgeglichener und fitter. Ebenfalls ist das Abschalten am Abend viel einfacher geworden und ich schlafe besser. Wegen all dieser positiven Effekte werde ich den sportlichen Ausgleich in meinen normalen Alltag, der hoffentlich bald wieder einkehren wird, übernehmen.

Julian Röthlisberger (18), Niederwangen

Wenn man mir zu Beginn des Jahres gesagt hätte, dass ich die Matura aufgrund einer Pandemie nicht schreiben werde, hätte ich bloss gelacht. Nun ist es aber Realität, und ich muss irgendwie mit der Situation zurechtkommen. Doch inwiefern wird meine Zukunft durch das Coronavirus wirklich durcheinandergebracht? Zum Glück hatte ich keine grossen Pläne fürs Reisen. Diesbezüglich verändert sich für mich also nichts. Vielmehr wollte ich eigentlich ein Praktikum oder einen Job anfangen, um vor der Rekrutenschule und dem anschliessenden Studium erste Erfahrungen im Berufsleben zu sammeln. Dadurch, dass jetzt so viele Personen eine Arbeit suchen, mache ich mir Sorgen, dass ich nur schwer an ein Praktikum oder eine Arbeit kommen werde. Ich denke, dass dies eine Sorge ist, die viele meiner Alterskameraden teilen.

Doch darüber hinaus wird sich für mich persönlich nicht viel verändern. Diese verrückte Zeit zeigt eindrucksvoll, wie schnell wir Menschen uns an eine neue Situation gewöhnen. So denke ich, wird es auch sein, wenn wieder Normalität einkehrt. Wir werden uns als Gesellschaft noch ein paar Monate mit dem Virus auseinandersetzen und dann kollektiv zum nächsten Thema übergehen.

Noëlle Mosimann (18), Schliern

Instagram, Snapchat und Facebook sind nur eine kleine Auswahl davon, wie viele Apps es mittlerweile im Bereich der sozialen Medien gibt. Millionen von aktiven Usern verbringen täglich mehrere Stunden auf diesen Plattformen. Das hat mich seit dem Lockdown ziemlich beschäftigt und sehr nachdenklich gestimmt. Ich habe gemerkt, dass ich diesen Medien einen zu hohen Stellenwert eingeräumt habe. Jetzt, wo ich viele meiner Freunde nicht mehr regelmässig sehen kann, ist mir richtig bewusst geworden, wie sehr man es schätzen sollte, wenn man beispielsweise «nur» einige unbeschwerte Stunden mit seinen Freunden im Eichholz verbringen darf. Man sollte diese Zeit viel mehr geniessen, den Moment einfach bewusster leben und sein Smartphone eine Weile zur Seite legen.

Die Digitalisierung hat aber nicht nur schlechte Seiten. Apps wie Houseparty bieten ihren Nutzern eine Plattform, mit der es möglich ist, als Gruppe zu telefonieren und alle Teilnehmenden gleichzeitig zu sehen. Durch diese Art des Kontakts erhält man in dieser ungewohnten Zeit ein Stück Normalität zurück.

Ich bin der festen Überzeugung, dass mich diese wertvolle Erfahrung auch künftig begleiten wird. Ich werde meine Prioritäten anders setzen, die Zeit lieber dafür nutzen, mit meinen Freunden und meiner Familie Dinge zu unternehmen. Denn Zusammensein, das ist doch das, was im Leben wirklich zählt.

Victoria Heutschi (18), Riggisberg

«Was möchtest du nach dem Gymnasium studieren?» Noch zu Beginn dieses Jahres konnte ich diese Frage nicht mehr ertragen. Deshalb meldete ich mich im Februar schliesslich für das Medizinstudium an, ohne wirklich von diesem Beschluss überzeugt zu sein. Dass der Numerus clausus erst im Juli stattfindet, kam mir sehr gelegen, so gewann ich Zeit, um eine endgültige Entscheidung zu treffen.

Dann erschien das Coronavirus auf der Bildfläche, und mein Leben änderte sich auf einen Schlag. Ich war gezwungen, zu Hause zu bleiben, und konnte nichts tun, um die Situation zu verbessern. Es fühlte sich an, wie wenn sich jemand im Sportunterricht verletzt und man nur danebenstehen und fragen kann: «Gehts?» Natürlich erhielt ich von meinen Lehrern Aufgaben, doch diese erschienen mir angesichts der Bedrohung durch das Coronavirus mehr und mehr bedeutungslos. So kam es, dass ich mich nochmals mit meiner Studienwahl beschäftigte. Dieses Mal konnte ich mich dem Thema von einer anderen Seite annähern, denn ich habe nun eine klare Vorstellung, was ich von meinem zukünftigen Beruf erwarte. Mir wurde bewusst, dass ich mit der Anmeldung zum Medizinstudium gar keine so schlechte Wahl getroffen hatte, da mir dieses Studium nach Abschluss die Möglichkeit gibt, anderen Menschen in Krisensituationen besser helfen zu können. Bevor ich allerdings mit dem Studium beginnen kann, muss ich mit dem Zulassungstest noch eine letzte Hürde überwinden. Deshalb werde ich nun alles daransetzen, mich so gut wie möglich auf diese Prüfung vorzubereiten.

Raphael Wyss (18), Hinterkappelen

Erst fühlte ich mich wie in einem schlechten Traum: eine Pandemie?! Noch nie habe ich etwas Vergleichbares erlebt – die wenigsten haben das. Die Schule wurde geschlossen, und meine Gefühle diesbezüglich sind gemischt. Anfangs konnte ich mir kein klares Bild über die ganze Situation machen. Es wird auch noch einige Zeit dauern, bis ich alles realisieren kann und mir die Auswirkungen richtig bewusst werden.

Alle Pläne für die nahe und ferne Zukunft sind von einem Moment auf den anderen durchkreuzt worden. Meine ersten Fragen waren: Wie geht es nun weiter? Soll ich nach dem Absolvieren des Gymnasiums ein Zwischenjahr einlegen und erst meinen Militärdienst leisten? Aber was soll ich dann im zweiten halben Jahr machen? Denn ich kann weder ungehindert reisen, noch werde ich in der momentanen Wirtschaftslage eine Arbeit finden. So hätte ich womöglich während eines halben Jahres keine Beschäftigung, und das würde ich nicht aushalten. Deshalb entschied ich mich, den sicheren Weg zu wählen und nach der Matura Betriebswirtschaftslehre zu studieren.

Ich werde also kein Zwischenjahr einlegen und die Welt bereisen, was ich sehr bedaure. Das Reisen bedeutet für mich symbolisch, auf eigenen Beinen zu stehen. Ich hätte mir gewünscht, nach zwölf erfolgreich absolvierten Schuljahren aus der Obhut der Eltern in die Welt hinauszutreten und für Wochen, wenn nicht Monate für mich selbst zu sorgen. Jetzt lautet mein Plan halt anders. Doch ich freue mich auch auf das Studium, und versuche trotz Covid-19, das Beste aus der Situation zu machen.

Artem Anchikov (19), Schliern

Als Nächstes hätten mich die Maturaprüfungen erwartet. Die Prüfungen sind abgesagt, jetzt ist das Leben noch einfacher geworden. Ich träumte schon lange vom Informatikstudium an der ETH in Zürich und habe mich bereits angemeldet. Der Lockdown hatte da keinen Einfluss darauf. Meine Weltanschauung hat sich nicht stark verändert. Ich denke eher an die Probleme, die dem Lockdown folgen werden: in der Wirtschaft, der Gesellschaft, der Medizin und bei den internationalen Beziehungen. Es ist offensichtlich, dass ab jetzt Dinge wie Distance-Learning und Homeoffice mehr Aufmerksamkeit bekommen und öfter eingesetzt werden.

Ich vermute auch, dass die Beziehungen zwischen den Menschen künftig kälter werden könnten. Damit meine ich, dass man mehr Distanz zu fremden Leuten halten wird, und zwar nicht nur physisch.

Die Technologien werden sich weiterentwickeln und die Menschheit so weiterbringen, dass man leben kann, ohne dass man sein Zuhause verlassen muss. Das kann einen Einfluss auf meine Zukunft haben, weil ich Informatik studieren will, und ohne Informatik funktioniert eine solche Lebensweise nicht.

Alina Ingenito (18), Niederwangen

Matura – und dann? Die Frage, wie es nach dem Gymnasialabschluss für mich weitergehen soll, beschäftigte mich schon längere Zeit. Ein Zwischenjahr einlegen? Eine Reise machen? Oder doch lieber gleich ein Studium beginnen? Eine endgültige Entscheidung hatte ich bis vor Corona noch nicht getroffen.

In meine engere Auswahl gehörte jedoch das Sozialanthropologie-Studium. Mich später einmal als Sozialanthropologin für Entwicklungszusammenarbeit zu engagieren und humanitäre Hilfe für Länder zu leisten, die meist über weniger finanzielle Mittel verfügen als wir, konnte ich mir schon immer vorstellen. In der Krise, die uns das Coronavirus beschert, ist mir bewusst geworden, dass ich genau diesen Plan umsetzten sollte. Mir wurde vor Augen geführt, dass für viele Länder eine gute Entwicklungszusammenarbeit gerade heute wichtiger ist denn je. Besonders in den ärmsten Ländern kann eine solche Pandemie verheerende Folgen haben. Genau deshalb ist es mir so wichtig, dass künftig weiterhin solidarische Zusammenarbeit über die Landesgrenzen hinaus betrieben wird.

Die ungewisse Dauer, der unbekannte Verlauf, alle diese Unsicherheiten dieser Krise haben bei mir vieles auf den Kopf gestellt. Aber bei der Frage, ob ich ein Sozialantrophologie-Studium beginnen soll, hat mir die Krise Klarheit verschaffen.

Eric Ammann (18), Spiegel

Meine sonst eher lockere Sichtweise ist etwas angespannter geworden. Wenn ich zu Hause bin, geht die Gefahr zwar jeweils relativ schnell vergessen. Doch die Gedanken an die Zukunft sind von Sorgen begleitet. Das weniger wegen der Ansteckungsgefahr als wegen der beruflichen und privaten Situation. Ich stelle mir etwa die Fragen, ob, wenn ich einmal ausziehe und eine Epidemie wie diese die Schweiz trifft, ich überhaupt noch meine Familie besuchen kann. Und wie ich mich auf eine nächste Epidemie vorbereiten kann. Mein nächstes Ziel ist die Rekrutenschule. Eigentlich hatte ich im Anschluss einen Sprachaufenthalt im Ausland geplant. Doch im Moment ist nicht sicher, ob das machbar ist und wenn ja, in welchem Land? Und falls es dann doch funktionieren sollte, bleibt immer noch die Angst, um die im vierten Quartal angekündigte mögliche zweite Welle.

Es sind harte Zeiten für uns alle.