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Ferienprofis persönlich (8)Die Freiheit, sich ohne Plan treiben zu lassen

Nicole Jenzer gründete zusammen mit ihrem Mann das Unternehmen Citypeak Campers. Auslöser war eine zufällige Begegnung.

Nicole Jenzer – «Reisefüdli» und Geschäftsfrau.
Nicole Jenzer – «Reisefüdli» und Geschäftsfrau.
Foto: zvg

In 30 Minuten ist der Campingbus der Familie abfahrbereit. «Wenn mein Mann Thomas freitags von der Arbeit gekommen ist, fahren wir oft abends noch los», verrät Nicole Jenzer. Die zwei Töchter sind begeistert mit von der Partie. Jenzers verbringen neben Wochenenden auch die Ferien unterwegs auf vier Rädern. Mindestens 50 Nächte im Jahr ist der VW-California ihr Zuhause.

Mindestens 50 Nächte pro Jahr verbringen Nicole Jenzer und ihre Familie im Van.
Mindestens 50 Nächte pro Jahr verbringen Nicole Jenzer und ihre Familie im Van.
Foto: zvg

«Schon meine Eltern nannten mich ein Reisefüdli», so die Geschäftsfrau lachend. Sie arbeitete in einem Reisebüro, als sie auf einer Weiterbildung ihren Mann kennen lernte. Gemeinsam reisten sie oft und gerne, meistens mit Rucksack. Nach der Geburt der Kinder war es vorbei mit der unkomplizierten Reiserei zu zweit. Die junge Familie urlaubte stattdessen im Badehotel am Meer. Am Strand von Korsika lernten Jenzers eine Familie kennen, die mit einem VW-Camper unterwegs war. «Ich hatte keine Ahnung, was das genau für ein Wagen war», bekennt Jenzer. Dank der kompakten Grösse käme man überall hin und könne gut zu viert darin schlafen, schwärmten die neuen Bekannten. «Das fand ich interessant.», erinnert sich die 47-Jährige. Ihren Mann musste sie nicht erst überzeugen, ein Campinggefährt zu testen. «Er hatte beruflich lange mit Wohnmobilen in Nordamerika zu tun und träumte schon als Kind davon, darin zu wohnen.» Einige Wochen später zog die Familie mit einem gemieteten Camper los. «Es hat uns so den Ärmel reingezogen, dass wir das Fahrzeug danach gekauft haben. Überrascht hat mich, wie komfortabel man darin schlafen kann», so die Reisefrau. Damit war der Grundstein gelegt für Citypeak, die Camper-Van-Vermietung, die Jenzers ins Leben riefen.

30 Fahrzeuge, drei Standorte

Was Anfang 2017 aus persönlicher Begeisterung mit einer Mietstation in Gebertingen SG begann, hat sich zum florierenden Geschäft mit zwei weiteren Standorten in Buchrain LU und Füllinsdorf BL entwickelt. Erfolgstreiber ist das Konzept: Zu Beginn jeder Saison stehen 30 brandneue Camper-Vans zur Vermietung bereit. Die sind zusätzlich ausgestattet mit praktischen Extras und technischen Raffinessen wie etwa ein Luftfahrwerk, das den Van am Hang nivelliert. Schliesslich wissen die Jenzers aus eigener Erfahrung, worauf es ankommt. Im Herbst stehen die Fahrzeuge jeweils zum Verkauf. «Ich bin das Fenster zum Kunden», sagt Nicole, die Leiterin Vermietung. Jeder Anruf kommt bei ihr rein. Sie berät, macht Offerten und Bestätigungen.

Während und nach dem Lockdown hatte sie kaum eine ruhige Minute. Die Verunsicherung sorgte massenhaft für Stornierungen; vor Sommerbeginn wurde man von Buchungen aber überrannt. Im Gegensatz zu Vor-Corona seien die Kunden viel spontaner, konstatiert Nicole Jenzer. Auch das Flottenmanagement ist ihr Hoheitsgebiet. Das Pensum verlangt viel Struktur und Planung – Aspekte, die Jenzer sowieso wichtig sind.

Bei Citypeak stehen zu Beginn jeder Saison 30 brandneue Camper-Vans bereit.
Bei Citypeak stehen zu Beginn jeder Saison 30 brandneue Camper-Vans bereit.
Foto: Egelmair Photography
Nach dem Lockdown stehen die Miet-Vans hoch im Kurs.
Nach dem Lockdown stehen die Miet-Vans hoch im Kurs.
Foto: Egelmair Photography
Ein Zuhause auf vier Rädern erlaubt Spontanität.
Ein Zuhause auf vier Rädern erlaubt Spontanität.
Foto: Egelmair Photography
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Allerdings tickt sie beim Reisen völlig anders. Sie bevorzuge Spontaneität und die Freiheit, sich ohne Plan treiben zu lassen. Dank dem Van wird das für die ganze Familie erlebbar.

Wenn es Zeit und Wetter erlauben, fährt das Quartett einfach drauflos. Selbst wochenlange Touren werden nicht vorausgeplant. «Wir entscheiden am Vorabend nach Lust und Laune, wohin wir am nächsten Morgen aufbrechen», so Jenzer. Wichtig ist, dass es für alle stimmt. Will eine Tochter reiten, die andere baden und der Mann Sightseeing in der Stadt, versucht die Familie, alles miteinander zu kombinieren. «Auf Tour entscheiden wir ad hoc, wo wir länger bleiben wollen. Oft lernen wir Leute kennen und bekommen Tipps, erzählt Jenzer.» Planten wir vorher alles, würden wir viel Spannendes verpassen.»

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In dieser Konstellation unterwegs zu sein, ist für sie ein wohltuender Ausbruch aus dem Alltag – Richtung Unbeschwertheit und Freiheit. Die Familie und das gemeinsame Erleben stehen im Vordergrund. «Wir rücken auf wenigen Quadratmetern zusammen und haben doch alles, was wir brauchen. Aber man muss schon der Typ dazu sein, die Nähe auszuhalten», weiss Jenzer. Erstaunlich findet sie, wie die pubertierenden Töchter auf Tour miteinander harmonieren, während zu Hause jede ihrer Wege geht.

Kunden profitieren von Tipps der Familie

Die Covid-19-Krise schärfte den Fokus auf das, was vor der Haustür liegt: eine Fülle an Ausflugszielen in der Natur und den Städten der Schweiz. Dem Wetter und der Corona-Situation angepasst, ist die Familie kreuz und quer im Land unterwegs. Sie übernachtet vorzugsweise auf kleinen Campingplätzen und Bauernhöfen. «Wir fanden sogar im Juli und August tolle ruhige Standplätze ohne Reservation», schwärmt Jenzer. Davon profitieren auch die Kunden, die die Tipps der enthusiastischen Inhaber mit auf den Weg bekommen. Die Jenzers selbst können es kaum erwarten, wieder auf Achse zu sein. In 30 Minuten ist der Campingbus abfahrbereit.

www.citypeak-campers.com

Dieser Beitrag ist Teil einer Serie in Zusammenarbeit mit PrimCom. Die redaktionelle Verantwortung liegt bei Tamedia.