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Nachruf auf Berner SchauspielerinDie Frau mit den Feuerhaaren ist tot

Die Performance-Künstlerin Janet Haufler ist am Dienstag 89-jährig gestorben. Mit ihr geht eine Frau, die zu Bern gehört hat. Nicht nur im Theater.

Janet Haufler (1931–2020)
Janet Haufler (1931–2020)
Foto: pd

Mit ihrem feuerroten Haarschopf und der schwarzen Kleidung fiel Janet Haufler auf. Ihr ernster Blick konnte einem schon einmal Furcht einflössen, wenn sie einem in Bern über den Weg lief.

Dabei war sie ein sensibler Mensch und scheu – eine rare Eigenschaft bei Leuten, die auf der Bühne stehen. Ihr Vater Max Haufler, selbst Theatermensch, sagte es. «Und das stimmt», sagte Janet Haufler im Film, den ihre Freundin Manuela Trapp 2018 über sie gedreht hat.

Trotzdem wurde sie Schauspielerin und Performance-Künstlerin, spielte in Fredi M. Murers erstem Spielfilm «Grauzone» mit und war dabei, als das Theater modern wurde. Zuletzt lebte sie zurückgezogen in der Berner Altstadt. Am Dienstag ist sie nach längerer Krankheit gestorben.

1931 wurde Janet Haufler in Basel in eine Künstlerfamilie geboren. Zu ihrem Vater empfand sie eine tiefe Bindung, obwohl er als gefragter Schauspieler ständig unterwegs war. Nach der Scheidung ihrer Eltern steckte ihre Mutter sie und ihren Bruder ins Waisenhaus. Ein Schock. Doch in ihrer Kindheit entdeckte Haufler auch die Theaterwelt. Bei den Besuchen des Weihnachtsmärchens in Basel «wurde das Theater zu einem magischen Ort», wie sie sagte. Nach einer Schauspielausbildung im Genfer Théâtre de Carouge spielte sie 10 Jahre in Genf, bevor sie nach Bern zog.

Mit Norbert Klassen

Ab 1971 arbeitete sie mit dem umtriebigen Performer Norbert Klassen (1941–2011) zusammen, unter anderem in dessen Kollektiv Studio am Montag. Er wurde ihre engste Vertrauensperson, und neben ihm wurde sie eine wichtige Figur der freien Berner Theaterszene. Doch blieb sie im Schatten Klassens – wie sie auch im Schatten ihres erfolgreichen Vaters blieb, obwohl sie mit ihrer Ruhe, die allerdings bebte und flirrte, einen unverkennbaren Stil auf die Bühne brachte. Gastspiele führten sie nach Paris, Strassburg und Zürich. Sie spielte auch in zahlreichen Filmproduktionen mit.

Janet Haufler blieb Bern erhalten und wurde dank ihrer auffälligen Erscheinung zu einem Teil des Stadtbildes. Dennoch rückte sie nie ganz in den Vordergrund. Sie doch noch ins Rampenlicht zu rücken – das war die Absicht von Regisseurin Manuela Trapp, als sie 2018 das Filmporträt über sie erstellte. Damals war die betagte Dame gesundheitlich bereits angeschlagen, aber noch äusserst wach im Geist.

«Alle Menschen sind einsam, glaube ich», sagte sie im Film, «bei aller Freundschaft ist man nicht sicher, ob man den anderen erreicht.» Obwohl sie keine Verwandten mehr hatte, verbrachte sie ihre letzten Jahre umsorgt in ihrer Theaterfamilie und ihrem grossen Freundeskreis.