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Mein ClubDie Frau mit dem SCB-Archiv

Seit 36 Jahren legt Brigitte Brunner aus Leissigen jeden Artikel dieser Zeitung zum SC Bern fein säuberlich ab. In dieser Zeit hat die 49-Jährige auch nahezu jedes Heimspiel besucht. Treten die Berner auswärts an, fiebert sie vor dem TV mit.

Auf ihrer Terrasse in Leissigen: «Manchmal, wenn es mir langweilig ist, nehme ich einen Ordner hervor und schwelge in Erinnerungen»,  sagt Brigitte Brunner. Allein vom SCB hat die 49-Jährige fast 2000 Meisterschaftspartien dokumentiert.
Auf ihrer Terrasse in Leissigen: «Manchmal, wenn es mir langweilig ist, nehme ich einen Ordner hervor und schwelge in Erinnerungen», sagt Brigitte Brunner. Allein vom SCB hat die 49-Jährige fast 2000 Meisterschaftspartien dokumentiert.
Christian Pfander

29. September 1984: «Nach einer 2:0-Führung hat der SCB das Spiel gegen Wetzikon noch vergeigt», erinnert sich Brigitte Brunner. Zwei Tage später schreibt die damals 14-Jährige das Telegramm aus dieser Zeitung ab. «Das war eine gute Übung, um schön schreiben zu lernen.» Den Spielbericht schneidet sie aus und klebt ihn ein. ­Alles zusammen legt sie fein säuberlich in einem Ordner ab.

29. Februar 2020: Bern verliert in Lausanne mit 2:3 und muss in die Platzierungsrunde. «Ich habe bis zum Schluss an eine Playoff-Qualifikation geglaubt, doch es sollte nicht sein.» Zwei Tage später kopiert sie das Telegramm in eine Word-Datei, druckt diese aus. Der Zeitungsartikel kommt in ein Klarsichtmäppli. Dann legt sie alles zusammen fein säuberlich in einem Ordner ab.

Tosio und McCarthy

Zwischen dem Spiel in Wetzikon und jenem vor einer Woche in Lausanne liegen 36 Saisons, ein Aufstieg, zehn Meistertitel, 1908 Meisterschaftspartien. Jede einzelne hat die 49-Jährige dokumentiert. Ein Ordner pro Spielzeit, zwei Ordner, wenn die ­Saison erfolgreich war. Spielt nämlich Bern um den Titel, werden nicht nur Artikel aus dieser Zeitung archiviert. 45 volle Ordner zieren mittlerweile das Gestell im Bürozimmer. Weil sie nur ein Jahr nach dem SCB auch angefangen hat, sämtliche Artikel über YB abzulegen, muss sie oft von einer Zeitung ein zweites Exemplar kaufen. Dann nämlich, wenn über den SCB und YB auf der gleichen Seite berichtet wird.

«Manchmal, wenn es mir langweilig ist, nehme ich einen Ordner hervor und schwelge in Erinnerungen. Etwa in jenen an die Finalissima 1989, als der SCB am 11. März in der Resega die Dynastie des «Grande Lugano» beendete – und Renato Tosio als neuer Magier betitelt wurde.

Historisch: Am 11. März 1989 besiegt der SCB in der ausverkauften Resega das «Grande Lugano» – und ist Meister.
Historisch: Am 11. März 1989 besiegt der SCB in der ausverkauften Resega das «Grande Lugano» – und ist Meister.
Christian Pfander

Bei Heimspielen von SCB und YB ist Brigitte Brunner seit 36 Jahren immer vor Ort. Fast immer. Am Freitag hätte sie ihren SCB gern in der Postfinance-Arena unterstützt, doch die Berner mussten wegen des Coronavirus vor leeren Rängen auflaufen.

«Ja, es muss schon etwas sehr Aussergewöhnliches passieren, dass ich ein Spiel verpasse.» Und so war sie auch am 17. April 2012 im Stadion, als Steve McCarthy 2,5 Sekunden vor Schluss die ZSC Lions zum Titel schoss. «Mein bitterster Moment als SCB-Fan», sagt Brigitte Brunner. Dokumentiert hat sie aber auch dieses Spiel. Ein, zwei Handgriffe, und der Beweis liegt auf dem Tisch. «Wenn Ihr Archiv einmal nicht zugänglich sein sollte, dann dürfen Sie sich gern bei mir melden», sagt sie – und lacht.

Imposant: Ordner an Ordner zum Schlittschuhclub Bern.
Imposant: Ordner an Ordner zum Schlittschuhclub Bern.
Christian Pfander

Entchen in den SCB-Farben

Auch jedes Auswärtsspiel der Berner verfolgt die gelernte Metzgerin. Am Fernseher. Immer mit dabei sind ihre Glücksbringer: Unter anderem drei Entchen in den SCB-Farben. Jedes trägt eine Mütze – selbst gestrickt – und natürlich auch in den Farben Schwarz, Gelb, Rot.

Vor dem Fernseher immer mit von der Partie: Die Glückbringer der «Forum»-Leserin.
Vor dem Fernseher immer mit von der Partie: Die Glückbringer der «Forum»-Leserin.
Christian Pfander

In Leissigen wohnt Brigitte Brunner zusammen mit ihren Eltern. Vater Werner hat sie denn auch ihre Liebe zu den beiden Berner Sportclubs zu verdanken. Er begleitet sie an jedes Heimspiel – und fiebert auch vor dem TV stets mit. Läuft ein Spiel, zeigt Brigitte Brunner kaum Emotionen, ist konzentriert, ruhig. Meistens. «Am Samstag war auch ich nervös», gesteht sie. Trotz des bitteren Scheiterns: Am Montag hat sie das Telegramm in eine Word-Datei kopiert und ausgedruckt. Den Artikel aus der Zeitung ausgeschnitten und fein säuberlich in einem Klarsichtmäppli abgelegt.

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