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Fallzahlen im Kanton BernDie Corona-Massnahmen scheinen Wirkung zu zeigen

Die neu bestätigten Corona-Fälle im Kanton Bern nehmen ab. Für eine Entwarnung sei es aber noch zu früh, heisst es bei der Gesundheitsdirektion von Pierre Alain Schnegg.

Schnelle Resultate in Belp: Seit Montag ist beim Giessenbad das Schnelltest-Drive-in des Kantons Bern in Betrieb.
Schnelle Resultate in Belp: Seit Montag ist beim Giessenbad das Schnelltest-Drive-in des Kantons Bern in Betrieb.
Foto: Nicole Philipp

Ermunternde Begriffe gehörten in den letzten Wochen nicht zum Wortschatz der Schweizer Epidemiologinnen und Epidemiologen. Vielmehr warnten sie eindringlich vor der rasant fortschreitenden Ausbreitung des Coronavirus und der damit einhergehenden befürchteten Überlastung des Gesundheitswesens.

Am Montag jedoch schlug Nicola Low, Expertin in der Covid-Taskforce des Bundes, plötzlich andere Töne an. «Hopp Bern», schrieb sie auf Twitter. Und weiter: «Zeichen der Hoffnung, dass die am 24. Oktober eingeführten Kontrollmassnahmen greifen.»

Low nahm mit ihrem Tweet Bezug auf die Entwicklung der Corona-Fallzahlen im Kanton Bern. Denn mit einer Verzögerung von rund zwei Wochen seit der Schliessung der Fitnesscenter, Theater oder Kinos sowie der Einführung von weiteren einschneidenden Regeln durch den Regierungsrat ist nun endlich eine positive Entwicklung ersichtlich: Seit dem 5. November nehmen die bestätigten Neuinfektionen ab, wenn man den 7-Tage-Schnitt betrachtet.

Keine Entwarnung

Bei der Gesundheitsdirektion von SVP-Regierungsrat Pierre Alain Schnegg will man aber kein vorschnelles Fazit aus der Entwicklung ziehen. «Die täglichen Fallzahlen sind noch immer hoch», sagt Kommunikationschef Gundekar Giebel. Er weist zudem darauf hin, dass die Zahl der entdeckten positiven Fälle auch vom Testvolumen abhänge. Sprich: Weniger Tests gleich weniger Fälle und umgekehrt. Tatsächlich zeigen die Zahlen des Kantons, dass in der letzten Woche mit 21’606 leicht weniger Tests durchgeführt wurden als noch in der Vorwoche mit 22’578.

Für Giebel ist deshalb klar: «Die Lage ist nach wie vor ernst.» Es bleibe weiterhin wichtig, die Schutzmassnahmen strikt einzuhalten. «Wir können mit den Spitalkapazitäten noch immer an die Grenzen stossen», so Giebel.

Dort, in den Berner Spitälern, ist momentan sowieso noch überhaupt keine Besserung der Situation in Sicht. Die Hospitalisationen wegen Corona nehmen nach wie vor zu, am Dienstag erreichten sie mit 427 Personen einen neuen Höchststand. 62 Leute liegen derzeit auf einer Intensivstation. «Annähernd 50 Prozent der Beatmungsplätze sind mit Covid-19-Patientinnen und -Patienten belegt», so Giebel.

Verzögerung in Spitälern

Allein die Insel-Gruppe betreut in ihren Spitälern rund 100 Erkrankte. «Wir spüren noch keine Entspannung», sagt Mediensprecher Adrian Grob. Dramatisch scheint die Situation aber nicht zu sein. Nach wie vor habe man freie Kapazitäten. «Allerdings wird auch bei uns die Auslastung immer höher», so Grob.

Sowohl die Insel-Gruppe wie auch der Kanton hoffen nun, dass sich die positive Entwicklung der Fallzahlen bald auch in den Hospitalisationen abbilden wird. «Erfahrungsgemäss gibt es in den Spitälern jeweils eine Verzögerung von ungefähr zwei Wochen», so Grob.

Die Gesundheitsdirektion bereitet sich aber auch auf den Fall vor, dass die erhoffte Entspannung doch nicht so rasch eintritt. Am Dienstag hat sie einen Aufruf lanciert und sucht für Spitäler und Heime diplomiertes Gesundheitsfachpersonal. Dies für den Fall, dass die Betreuung der Patienten mit den vorhandenen Mitarbeitern nicht mehr gewährleistet werden kann.

Wie es mit den Corona-Massnahmen im Kanton Bern weitergeht, will der Regierungsrat bis spätestens am 20. November entscheiden. Die aktuellen Regeln und Einschränkungen gelten vorerst befristet bis zum 23. November. Diesbezüglich sagt Giebel: «Eine Lockerung kann in Erwägung gezogen werden, wenn Fallzahlen deutlich gesunken sind und sich auf tiefem Niveau stabilisieren.» Wenn die Massnahmen zu früh und zu schnell gelockert würden, «werden die Fallzahlen sofort wieder stark zunehmen».

7 Kommentare
    D. Hostettler

    @Daniel Stirnimann

    Ich sehe die Massnahmen auch Sehr übertrieben und wahrscheinlich nichts nützte

    Abstand und Anständ haben

    Die Risikogruppe schützen und auch pflegen so könnte viel Geld gespart werden