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Sportwetten im Kanton BernDie Clubs wollen gar nicht wetten dürfen

Bisher waren sie verboten, das ändert sich nun: Resultatwetten können lokale Fussballclubs selber organisieren. Doch die verspüren kein Bedürfnis danach.

Wer gewinnt dieses Derby? Auf Sieg oder Niederlage des FC Köniz  oder des FC Breitenrain könnte man künftig wetten. Vorausgesetzt, die Clubs bieten von sich aus solche Resultatwetten an.
Wer gewinnt dieses Derby? Auf Sieg oder Niederlage des FC Köniz oder des FC Breitenrain könnte man künftig wetten. Vorausgesetzt, die Clubs bieten von sich aus solche Resultatwetten an.
Thomas Reufer

Wetten, dass Sie das nicht wussten? Eine Wette auf das Wetter zu platzieren, ist in der Schweiz verboten. Tipps sind offiziell nur dann erlaubt, wenn es um Sportereignisse geht. Und auch dann nicht in allen Kantonen. In Bern zum Beispiel sind lokale Sportwetten verboten. Geht es nach dem Grossen Rat, ändert sich das bald – allerdings mit einigen Einschränkungen.

Spielen also beispielsweise der FC Köniz und der FC Breitenrain gegeneinander, dürfen die Clubs künftig eine Resultatwette anbieten: Wer siegt, wer verliert? Tippen können Fussballmatchbesucher nur vor Ort – am Kassenhüsli beispielsweise. Buchmacher dürfen nicht involviert sein.

Bedingung ist auch, dass der Erlös einer solchen Wette einem gemeinnützigen Zweck zugutekommt. Bei Vereinen gilt, dass – wenn sie keine wirtschaftlichen Aufgabe verfolgen – das Geld auch in die Vereinskasse fliessen darf. Den Vereinen bietet sich so die Möglichkeit, ihre Finanzen aufzubessern. Deshalb hat der Grosse Rat in der ersten Lesung zum neuen Geldspielgesetz entschieden, Sportwetten zuzulassen.

Vereine sind skeptisch

Die lokalen Fussballclubs sollten sich also freuen über diese Möglichkeit – sollte man meinen. Doch wie eine Umfrage bei Clubs im ganzen Kanton zeigt, sind die Reaktionen verhalten bis negativ.

Vorab haben alle der befragten Fussballfunktionäre noch gar nicht davon gehört, dass das Parlament ihnen dieses Tor öffnen will. Bisher sei das kein Thema gewesen, sagt etwa Marco Prack, Geschäftsführer des Fussballverbands Bern-Jura. «Auch nicht innerhalb des Vorstands.» Ohne die Umstände zu kennen, stelle er einfach fest: Geld sei als Zustupf bei Vereinen im Amateurbereich immer willkommen.

«Auch wenn wir davon profitieren könnten, glaube ich, dass Sportwetten falsche Anreize setzen.»

Agron Velija, Besa Biel

In Biel horcht Agron Velija, Sekretär von Besa Biel, auf. Auch er höre zum ersten Mal davon, dass lokale Wetten erlaubt sein werden. «Ein Bedürfnis? Nein, das ist eher problematisch», findet er. Denn schliesslich seien Sportwetten gerade in den unteren Ligen verlockend für Manipulationen. «Auch wenn wir davon profitieren könnten, glaube ich, dass Wetten falsche Anreize setzen.»

«Ob Sportwetten eine innovative Idee für den Fussball sind? Das weiss ich gerade nicht.»

Pascal Ruprecht, FC Köniz

Den administrativen Mehraufwand für den Club müsse man ins Verhältnis zum Aufwand setzen, sagt Pascal Ruprecht, Präsident des FC Köniz. Ob sich der Verein tatsächlich mit Spielwetten auseinandersetzen wolle? «Diese Frage müssten wir uns erst stellen.» Sicherlich suchten alle Vereine nach Möglichkeiten, um Einnahmen sicherzustellen. «Innovative Ideen sind gefragt, aber ob Sportwetten innovativ für den Fussball sind? Das weiss ich gerade nicht.» Ruprecht sagt auch, vor der politischen Debatte hätte er erwartet, dass man die lokalen Vereine abholt.

«Ich wüsste nicht, wer sich um die Wetten kümmern soll, wenn wir schon Mühe haben, jemanden zu finden, der die Matchprogramme verteilt.»

Heinz Gilgen, FC Steffisburg

Weder beim FC Langenthal noch beim FC Steffisburg haben die Präsidenten Guido Bardelli und Heinz Gilgen je von dieser politischen Absicht Kenntnis erhalten. Auch Gilgen verweist auf die Ressourcen. «Ich wüsste nicht, wer sich um die Wetten kümmern soll, wenn wir schon Mühe haben, jemanden zu finden, der die Matchprogramme verteilt.»

«Sportwetten geniessen ja generell nicht den besten Ruf, können leicht aus dem Ruder laufen, was schnell zu einem Reputationsschaden führen kann.»

Claudio Engeloch, FC Breitenrain

Auch der FC Breitenrain winkt ab. «Wir haben uns mit der Thematik noch nicht befasst, werden es aber wohl auch kaum gross tun», teilt Präsident Claudio Engeloch mit. Sportwetten stünden «eher ganz unten» in der Skala von angedachten Massnahmen. Dies auch, weil Sportwetten ja generell nicht den besten Ruf genössen und leicht aus dem Ruder laufen könnten, was schnell zu einem Reputationsschaden führen könne. Auch sei er der Meinung, dass sie «eh nicht» zur Kult-Kultur des FC Breitenrain passen würden. Ohnehin bestimmen aktuell die coronabedingten Spielverschiebungen und Massnahmen in diesem Zusammenhang die Agenda des Vereins.