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Die Bluthunde in der Glamourbude

Von Bligg zu Lady Gaga, von Jamaika zu Rolf Knie: Teil III in der Serie der Züri-Fakten, die man nicht zu wissen braucht und doch nie vergisst.

Das Bellevue präsentiert zum dritten Mal skurrile Fakten zu Zürich - unnützes Wissen, das sich hervorragend für Small Talk am Weihnachtsapéro eignet.

  • In der «Glanz & Gloria»-Sendung vom 18. August 2007 kämpfte der Zürcher Rapper Bligg mit den Cervelatpromis Vera Dillier, Marianne Cathomen und Ivo Adam in einem Kochduell um das Goldene Rüebli. Jedem der vier Teilnehmer stand dabei ein Budget von 300 Franken zur Verfügung, um Lebensmittel einzukaufen. Bligg verwendete das Geld, um sich für 248 Franken einen Küchentisch bei der Ikea zu besorgen, und servierte den Gästen in Crêpes eingerollte Reste aus der letzten Woche. Er befand sich gerade in einem Karrieretief. Sein kurz zuvor veröffentlichtes Album «Yves Spink» blieb hinter den Erwartungen zurück. Ein gutes Jahr später erschien «0816», jenes Album, das sich bislang über 140'000-mal verkauft hat. Kurz zu Yves Spink, dem Titelgeber von Bliggs Album: Eine der legendärsten Partys, die diese Stadt je erlebt hat, soll die Feier zum 35. Geburtstag dieses Ex-Werbers und Gastronoms gewesen sein. Man vergnügte sich in einer Penthousewohnung an der Dianastrasse 5 samt marmornem Indoorpool, Rutschbahn und Dachterrasse. Mit dabei: Rodrigo Gonzalez von den Ärzten, Melanie Winiger und die ganze Zürcher Szeni-Meute.
  • Die Bloodhound Gang drehte übrigens in just jener Wohnung mithilfe der Zürcher Produktionsfirma Condor Films und einer 22-köpfigen Crew im Jahr 2000 den Videoclip zu ihrem leider sterbenslangweiligen Song «The Inevitable Return of the Great White Dope». Der Dreh mit der Band aus Pennsylvania und dem Glamour Model Carmen Electra dauerte von 10 Uhr morgens bis 8 Uhr am nächsten Morgen.
  • Spink, früher an jeder Party anzutreffen, lässt es seit ein paar Jahren etwas ruhiger angehen. Der Mitbetreiber der Talacker Bar, der Longstreet Bar und des Restaurants Volkshaus führt seit neustem gemeinsam mit Jens Jung, Moritz Frey und Ueli Hinder in der Stadelhofenpassage eine biologische Bäckerei namens John Baker.
  • In der Talacker Bar, an der Spink beteiligt ist, wurde früher an nur zwei Zapfhähnen Löwenbräu gezapft. Und zwar Tausende von Litern. Als sich die Vertreter der deutschen Brauerei vor ein paar Jahren anschauen wollten, wie einer ihrer grössten Schweizer Abnehmer denn optisch so daherkommt, kippten sie fast aus den Latschen. Sie hatten ein viel, viel grösseres Lokal erwartet.
  • «Ich bin zeichnet vom Läbe, aber au das/bin i no lieber als vom Rolf Knie gmaalt», rappt Daniel Bachmann alias Skor, Stammgast in den Zürcher Bars und Clubs und in dieser Rubrik, in seinem Song «Rundi uf mich». Besagtem Künstler, der momentan in unmittelbarer Nähe des Flughafens Kloten den Weihnachtszirkus Salto Natale veranstaltet, dürfte das ziemlich egal sein. Rolf Knie verdient mehrfach mit: Er ist zu einem Drittel am Zirkus Knie beteiligt, hat seine Kunst und einen Webshop mit Badetüchern und iPhone-Hüllen mit farbenfrohen Motiven aus der Zirkuswelt.
  • Was machen Zürcher Mundart-Reggaesänger in Jamaika? Sie kochen Pasta und komponieren Songs auf Patois. So haben es jedenfalls Elia Salomon und Dennis Furrer, besser bekannt als Elijah und Phenomden, in den Hügeln der Hauptstadt Kingston gemacht. Beide verbrachten annähernd ein Jahr gemeinsam auf der Insel. Furrer ist derzeit wieder dort, Elijah schickt sich an, im Frühjahr ein neues Album zu veröffentlichen. Es soll fünfsprachig sein.
  • Bachelor Vujo Gavric (27) ist Spieler des FC Rapperswil-Jona. Genau wie seine Brüder Aleksandar und Nikolai. Die waren zuletzt ein Jahr gesperrt. Anfang Juni 2012 halfen sie spontan dem FC Republika Srpska im Abstiegskampf gegen den Racing Club Zürich aus. Sie schossen sogar drei Tore - allerdings flog die Sache auf. Das Spiel wurde schliesslich 3:0 für Racing gewertet.
  • Vujo kickte am 21. November 2009 im Cup gegen den FC Biel/Bienne. Nachdem ihm nach neun Minuten das 1:0 gelungen war, hob er das Trikot und enthüllte darunter ein T-Shirt mit der Aufschrift «Carl, not guilty».
  • Im neuen Film des US-Regisseurs Spike Jonze spielt Joaquin Phoenix einen Mann, der sich in ein Betriebssystem verliebt. Der Film mit dem Titel «Her», der am 27. März in die Schweizer Kinos kommt, wurde in Los Angeles und Shanghai gedreht, die Bilder danach zu einem futuristischen Ganzen zusammengefügt. Jonze sagte uns, er hätte genauso gut in Zürich drehen können - in einer sauberen, wohlorganisierten, modernen Stadt.
  • Das Google-Street-View-Auto erwischte Andreas Meier, Head of Music bei Radio 24, im Tarnanzug - auf dem Weg vom WK nach Hause. Er steht an der roten Ampel am Bucheggplatz, oberhalb des Autotunnels.
  • Schauspieler Beat Schlatter ist bekannt dafür, sich für seine Bingo-Runden skurrile Preise auszudenken. Beispiele: eine Woche als Pornoproduzent in den Kinospalten der grossen Schweizer Zeitungen zu erscheinen, einen Wirtschaftskriminellen zum Ausfüllen der Steuererklärung zur Seite gestellt zu bekommen oder Wetterfrosch Thomas Bucheli, der einem auf dem heimischen Balkon das Wetter vorhersagt.
  • Der Schweizer Schlagzeuger Pierre Favre (76), wohnhaft in Uster, spielte einst mit verschiedenen namhaften Exponenten der Jazzszene am 50. Rezital in der Zürcher Tonhalle (eine Konzertreihe, die es seit über 32 Jahren gibt). Man gab in weissen Handschuhen Werke von John Cage und Mauricio Kagel zum Besten. Kagel - ein wichtiger, inzwischen verstorbener Vertreter der neuen Musik - war anwesend und wollte den Musikern anschliessend die Hand schütteln, doch Favre weigerte sich, die Handschuhe auszuziehen.
  • Der Art Directors Club Schweiz verleiht jedes Jahr an einer glamourösen Gala marmorne Würfel für herausragende Werbung. Diese Auszeichnungen sind auch ein Gradmesser für die kreative Potenz einer Agentur. An der Gala wird seit 1983 eine aufwendige Festzeitschrift verteilt. Sie entsteht in enger Zusammenarbeit mit einem bekannten Schweizer Printmedium, das augenzwinkernd adaptiert wird. Die kommende Ausgabe entsteht in Zusammenarbeit mit dem Politmagazin «Cicero», herausgegeben vom Ringier-Verlag.
  • Der Geschäftssitz des Art Directors Club befindet sich an der Zentralstrasse 18 - in den Räumen, die vormals die Galerie von Minerva Mondejar, der philippinischen Frau von Regisseur Michael Steiner, beherbergten. Derzeit befindet sich das Ehepaar auf den Philippinen und bemüht sich, eine Schule im Taifun-Gebiet aufzubauen. Steiner hatte dort eigentlich Kaffee züchten wollen.
  • Der Zürcher Troubadour Daniel Binggeli (44), Mitglied des Duos Teppichmode, hat einst einen Song für den ehemaligen FCZ-Spieler Eric Hassli komponiert. In dem Song «Dä Erich, dä Erich» von 2008, der Hasslis damalige Frau zu Tränen rührte, wird der bullige Franzose mit Serge Gainsbourg und Eric Cantona verglichen. Auch Hassli (32) kamen die Tränen, als er Zürich 2011 Richtung Kanada verliess. Inzwischen ist er beim FC Dallas gelandet.
  • Starfotograf Alberto Venzago, der zuletzt einen Film über den russischen Dirigenten Valery Gregiew abgedreht hat, machte seine ersten Aufnahmen für die Jugendzeitschrift «Popcorn» von Jürg Marquard. Hannes Schmid ebenfalls.Jürg Marquard, Verleger mit Luxusjacht und Turmzimmerblick, ist Schweizer Honorargeneralkonsul von Ungarn.Andres Andrekson (36), besser bekannt als Stress, heute wohnhaft in einem Haus mit Umschwung in Zollikerberg, war in jungen Jahren süchtig nach Sinalco. Im sozialistischen Estland, wo er mit Schwester und Mutter aufgewachsen ist, gab es keine solchen Getränke. Seinen 18. Geburtstag verbrachte Andrekson übrigens damit, ausserhalb von Lausanne ein Gebäude neu zu streichen. Man hatte ihn kurz zuvor beim Sprayen erwischt, hohe Busse inklusive.
  • Am 12. Februar 2009 trat Lady Gaga im Vorprogramm der Pussycat Dolls im Hallenstadion auf. Der Auftritt war beschämend: eine magere, unausgereifte Vollplayback-Show, begleitet von einem herumschreienden DJ. Nach 20 Minuten war der Spuk vorbei. Die Raketenkarriere war damals noch nicht absehbar. Heute fragt man sich: Wer waren eigentlich die Pussycat Dolls?
  • Die Calvados Bar am Idaplatz in Wiedikon diente jahrelang als Kulisse für die Schweizer TV-Soap «Lüthi & Blanc». Der Aussenbereich wurde abgefilmt, das Interieur im Studio nachgebaut. Heute wird sie von einem Team um Mischa Dieterich geführt, der auch für die Lokale Gartenhof, Mohrenkopf, Maison Manesse und Frau Gerolds Garten mitverantwortlich ist und die Kunsteisbahn Dolder viermal zur Disco umfunktioniert hat. Am 21. Dezember steigt dort die fünfte Schlittschuhparty. Beliebt ist Dieterichs Bar bei Fussballfans jeden Alters: Letzten Mittwoch verfolgte Ex-Nati-Coach Köbi Kuhn (70) dort die Champions League mit.

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