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Wie das Büffeln leichter gehtDie besten Lerntricks für Kinder

Ablenkung hier, Ablenkung da: Vielen Schülern und Jugendlichen fällt das konzentrierte Lernen schwer. Mit diesen Tipps klappts besser.

Weniger Aufwand, bessere Leistung: Ab und zu ein Abfrage-Test bringt zum Beispiel beim Vokabellernen mehr als ständiges Pauken.
Weniger Aufwand, bessere Leistung: Ab und zu ein Abfrage-Test bringt zum Beispiel beim Vokabellernen mehr als ständiges Pauken.
Foto: Getty

Vom Duftstäbchen bis Handy gibt es einiges, was Kindern das Lernen erleichtern kann. Eine Methode heisst zum Beispiel «Testing». Sie bringt ein Viertel weniger Lernaufwand und eine bessere Leistung, glauben jedenfalls Wissenschaftler. «Ein einziger Test kann so effektiv sein für das Langzeitgedächtnis wie fünf Wiederholungen», sagt Jürgen Kornmeier, Neurowissenschaftler an der Universität Freiburg im Breisgau.

US-Wissenschaftler haben das «Testing» beim Wörterlernen erforscht. Dabei werden die Vokabeln beim Lernen immer wieder abgefragt, indem man etwa mit Kärtchen arbeitet und sie abdeckt. Die Wörter, die der Schüler weiss, braucht er anschliessend nicht mehr zu büffeln, aber er sollte sie weiterhin in Form von Selbsttests (Testing) abfragen. Diese Methode ist effizienter, als weiterhin alle Vokabeln zu lernen; zudem erhöhen die Tests die Lernleistung. «Testing» funktioniert übrigens auch bei Rechenaufgaben. Vermutlich bremsen die wiederholten Tests das Vergessen von Erlerntem.

Pauken mit Pausen

Einen anderen Trick fand ein deutscher Psychologe schon 1885 heraus: Paukte er am Stück, ohne Pausen, benötigte er 68 Durchgänge, um den Lernstoff zu verinnerlichen. Verteilte er das Lernen aber auf drei Tage, musste er den Stoff nur 38 Mal durchgehen. Fachleute sprechen da vom «Spacing-Effekt». Er funktioniert bei Vokabeln, Bildern und beim Rechnen – in jedem Lebensalter, bei 4-jährigen Knirpsen ebenso wie bei über 70-jährigen Senioren.

Anfangs, wenn der Stoff noch ganz neu ist, kann pauken schon sinnvoll sein. Danach aber «verankern» längere Pausen das Gelernte besser im Gedächtnis. In einem Experiment testete Jürgen Kornmeier, wie lange die Pausen am besten sind: 7, 20 oder 60 Minuten, 2 1/2, 12 oder 24 Stunden.

Die regelmässige 12-stündige Pause erwies sich als die beste, nach vier Wochen konnten sich die Teilnehmer noch an 85 Prozent des Lernstoffs erinnern. Mit einer Mini-Pause von 7 Minuten rekapitulierten sie bloss 60 Prozent, und mit 24-stündiger Lernpause war es gar nur etwas mehr als ein Drittel.

Ging es darum, sich rasch nach der Lern-Einheit zu erinnern, schnitt die kurze Pause am besten ab. Für ein dauerhafteres Erinnern waren aber die 12-Stunden-Lernpausen besser. Das heisse aber nicht, dass 12-stündige Unterbrüche grundsätzlich am besten seien, so Kornmeier. «Der optimale Abstand kann vom Lernmaterial, von der Zahl der Wiederholungen und vom Lernenden selbst abhängen.»

Durch längere Pausen «verankert» sich das Gelernte besser im Gedächtnis.
Durch längere Pausen «verankert» sich das Gelernte besser im Gedächtnis.
Foto: Getty

Lernen bedingt dreierlei: Der Stoff muss aufgenommen und in Nervensignale «übersetzt» werden. Dann muss er sich verfestigen und vom Arbeitsspeicher in den Langzeitspeicher übergehen. Und schliesslich muss diese abgespeicherte Information erinnert werden können. Dies gelingt besser, wenn die Schüler zwischendurch Pausen machen. Zwei zeitlich verteilte Lerneinheiten können dabei doppelt so nützlich sein wie zwei unmittelbar aufeinanderfolgende.

Feedbacks einholen

Wer eine Rückmeldung zu seiner Erinnerungsleistung bekommt, lernt besser. Noch besser wird die Lernleistung, wenn das Feedback nicht sofort nach dem Test kommt, sondern zeitlich verzögert. «Viele Schüler haben Mühe damit, ihre Zeit gut einzuteilen. Sie lernen zu kurzfristig und vergessen, Zeitpuffer einzuplanen», stellt Yves Karlen immer wieder fest. Er ist Lehr- und Lernforscher an der Fachhochschule Nordwestschweiz. Ein gut gestalteter Arbeitsplatz mit – idealerweise – Tageslicht, gelegentlichem Lüften und genügend Wasser (keine Energy Drinks!) zum Trinken unterstützen das Lernen. «Störquellen wie das Smartphone, das auf dem Pult ständig piept, sollte man ausschalten.»

Weitere Faktoren, die wichtig sind: «Beharrlichkeit, auch wenn der Lernstoff langweilig ist, der Glaube, dass man Probleme und Herausforderungen überwinden kann, und die Überzeugung, dass sich Fähigkeiten mit Üben und Lernen verbessern lassen», rät Karlen. Ganz wichtig ist auch Schlaf, weil sich das Erlernte dabei im Gehirn «verfestigt».

Belohnen und Konditionieren

Genügend Schlaf ist wichtig, weil sich dabei das Erlernte im Gehirn «verfestigt».
Genügend Schlaf ist wichtig, weil sich dabei das Erlernte im Gehirn «verfestigt».
Foto: Getty 

Belohnungen machen zwar die Mühsal ein wenig wett, besser wäre aber, das Lernen mit Spass oder etwas Angenehmem zu verbinden. In einem ungewöhnlichen Experiment mit Sechstklässlern halfen sogar Duftstäbchen mit Rosenduft. Lagen sie beim Lernen, beim Schlafen und während der Prüfung (nicht angezündet) neben den Kindern, schnitten diese im Test besser ab. Das zeigte das Experiment einer Kollegin von Kornmeier. Der Rosenduft hilft dabei, dass das Gelernte nachts ins Langzeitgedächtnis übertragen wird. Lernforscher Karlen ist allerdings skeptisch: «Ein bisschen Rosenduft, und dann klappts – schön wärs.»

Dieser Artikel ist die gekürzte Fassung eines Beitrags im Mamablog: blog.tagesanzeiger.ch/mamablog