Der Lichtschalter für den Hosensack

Jetzt bietet auch Ikea Lampen mit Funkfernbedienung an. Der Möbelgigant ist zwar deutlich billiger als die Konkurrenz von Philips und Osram, aber noch sind nicht alle Funktionen damit möglich.

Ein, aus, heller, dunkler: Die mobile Fernbedienung ersetzt den klassischen Lichtschalter.

Ein, aus, heller, dunkler: Die mobile Fernbedienung ersetzt den klassischen Lichtschalter.

(Bild: zvg)

In einem smarten Heim hängt der Lichtschalter nicht einfach an der Wand und schaltet Lampen nur ein und aus. In einem Smart Home ist der Lichtschalter mobil und steuert Helligkeit, Lichtfarbe und das Einschaltverhalten mehrerer Lampen gleichzeitig – falls erforderlich auch vorprogrammiert automatisch oder von unterwegs.

Dass Konsumenten sich zunehmend für diese Technik interessieren, zeigt die Beliebtheit der Hue-Serie von Philips. Osram hat auf den Trend mit seiner Lightify-Serie reagiert, kleinere Anbieter wie Belkin oder Elgato versuchen sich mit eigenen Lösungen.

Seit April gibt es mit Tradfri (Ikea-Deutsch für kabellos) nun auch beim Möbelgiganten aus Schweden smarte Beleuchtung. Ikea bleibt dabei dem eigenen Grundsatz treu und bietet viel Funktionalität zum günstigen Preis.

Die grundlegenden smarten Funktionen und die Bedienung sind bei allen drei grossen Anbietern ähnlich: Sie steuern per Funk gleich mehrere LED-Lampen im Haus, entweder mit einer Fernbedienung oder mit einer App auf dem Smartphone oder Tablet. Alle Anbieter haben zudem als Zubehör einen Bewegungsmelder im Angebot, der die Lampen situationsabhängig automatisch steuert.

Fernbedienung

Die mobile Fernbedienung ersetzt dabei den klassischen Lichtschalter. Zwar liefern alle Anbieter stets eine Halterung mit, die sich mit Klebestreifen oder Schräubchen an Wand oder Möbeln befestigen lässt. Wirklich nötig ist die aber nicht, denn die eigentliche Bedieneinheit ist mobil, und Strom wie für den Schalter an der Wand benötigt sie dank einer Batterie nicht.

Die Fernbedienung und die damit zu steuernden Lampen werden zu Beginn einmalig miteinander per Funk gekoppelt, alle daran gekoppelten Lampen werden dann gleichzeitig heller oder dunkler, ein- oder ausgeschaltet. Bis zu zehn Lampen können das pro Raum und Fernbedienung sein.

Da die Reichweite der Fernbedienung nur 10 Meter beträgt, braucht es wie beim richtigen Lichtschalter für jeden Raum eine eigene Fernbedienung. Auch wer im gleichen Raum Lampen getrennt steuern will, braucht im Prinzip mehrere Fernbedie­nungen.

Gateway und App

Für das individuelle Ansteuern aller smarten Lampen im Haus braucht es zusätzlich den sogenannten Gateway. Er wird per Netzwerkkabel mit dem WLAN-Router zu Hause verbunden. Auf das Smartphone wird die kostenlose App von Hue, Lightify oder Tradfri aufgespielt.

App sei Dank: Lichtsteuerung per Tablet oder Smartphone. Bild: zvg

Dann lässt sich beispielsweise auch vom Wohnzimmer im Erdgeschoss aus das Licht in den oben gelegenen Kinderzimmern dimmen oder ausschalten. Ausserdem lassen sich die Apps so programmieren, dass sie beispielsweise zum Aufwachen einen Sonnenaufgang simulieren oder zum Schutz vor Einbrechern zu bestimmten Zeiten das Licht in manchen Zimmern ein- und ausschalten – selbst, wenn man in den Ferien ist.

Da das Gateway über den Router auch Zugang zum Internet hat, ist eine Steuerung der Lampen auch von unterwegs per Smartphone möglich, beispielsweise um Aktivität zu Hause vorzutäuschen oder um versehentlich eingeschaltetes Licht von unterwegs auszuschalten.

Die Qual der Wahl

Die Frage nach dem richtigen Anbieter liegt daher wie so häufig im Detail. Ikea beispielsweise bietet vernünftige Qualität zum günstigen Preis. Die Lampenauswahl deckt aber nur die Grundbe­dürfnisse ab. Ikea hat aber als einziger der Marktteilnehmer LED-Paneele im Progammangebot, die Licht von der Decke oder Wand flächig an den Raum abgeben oder in (die firmeneigenen) Regale passen.

Philips’ Hue bringt jahrelange Erfahrung mit, eine grosse Auswahl an weissen und farbigen Lampen, Leuchten für Decke, Wand, Tisch oder auch zum Einbau als Downlight in Möbel- oder Küchenschränke.

Wer ein iPhone oder iPad besitzt, kann die Hue-Lampen auch mit der Homekit-App von Apple bedienen. Hat man noch weitere Homekit-kompatible smarte Geräte im Haushalt wie ein fernsteuerbares Heizungsthermostat oder eine Überwachungskamera, kann man sich darüber das Hantieren mit mehreren Apps sparen.

Die drei wichtigsten Systeme im Überblick

* Basis-Set mit 1× warmweisse dimmbare Lampe, Fernbedienung und Internet-Gateway. Quelle: Recherche

Auch via den Onlinedienst IFTTT ( If This Then That) lassen sich die Lampen steuern. Zudem lassen sich die Hue-Lampen über Apples Sprachassistenten Siri per Zuruf ein- und ausschalten, ebenso wie über Amazons Assistenten Alexa.

Bei Osrams Lightify ist die Auswahl an Lampen und Leuchten grösser als bei Ikea, aber deutlich kleiner als bei Philips. Auch lässt sich Lightify weder in Apples Home­kit einbinden, noch gibt es die Möglichkeit einer Sprachsteuerung. Derzeit noch interessanter Vorteil von Lightify ist die per Funk steuerbare Steckdose: Über sie lässt sich quasi jedes elektronische Gerät fernsteuern, über Gateway und App auch von unterwegs.

Im Prinzip kompatibel

Alle drei Anbieter verwenden den etablierten Zigbee-Standard, um die Lampen oder andere Komponenten per Funk anzusteuern. Sie sind daher im Prinzip zueinander kompatibel, sodass sich beispielsweise die günstigen Lampen von Ikea zusammen mit einer stylischen Hue-Deckenleuchte und der Lightify-Steckdose kombinieren lassen.

Derzeit funk­tioniert das Fremdgehen in der ­Praxis nur zwischen Hue und Lightify. Ikea arbeitet daran, per Update einen Fehler in seinem Gateway zu korrigieren. Dann sollen auch die schwe­dischen Komponenten zu Hue und ­Lightify kompatibel sein und Tradfri Homekit-tauglich machen.

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