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Zehn Kantone auf RisikolisteDeutschland plant Sonderregel für Einkaufstouristen

Ab Samstag erschwert Deutschland die Einreise für Schweizer aus zehn Kantonen – Baden-Württemberg will Einkaufstouristen aber trotzdem reinlassen.

In den nächsten drei Wochen dürfen Personen aus den zehn Schweizer Risikokantonen nur mit negativem Corona-Test in Deutschland einkaufen. Ab 8. November sollte dies dann aber wieder ohne Einschränkungen möglich sein.
In den nächsten drei Wochen dürfen Personen aus den zehn Schweizer Risikokantonen nur mit negativem Corona-Test in Deutschland einkaufen. Ab 8. November sollte dies dann aber wieder ohne Einschränkungen möglich sein.
Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Nach Genf und der Waadt hat Deutschland am Donnerstagabend acht weitere Schweizer Kantone auf die Risikoliste gesetzt: Zürich, Zug, Schwyz, Nidwalden, Uri, Freiburg, Jura, Neuenburg. Für Personen aus diesen Kantonen wird die Einreise nach Deutschland ab Samstag durch eine Quarantänepflicht erschwert, es gibt aber auch Ausnahmen für Grenzgänger, Familienbesuche und berufliche Reisen. Die grössten Auswirkungen hat die Risiko-Einstufung für Ferienreisende beider Länder und für Einkaufstouristen.

Die Einschränkung für Letztere könnte aber nur kurz dauern. Denn am 8. November tritt in Deutschland eine neue Muster-Quarantäneverordnung in Kraft, mit der die Regeln in allen Bundesländern vereinheitlicht werden sollen. Personen, die sich weniger als 24 Stunden im Grenzgebiet aufhalten, sind von der Quarantänepflicht befreit, auch ein negativer Test muss nicht vorgewiesen werden.

Grafik zur Muster-Quarantäneverordnung der deutschen Regierung. Im ersten Punkt wird die Ausnahme beschrieben, die auch für Einkaufstouristen gelten soll.
Grafik zur Muster-Quarantäneverordnung der deutschen Regierung. Im ersten Punkt wird die Ausnahme beschrieben, die auch für Einkaufstouristen gelten soll.
Grafik: Bundesregierung.de

Wer also nur für ein paar Stunden zum Einkaufen nach Waldshut, Singen oder Konstanz fährt, wird dies ab 8. November wieder ohne Einschränkungen machen können. Die einzelnen Bundesländer können nach eigenem Gutdünken auch von der Muster-Quarantäneverordnung abweichende Regelungen erlassen. In Baden-Württemberg, Saarland und Rheinland-Pfalz gibt es keine Zwangspause für Einkaufstouristen – dort gilt eine Notverordnung. Diese sogenannte 24-Stunden-Regel erlaubt Personen aus Grenzregionen eine Einreise ohne Corona-Test und Quarantänepflicht.

Die betroffenen Schweizer Kantone müssen sich in den nächsten Wochen auf jeden Fall auf verändernde Regeln bei Reisen nach Deutschland und im Umgang mit deutschen Touristen einstellen. Das gilt ab Samstag respektive mit der neuen Musterverordnung ab 8. November:

Allgemeine Regeln

Ab Samstag, 17. Oktober: Nach dem Grenzübertritt müssen Reisende, die sich in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten haben, auf direktem Weg für 14 Tage in Quarantäne. Auf eine Quarantäne kann in den meisten Bundesländern verzichtet werden, wenn bei der Einreise ein negativer PCR-Test vorgewiesen wird, der höchstens 48 Stunden vorher durchgeführt wurde. Tests aus der Schweiz werden in Deutschland anerkannt. Wird ein Test erst nach der Einreise durchgeführt, kann das die Quarantäne verkürzen. Je nach Bundesland müssen Tests nach 5 oder 7 Tagen wiederholt werden.

Deutschland warnt vor «nicht notwendigen, touristischen Reisen» in die betroffenen Schweizer Kantone. Die grossen Wintersportdestinationen Graubünden, Wallis und Bern gelten derzeit nicht als Risikogebiet.

Ab dem 8. November: Die Quarantäne dauert dann nur noch 10 Tage. Dafür kann sie erst nach 5 Tagen durch einen negativen Test verkürzt werden. Diese Änderung hat die deutsche Regierung am Mittwoch beschlossen. Wie sie die einzelnen Bundesländer im Detail umsetzen, ist noch offen.

Einkaufstouristen

Ab Samstag: Weil die Grenzen offen sind, können Einkaufstouristen nach Deutschland einreisen. Bayern verzichtet bei Einkaufstouristen auf eine Quarantänepflicht, wenn sie einen aktuellen PCR-Test (nicht älter als 48 Stunden) vorweisen. Baden-Württemberg, Saarland und Rheinland-Pfalz haben eine 24-Stunden-Regel beschlossen. Diese Notverordnung erlaubt erlaubt Personen aus Grenzgebieten eine Einreise ohne Corona-Test, selbst wenn sie aus einer Region kommen, die Deutschland als Risikogebiet einstuft.
Ab 8. November: Die neue Musterverordnung sieht Ausnahmen vor für Personen, die «für bis zu 24 Stunden in das Bundesgebiet einreisen». Einkaufstourismus ist dann also nach dem Willen der deutschen Bundesregierung in ganz Deutschland wieder erlaubt. Die Bundesländer behalten aber die Hoheit und könnten auch andere Regeln vorschreiben. Derzeit deuten die Angaben aus Baden-Württemberg darauf hin, dass die Lockerung dort noch vor dem Inkrafttreten der Musterverordnung umgesetzt wird.

Grenzgänger

Ab Samstag: Gemäss der deutschen Regierung gilt: Wer über die Grenze zur Arbeit pendelt, hat freie Fahrt. Baden-Württemberg und Bayern, die beiden Bundesländer, die am engsten mit der Schweiz verbunden sind, halten dies auch in ihren Verordnungen zu den Quarantäneregeln fest. Auch für Schüler, Studenten, Dienst- und Werkleistungserbringer gelten die Ausnahmen.

Für bestimmte Personengruppen ist nicht nur tägliches Pendeln, sondern sogar ein Aufenthalt von bis zu 72 Stunden erlaubt: für Mitarbeitende des Gesundheitswesens (mit Bescheinigung), Personen, die beruflich bedingt grenzüberschreitend Personen, Waren oder Güter auf der Strasse, der Schiene, per Schiff oder per Flugzeug transportieren, oder hochrangige Mitglieder des diplomatischen und konsularischen Dienstes, von Volksvertretungen und Regierungen.

Deutschland kennt aber durchaus auch strengere Regelungen: So hat der bayerische Landkreis Cham für Grenzgänger aus Tschechien am Wochenende eine Testpflicht eingeführt. Tschechien ist seit einigen Wochen sehr stark von Corona betroffen.

Besuch von Familienangehörigen

Ab Samstag: In Bayern gelten diverse Ausnahmen von der Quarantäne für Einreisende aus Risikogebieten – etwa für eine dringende medizinische Behandlung, die Versorgung von Tieren oder auch den Besuch von Familienangehörigen oder des Lebenspartners.

Baden-Württemberg kennt im Grundsatz die gleichen Ausnahmen. In den Erklärungen zu seiner Verordnung schreibt das Bundesland aber explizit, dass der blosse Besuch von Verwandten keine Ausnahme von der Quarantänepflicht begründe. Es müssten schon triftige Gründe dafür vorliegen – etwa ein geteiltes Sorgerecht für Kinder oder der Besuch eines Lebenspartners.

Ab 8. November: Die neue Muster-Quarantäneverordnung sieht vor, dass Besuche von Verwandten ersten Grades immer ohne Quarantänepflicht erfolgen können. Auch muss kein negativer Test vorgelegt werden.

Durchreise

Die Durchreise auf schnellstem Weg bleibt erlaubt, daran ändert die neue Verordnung nichts. Touristen können also weiterhin via «Risiko-Kantone» in die Berge fahren, ohne dass dadurch eine Quarantänepflicht ausgelöst würde.

anf/ldc

133 Kommentare
    Sacha Meier

    Da Baden-Württemberg ganz offensichtlich das Primat über die Coronapandemie der Wirtschaft übertragen hat, ist es auch nur logisch, dass Schweizer Einkaufstouristen von den dortigen Isolationsmassnahmen ausgenommen sind. Meiner bescheidenen Meinung nach müsste das auch die Schweiz tun. Dann würde der Einkaufstourismus unter Bussenandrohung wieder von hiesiger Seite verboten - was dann unserem Detailhandel wieder nützen würde.