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Wieder kein SiegDer YB-Motor stottert in der Fremde weiter

Beim 1:1 gegen Servette überzeugt der Meister auswärts erneut nicht restlos. Torjäger Jean-Pierre Nsame sieht die Rote Karte.

YB stolpert gegen Genf Servette: In einer umkämpften Partie kommen die Berner nicht über ein 1:1 hinaus.
YB stolpert gegen Genf Servette: In einer umkämpften Partie kommen die Berner nicht über ein 1:1 hinaus.
Foto: Keystone
Für einmal kann auch Nsame YB nicht zum Sieg verhelfen. Im Gegenteil: Der Berner Topskorer sieht gegen Ende der Partie die rote Karte wegen einer Tätlichkeit.
Für einmal kann auch Nsame YB nicht zum Sieg verhelfen. Im Gegenteil: Der Berner Topskorer sieht gegen Ende der Partie die rote Karte wegen einer Tätlichkeit.
Foto: Keystone
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Wieder rennt sich Nicolas Ngamaleu fest, wieder schaltet Servette rasch um, wieder hinterlässt die YB-Defensive keinen sattelfesten Eindruck. Und wieder verteidigt Jordan Lefort keineswegs stilsicher. Der Berner Verteidiger foult Alex Schalk unbeholfen, den Elfmeter verwandelt Koro Kone in der 56. Minute zum 1:0.
Und wieder rennen die Young Boys auswärts einem Rückstand hinterher.

Ihre Bilanz in der Fremde ist seit ein paar Monaten jene eines Abstiegskandidaten. In den letzten acht Spielen gewannen sie nur einmal (4:3 in Sitten), verloren aber fünfmal – unter anderem im Herbst 0:3 bei Servette. Zuletzt resultierten magere zwei Zähler aus sechs Auftritten. Und nun droht in Genf gleich der nächste Rückschlag im Titelrennen. Obwohl an diesem Abend vieles für YB spricht, zumal Servette in der Defensive wegen Sperren und Verletzungen personell arg dezimiert antritt.

Nsames Pfostenschuss

Es ist am Dienstag auch in Genf ein ausgesprochen heisser Tag, zu Spielbeginn um 20.30 Uhr beträgt die Temperatur immer noch über 25 Grad. Relativ behäbig steigen die Teams in die Begegnung, es ist ein zähes Ringen, der Aussenseiter Servette verteidigt sich leidenschaftlich, der Favorit aus Bern präsentiert sich alles andere als unwiderstehlich.

YB-Trainer Gerardo Seoane hat sich wie gegen Xamax für ein 4-3-3-System entschieden, Captain Fabian Lustenberger agiert erneut im zentralen Mittelfeld – neben Michel Aebischer und Vincent Sierro, der für den gegen Xamax beim 6:0 überzeugenden Gianluca Gaudino ins Team rückt.

Die Young Boys sind oft im Ballbesitz, während sich der normalerweise forsche Aufsteiger weit zurückzieht, diszipliniert und kampfstark verteidigt und die Gäste lange Zeit überhaupt nicht zur Geltung kommen lässt. Es dauert bis zur 32. Minute, ehe sich Erwähnenswertes ereignet. Es ist Jordan Lotomba, der sich durchsetzt und scharf in die Mitte passt, wo Jean-Pierre Nsame beinahe seinen 24. Saisontreffer erzielt. Sein Schuss prallt an den linken Innenpfosten, ehe der Ball aufreizend an der Torlinie entlang fliegt und sich schliesslich gegen einen Treffer entscheidet.

Nun, immerhin, ist die Partie lanciert. Kurz darauf scheitert Servettes wirbliger Angreifer Kone mit einem Kopfball an Goalie David von Ballmoos. Den anschliessenden Eckball befördert Nicolas Vouilloz energisch mit dem Kopf Richtung Tor, doch Nsame klärt elegant mit der Hacke kurz vor der Linie. Es geht endlich Hin und Her, wobei die Young Boys nach wie vor spielbestimmend, aber weiter zu kompliziert sind. Nicht nur Ngamaleu entscheidet sich regelmässig falsch.

Nsames Dummheit

Und früh in der zweiten Halbzeit sind die Young Boys dann sogar in Rücklage. Sie reagieren vehement auf den Servette-Treffer, bald kombinieren sich die Feinfüsse Miralem Sulejmani und Gaudino, beide kurz zuvor eingewechselt, herrlich zum Ausgleich, Boris Cespedes lenkt Sulejmanis Schuss unglücklich ab.

Bereits nach 67 Minuten hat sich Seoane aus seinem unfassbar breiten Kader mit fünf Wechseln umfassend bedient, YB strebt mit Vehemenz den Auswärtssieg an, schwächt sich aber sofort wieder selber. Goalgetter Nsame – genervt von der unzimperlichen Behandlung – holt gegen seinen früheren Arbeitgeber nach einem Rencontre mit dem bissigen Anthony Sauthier in der 71. Minute zum Schlag aus, was Servettes Captain zu einer tadellosen Schauspieleinlage nutzt. Erst sieht Nsame nur Gelb, der VAR jedoch meldet sich, Nsames Absicht ist unstrittig, der Platzverweis die logische Konsequenz.

Das Wechselbad der Gefühle spitzt sich in der packenden Schlussphase zu. Nun stehen – doch noch – die Torhüter im Mittelpunkt. In der 77. Minute lenkt von Ballmoos einen Schuss Schalks reflexstark an den rechten Innenpfosten. Kurz darauf verschätzt sich Jérémy Frick, bei YB als Nachfolger Marco Wölflis gehandelt, fürchterlich. Er muss ausserhalb des Strafraums mit den Händen klären und wird des Feldes verwiesen. Aber trotz allen Bemühungen gelingt den Young Boys das 2:1 nicht mehr. Sie können ihre klägliche Auswärtsbilanz nicht entscheidend verbessern – und bleiben auch im dritten Saisonspiel gegen Servette sieglos.