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Erinnerungen an Polo HoferDer Vorsänger

Am Montag würde Polo Hofer 75 Jahre alt. Ein Geburtstagsständchen.

Polo Hofer als Sänger der Rumpelstilz Mitte der 1970er-Jahre.
Polo Hofer als Sänger der Rumpelstilz Mitte der 1970er-Jahre.
Foto: sams-collection.ch

Was wohl Polo gesagt hätte? Als Chronist der laufenden Ereignisse hatte er einen Riecher für die grossen Themen der Welt und die kleinen Sorgen der Leute. Zum Coronavirus und dessen Auswirkungen wäre ihm garantiert etwas eingefallen. Vielleicht auch ein Songtext – gerne im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit. «Im Minimum zwe Meter Abstand drum» – oder so.

Am 16. März wäre Polo Hofers 75. Geburtstag. Nach den ausufernden Nachrufen und Sondersendungen zu seinem Tod am 22. Juli 2017 ist es stiller geworden. Die Show musste ohne ihn weitergehen, und sie tat es auch. Lange war Polo so etwas wie der Boss der Berner Szene gewesen, doch in den Jahren vor seinem Tod nahm er sich etwas zurück und erklärte mehrmals seinen Abschied. Er überliess die Bühne den neuen Lokalmatadoren, von denen es immer mehr gab – nicht zuletzt, weil er ihnen den Weg geebnet hatte.

Polos Wortwitz und seine integrierende Art als Dirigent der Berner Stadtmusikanten werden vermisst. Nicht von allen, denn nicht mit allen wollte es Polo gut haben – und für viele Jungtalente tönt sein Name heute so sexy wie für die Urmundartrocker einst derjenige von Hazy Osterwald. Polos Name fällt aber häufig in persönlichen Gesprächen, und manchmal versucht jemand, einen Witz nachzuerzählen, den Polo früher zum Besten gegeben hatte. So erstaunt es nicht, dass es immer wieder Ehrerbietungen an den Soulman aus Interlaken gibt.

Polo Hofer gefiel sich in seiner Rolle als Vorsänger, hier auf einer Aufnahme aus den 1980er-Jahren.
Polo Hofer gefiel sich in seiner Rolle als Vorsänger, hier auf einer Aufnahme aus den 1980er-Jahren.
Foto: sams-collection.ch

Im Januar eröffnete das Café des Pyrénées, wo er Pläne schmiedete, Wein trank, diskutierte, jasste und sein Talent als Alleinunterhalter testete, «Polos Fumoir». Gegen das Rauchverbot in Beizen hatte sich Polo vehement gewehrt und getreu seiner 68er-Vergangenheit Widerstand im Guerilla-Stil angekündigt, doch schliesslich musste auch er seinen Süchten im Séparée frönen. Zur Eröffnung des mit zahlreichen Fotos aus Polos Leben geschmückten Fumoirs im «Pyri» spielte eine Band aus ehemaligen Mitmusikern unter dem Namen Polo’s Legacy – wie man hört, ist in Sachen Namenwahl allerdings noch nicht das letzte Wort gesprochen. Schliesslich ist Polo Hofer auch eine Marke, ein «Brand», wie der selbstdeklarierte KMU-Betreiber zu betonen pflegte. Es gibt aber auch Hommagen, die unerwartet kommen und darum umso mehr einfahren. Etwa, wenn die synthetischen Mundartpop-Erneuerer von Jeans for Jesus eine Version von «Rote Wy» anstimmen.

Polo war einer, den man auf der Gasse traf und den man in ein spontanes Gespräch verwickeln konnte, auch wenn man ihn nicht persönlich kannte. Er versteckte sich hinter einer Sonnenbrille, aber er verweigerte niemandem den Gruss. Die Songs, die er zusammen mit seinen Mitmusikern schrieb, haben ihn überlebt. Längst nicht alle, dafür war seine Produktion zu seriell. Aber immer wieder, wenn er sich anstrengte und an seiner Reimkunst feilte, entstanden zeitlose Lieder, vom «Teddybär» bis zum «Letschte Tram». Es waren schlichte, unverschnörkelte Songs, die auch davon profitierten, dass Polo wusste, wie er sie zu singen hatte.

Sein Talent als emotionaler, an der afroamerikanischen Musik geschulter Sänger, der seine Melodien von tief unten holte, sollte man nicht unterschätzen. Damit die Leute ein Lied nachsingen können, brauchen sie einen Vorsänger. Dafür hatte Polo ein Talent, wie bisher keiner und keine nach ihm unter den Lauben. Schicken wir ihm einen Geburtstagsgruss, den er selber geschrieben und gesungen hat: «Dass es louft nach dyne Wünsch/Dass du die wahri Liebi findsch/Dass du dyni Spili gwinnsch/das wünschen i dir.»