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Karriere in 8 KapitelnDer Schweizer Comicstar Zep sorgt sich ums Klima

Mit «Titeuf» wurde Philippe Chappuis alias Zep zum Megastar. Jetzt setzt der 52-jährige Genfer auf Science-Fiction und Ökofabeln.

Zep und sein grösster Erfolg, die Figur Titeuf.
Zep und sein grösster Erfolg, die Figur Titeuf.
Foto: Keystone

Vorspann

Von der Rockband Led Zeppelin inspiriert: Das Pseudonym Zep steht für die Lieblingsband des Comiczeichners Philippe Chappuis.
Von der Rockband Led Zeppelin inspiriert: Das Pseudonym Zep steht für die Lieblingsband des Comiczeichners Philippe Chappuis.
Foto: Camera Press, Heilemann

Philippe Chappuis, geboren 1967 als Sohn eines Polizisten und einer Modedesignerin im Genfer Vorort Onex, entdeckt früh seine Affinität zur Popkultur. Er will Rockgitarrist oder Comiczeichner werden. Bevor er mit eigenen Spassbands auftritt, publiziert er mit 12 Jahren seinen ersten Comicband «Zep» – eine Anspielung auf Led Zeppelin, seine Lieblingsband. Später wird Zep, wie bei französischsprachigen Comiczeichern üblich, zu seinem Autorenpseudonym.

Coming-of-Age

Vorgänger von Titeuf: Comicfigur Victor.
Vorgänger von Titeuf: Comicfigur Victor.
Zeichnung: Zep

Chappuis zeichnet erste Serien – unter anderem mit Victor, einem an Tim («Tim & Struppi») erinnernden Jüngling mit blonder Knöllchenfrisur, den er im belgischen Comicheft «Spirou» unterbringt. Zep, der nun zeitweise in Paris lebt, ist allerdings unglücklich, dass bei «Spirou» gesellschaftliche Themen wenig gefragt sind. Rückzug nach Genf. Durchs Fenster seines Ateliers in Carouge sieht er auf einen Pausenplatz, das Lärmen der Schüler erinnert ihn an seine Kindheit. Er entwirft die Figur eines vorlauten 10-jährigen Knaben.

Hauptfigur

1991 ist das Geburtsjahr des noch stark autobiografisch geprägten Titeuf, einer Figur mit Eierkopf (abgeleitet vom französischen «p’tite œuf»). Weil Zep nicht gern Haare zeichnet, bekommt die Figur eine blonde Tolle. «Ich habe sofort gespürt, dass zwischen ihm und mir etwas passiert», sagt der Autor. Zwar gibt es die Figur zunächst nur in seinen Notizheften, doch auf Drängen seiner Freunde publiziert Zep erste «Titeuf»-Geschichten in der Genfer Zeitschrift «Sauve qui peut». Der französische Comic-Grossverlag Glénat wittert ein Geschäft und bietet Chappuis einen Vertrag an.

Blockbuster

A Star is Born: Cover des ersten «Titeuf»-Bandes von 1993.
A Star is Born: Cover des ersten «Titeuf»-Bandes von 1993.
© Carlsen-Verlag

Der erste «Titeuf»-Band «Gott, Sex und Hosenträger» («Dieu, le sexe et les bretelles») verkauft sich zunächst nur mässig. Aber bald verlieben sich die französischsprachigen Comicfans in Zeps Geschichten, die aus Sicht eines Vorpubertierenden von Mädchen, Freundschaft und Sex erzählen. Es geht um das Leben von einem, der noch nicht weiss, was das Leben ist, aber so tut, als sei er Experte. Die Folge: Von «Titeuf» werden bis heute weltweit über 23 Millionen Alben verkauft; in Frankreich überflügelt der vorlaute Bengel zeitweise sogar Superstar «Asterix».

Im Kino

Als Trickfilmfiguren: Titeuf und seine angebetete Mitschülerin Tanja.
Als Trickfilmfiguren: Titeuf und seine angebetete Mitschülerin Tanja.
Screenshot: JMH

2011 wechselt Zep die Seiten: Er schreibt das Drehbuch und führt Regie im Animationsfilm «Titeuf, le film» (2011). In Frankreich schafft es das 15 Millionen Dollar teure Werk auf Anhieb auf Platz 1. Für die Deutschschweiz gibts eine Dialektfassung, unter anderem mit Songs von Gölä und Florian Ast. «Titeuf, le film» kann seine Produktionskosten allerdings nicht ganz einspielen.

Spin-offs

Neben «Titeuf» verfolgt Zep zahlreiche Seitenprojekte: In «Happy Rock» bringt er seine Leidenschaften Musik und Comic zusammen, im Cartoonmuseum Basel zeigt er 2016 Gemäldeadaptionen à la Albrecht Dürer, und bei Glénat gibt er das Magazin «Tchô!» heraus, das einer neuen Comicgeneration den Weg bereitet. Ausserdem ist da noch «Das grosse Piephahn-Lexikon», in dem Zep mit Hélène Bruller (seiner ersten Ehefrau) Titeuf & Co. Fragen zur Sexualität erklären lässt. Das Buch verkauft sich über 2 Millionen Mal; der inzwischen vergriffene Klassiker wird 2021 als überarbeitete Neuauflage erscheinen.

Science-Fiction

Düstere Science-Fiction: «Paris 2119».
Düstere Science-Fiction: «Paris 2119».
© Schreiber & Leser

Ökologische Botschaften findet man schon bei «Titeuf», in jüngster Zeit widmet Zep diesem Themenkomplex immer mehr Raum: Im Album «Paris 2119» (Zeichnungen: Dominique Bertail) entwirft Zep eine düstere Science-Fiction, in der die Menschheit statt auf umweltschädlichen Individualverkehr auf Teleportationskabinen setzt. Dass dies katastrophale Folgen hat, zeigt ein Verweis auf Arthur Conan Doyles dystopischen Roman «Die vergessene Welt». Paris erscheint in diesem Comic als futuristisch-kaputte Stadt, ein abgetauchter Professor erklärt der nostalgisch veranlagten Hauptfigur, dass Bäume eine Seele hätten.

The End

Inspiriert von den Doors: Der Professor und sein Praktikant in Zeps Comic «The End».
Inspiriert von den Doors: Der Professor und sein Praktikant in Zeps Comic «The End».
© Schreiber & Leser

Es beginnt mit einem Pärchen in den Pyrenäen, zwei Seiten später ist ein ganzes Dorf ausgelöscht. Todesursache: unbekannt. Den Titel zu seinem jüngsten Comicband «The End» hat Zep einem Doors-Song entnommen. Ein älterer, musikaffiner Forscher sucht in Schweden nach Zusammenhängen in der Genetik der Bäume, um die rätselhaften Todesfälle zu erklären. Dabei erhält er Unterstützung von einem übermotivierten Praktikanten. Der skizzenhaft-realistische Stil macht die spannend aufgebaute Geschichte zum hochwertigen Pageturner. Schade bloss, dass das Abenteuer nach 92 Seiten abrupt abbricht. Oder kommt da noch eine Fortsetzung?

Zep: The End. Schreiber & Leser. Hamburg 2020. 92 S., ca. 32 Fr.