Der Sack

Von zweisprachigen Anzüglichkeiten beim Staubsaugerkauf.

Auch 16 Jahre nach meinem Umzug von Bern nach Biel finde ich die Zweisprachigkeit der Stadt betörend. Arm, aber sexy sei Biel, wie die grosse Schwester Berlin, sagen ihre Fans gerne. Und dass 42 Prozent der Einwohner Französisch und gefühlte 99 Prozent in beiden Sprachen parlieren, macht sicherlich einen grossen Teil dieses Charmes aus. Bilingue die Kinos, die Kitas, die Kassierin, zweisprachig die Menüs im Restaurant und die lokale Wochenzeitung.

Auch die meisten Verkäuferinnen und Verkäufer navigieren ziemlich zielsicher in beiden Sprachen. Das durfte ich jüngst in einem Haushaltswarengeschäft feststellen. Unserem Staubsauger war die Luft ausgegangen, also steuerte ich im Laden in die Ecke mit den Aktionsmodellen.

Ein klein gebauter Detailfachhändler mit verschwitzter Stirn wuselte zwischen den Waschmaschinen durch und kam auf mich zu. «Ich möchte einfach den günstigsten», sagte ich freundlich. «Wie viele Zimmer hat denn Ihre Wohnung?», fragte der Mann mit starkem französischem Akzent. Dann wechselten wir auf Französisch.

Meine feinen Antennen meldeten mir, dass sich der Verkäufer, vibrierend wie eines seiner vielen Geräte im Geschäft, an mich ranmachen wollte, ich aber verspürte einen Fluchtinstinkt. Doch der Mann schaffte es, mir an der Kasse noch eine Gigapackung Staubsaugersäcke anzudrehen, die fast gleich viel kostete wie der Aktionssauger selber.

Nun musste ich mit dem Material noch irgendwie nach Hause kommen. «Vous avez un grand sac?», fragte ich ihn. «Ça va», antwortete er mit anzüglichem Grinsen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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