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Der Ölpreis bodigt den Schweizer Wirtschaftsboom

Die Finanzkrise schwächt die Konjunktur. Aber es ist die Preisexplosion bei den Rohstoffen, die ihr nun einen Dämpfer versetzt.

Es erwischt uns also doch: Die Schweizer Wirtschaft wird 2008 und 2009 nicht mehr so schnell wachsen, wie noch vor einigen Wochen angenommen. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) und die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) haben ihre Schätzungen für die Veränderung des Bruttoinlandprodukts gestern nach unten revidiert. Dasselbe hat das BAK Basel Economics vor zehn Tagen getan.

Alle drei Institute gehen von einer ähnlichen Entwicklung aus: Die Wirtschaft wächst weiterhin, allerdings weniger stark – vor allem 2009. Das Seco ist am pessimistischsten: Es rechnet fürs nächste Jahr nur noch mit 1,3 statt 1,5 Prozent Wachstum. Das BAK korrigiert am radikalsten – um 0,4 Prozentpunkte auf 1,6 Prozent. Am zuversichtlichsten ist die KOF mit 1,8 Prozent (vorher: 2 Prozent). Fürs aktuelle Jahr rechnen alle drei mit Wachstumsraten um die 2 Prozent.

Auslöser für die Korrektur der Prognosen ist einerseits die Kreditkrise, die die internationalen Finanzmärkte stärker belastet als ursprünglich angenommen. Allerdings hätten die vom US-Immobilienmarkt ausgehenden Probleme der Schweizer Wirtschaft allein wohl kaum einen Dämpfer verpasst. Vor allem hätten sie sich bereits in diesem und nicht erst im nächsten Jahr auf die Konjunktur ausgewirkt.

Deutlich schwerer ins Gewicht fallen die steigenden Kosten für Rohstoffe und Nahrungsmittel, die die Inflation weltweit antreiben. Die Preiszunahmen haben ein Ausmass erreicht, das auch für die Konjunktur Auswirkungen haben wird. Allerdings schlagen diese erst mit Verspätung durch. Einerseits, weil etwa die Auftragsbücher der Industrie noch immer voll sind, auch wenn neuerdings etwas weniger neue Bestellungen eingehen. Andererseits, weil die Inflation die Konsumlust der Privaten erst mit Verzögerung dämpft .

Allerdings rechnen die Experten damit, dass die Inflation nicht langfristig so hoch bleiben wird. Da sie vor allem durch steigende Rohstoffpreise ausgelöst wird, müssten Öl, Kohle und Eisen auch in Zukunft deutlich teurer werden, damit die Inflation nicht wieder sinkt. Bleiben die Preise stabil, kehrt die Inflation auf ein normales Niveau zurück. Seco, BAK und KOF gehen heute davon aus, dass die Teuerung bereits 2009 wieder deutlich unter 2 Prozent liegen wird. Kein Abschwung, nur Abkühlung

Keines der Prognoseinstitute rechnet im Moment damit, dass der Schweiz ein echter Konjunkturabschwung bevorsteht. Viel mehr glauben sie, dass uns eine Abkühlung auf das langfristige Wachstumspotenzial von 1,5 Prozent pro Jahr bevorsteht. Allerdings hängt das stark davon ab, wie sich die Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise sowie der private Konsum entwickeln. Das Seco geht in seinen Prognosen von einem Ölpreis von 120 Dollar pro Fass für 2008 aus und von 115 Dollar für 2009. Steigt der Ölpreis aber weiter, müssen die Konjunkturforscher erneut über die Bücher.

Klar ist einzig, dass der Aufschwung der letzten beiden Jahre mit Wachstumsraten von über 3 Prozent vorbei ist. Die Folge: Die Arbeitslosigkeit wird vorläufig nicht mehr weitersinken.

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