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Martin Rubins WechselDer BSV kriegt nicht bloss einen Coach

Die wohl modernste Halle, der höchste Zuschauerschnitt – und bald eine Identifikationsfigur an der Seitenlinie: Die Perspektiven des BSV Bern sind glänzend.

Der Stadtpräsident – und eines der bekanntesten Gesichter Thuns: Raphael Lanz gratuliert Martin Rubin zu einem Titelgewinn.
Der Stadtpräsident – und eines der bekanntesten Gesichter Thuns: Raphael Lanz gratuliert Martin Rubin zu einem Titelgewinn.
Bild: Patric Spahni

Der Teletext mag im Zeitalter von Smartphones und Onlinemedien an Einfluss eingebüsst haben. Als Indikator dafür, was gerade relevant ist, taugt er unverändert. Die Meldung über Martin Rubins im Sommer 2021 erfolgenden Wechsel zum BSV Bern ist dort am Montag während Stunden eine Topnachricht. Von der Front verdrängt wird sie erst kurz vor Mitternacht – durch die News, wonach Juventus Turin dank Treffern Cristiano Ronaldos davor steht, Meister zu werden.

Präsent ist Clubhandball an den prominenten Plätzen interregional orientierter Medien bestenfalls punktuell. Die Thuner etwa schafften es zuletzt während des Lockdowns auf Seite 100 des Teletextes, und das war damals dem Mangel an Neuigkeiten sowie einer Fehlinterpretation geschuldet. «Wacker verliert Huwyler» stand da, was weit dramatischer klang, als es war: Der Vertrag von Simon Huwyler – eher Ergänzungsspieler denn Schlüsselfigur und Bruder des weiterhin in Thun engagierten Nationalspielers Stefan – war nicht verlängert worden.

Dass Rubins Wechsel in einer vergleichsweise newsreichen Zeit so viel Aufmerksamkeit erhält, hat eine Menge mit der Person zu tun, um die es geht. Den Berner Oberländer kennt man, wenn man sich ein bisschen für Sport interessiert. Er ist einer der bekanntesten Repräsentanten des Schweizer Handballs, ein Träger vieler Sympathien. Ihm widmet selbst der «Blick» Aufhängerartikel.

Auch vor diesem Hintergrund ist interessant, gelang es dem BSV, den 55-Jährigen zu verpflichten. Rubin wird dem Club ein Gesicht geben.

Die Stadtberner hatten in den letzten Jahren oft eine sehr ordentliche Mannschaft. Aber es mangelte an «Figuren», an Typen mit Wiedererkennungswert. Die Oberländer waren ihnen auch in dieser Beziehung einen Schritt voraus, beschäftigten sie doch nicht lediglich Coach Rubin, sondern gleich eine Vielzahl aufregender Akteure, darunter Leute, welche ausserhalb der eigenen Halle eher nicht auf Liebe stiessen.

Bald wird der BSV nicht länger bloss die wohl schönste Spielstätte und den höchsten Zuschauerschnitt haben, sondern auch den populärsten Vertreter des Berner Handballs in seinen Reihen wissen. Die Perspektiven des Vereins: Sie sind hervorragend.

In marketingtechnischer Hinsicht machen die Stadtberner ohnehin sehr vieles richtig. Der Zuzug des prominenten, beliebten Coachs eröffnet diesbezüglich weitere Möglichkeiten. Der Club kriegt in einem Jahr nicht einfach einen neuen Übungsleiter; Rubin hat das Zeug, eine Art Botschafter zu sein.

Den Leuten vom BSV dürfte der Coup guttun. Ihr Verein stand nach der Jahrtausendwende oft im Schatten des Kantonsrivalen. Rubin coachte Wacker vorübergehend reihenweise zu Derbysiegen.

Der Stil des in Bern als Sportlehrer arbeitenden Familienvaters wird auch beim andern hiesigen Club funktionieren. Der dreimalige MVP Lukas von Deschwanden sagt, Rubin sei ein Trainer, unter dem man sehr gerne spiele. «Er behandelt einen nicht wie eine Marionette, überlässt Freiheiten, überträgt Verantwortung.» Er sei menschlich wie fachlich grossartig, «einfach ein überragender Typ».

Das Team also darf sich freuen. Und die Marketingabteilung gleich mit.