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Novum in der Gemeinde GsteigDer «Bären» ist los

Urnengang statt Gemeindeversammlung: Das ist ein Novum in der Geschichte von Gsteig. Über die Zukunft des Hotels Bären wird brieflich abgestimmt.

Hotel Restaurant Bären in Gsteig: Führt bald eine gemeindeeigene GmbH den Betrieb?
Hotel Restaurant Bären in Gsteig: Führt bald eine gemeindeeigene GmbH den Betrieb?
Foto: Kerem S. Maurer

Aufgrund der ausserordentlichen Lage im Zusammenhang mit dem Coronavirus findet anstelle der Gemeindeversammlung, die für Freitag, 29. Mai, vorgesehen war, eine briefliche Abstimmung statt. «Es ist das erste Mal, dass eine Gemeindeversammlung durch eine Urnenabstimmung ersetzt wird», sagt Paul Reichenbach, Gemeindeschreiber von Gsteig, auf Anfrage.

Vier Varianten für den Bären

Klar ist: Die aktuellen Pächter des Hotel Restaurants Bären haben den Pachtvertrag nicht verlängert, ihr Engagement endet Ende November dieses Jahres. Der Umsatz und das damit erwirtschaftete Ergebnis habe für das Überleben nicht ausgereicht, so die Begründung.

Unklar ist, wie es mit dem Traditionsbetrieb mit einem Restaurant und sechs Hotelzimmern weitergehen soll. In mehreren Sitzungen, in regem Austausch mit Gastro Bern und Gesprächen mit den aktuellen Pächtern, unterbreitet die Liegenschaftskommission dem Gemeinderat folgende vier Varianten für die Zukunft des Bären:

«Es ist das erste Mal, dass eine Gemeindeversammlung durch eine Urnenabstimmung ersetzt wird.»

Paul Reichenbach, Gemeindeschreiber von Gsteig

1. Verkauf der Liegenschaft: Damit hätte die Gemeinde in Zukunft keinen Einfluss mehr auf das Geschehen im Bären. Zwar darf die Liegenschaft nicht anders genutzt werden, aber die Auswirkungen auf das Dorf- und Vereinsleben seien sehr ungewiss. Daher rät der Gemeinderat von einem Verkauf ab. Ein Verkaufspreis wurde nicht kommuniziert.

2. Stilllegung des Betriebs: In diesem Fall kämen jährliche Kosten von über 40’000 Franken (wie Gebäudeversicherungen, Unterhalt, Blumenschmuck, Löhne für Hauswart) auf die Gemeinde zu. Ein wichtiger sozialer Treffpunkt im Dorf fiele weg, ausserdem wäre es touristisch gesehen ungeschickt, in einem Dorf kein Restaurant mehr zu haben.

Bei einer Stilllegung des Betriebs fiele ein wichtiger sozialer Treffpunkt im Dorf weg. Ausserdem wäre es touristisch gesehen ungeschickt, in einem Dorf kein Restaurant mehr zu haben.

3. Suche eines neuen Pächters: Auch ein neuer Pächter hätte die gleichen Schwierigkeiten: zu geringer Umsatz, wenig bis gar kein Verdienst. Mit diesem Wissen könnte weder die Liegenschaftskommission noch die Gemeinde ruhigen Gewissens einen neuen Pächter suchen. Allenfalls müssten damit diverse Kosten durch die Gemeinde getragen werden, ohne Mitspracherecht beim Betrieb zu haben.

4. Gründung einer GmbH und den Betrieb selbst weiterführen: Übernähme die Gemeinde die Kosten und das Risiko, müsste sie mitbestimmen können. Bei der Gründung einer gemeindeeigenen GmbH wäre dies gewährleistet. Eine vom Gemeinderat eingesetzte fünfköpfige Geschäftsleitung wäre für den Betrieb und die Organisation im Sinne der Gemeinde verantwortlich. Damit würde der Erhalt des Bären garantiert, da die Gemeinde die GmbH allenfalls mit notwendigen Betriebsbeiträgen unterstützen könnte.

Nun sind die Stimmberechtigten aufgefordert, sich für eine der vier Varianten zu entscheiden.

290’000 Franken für ein neues Trottoir

Neben dem Bären geht es noch um die Genehmigung einer Teilrevision des Friedhofs- und Bestattungsreglements sowie um die Bewilligung eines Bruttoverpflichtungskredits in der Höhe von 290’000 Franken für den Trottoirneubau Erle–Holzere in Feutersoey. Geplant ist ein 490 Meter langes und 1,5 Meter breites Trottoir mit einem Grünstreifen zur Kantonsstrasse. Damit soll für die Bewohner der Bauzone Saalematte eine Fussgängererschliessung ihres Wohngebiets realisiert werden.

Geplant ist ein 490 Meter langes und 1,5 Meter breites Trottoir mit einem Grünstreifen zur Kantonsstrasse.

Frist bis zum 7. Juni

Es kann nur brieflich mit dem amtlichen Rückantwortcouvert abgestimmt werden. Die Abstimmungslokale bleiben geschlossen. Letzte Leerung des Briefkastens hinter der Gemeindeverwaltung erfolgt am Sonntag, 7. Juni, um 10.30 Uhr.