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Neues Ittiger ZentrumDen Knoten entwirren

Das Gebiet um die S-Bahn-Station Ittigen ist ein unübersichtlicher Ort. Das soll sich ändern. Die Stimmberechtigten legten dafür nun die Grundlage.

Ein erster Blick auf die geplante S-Bahn-Station und das Talgutzentrum.
Ein erster Blick auf die geplante S-Bahn-Station und das Talgutzentrum.
Visualisierung: zvg

Exakt 100 Stimmberechtigte Ittigerinnen und Ittiger fanden sich am Mittwochabend in der Turnhalle Rain ein, zu einer Gemeindeversammlung unter Corona-Bedingungen – Abstand, gratis Masken und Desinfektionsmittel. Traktandiert war ein Vorhaben, welches das Erscheinungsbild der Agglomerationsgemeinde verändern wird.

Der «Knoten Station Ittigen», wie er im Behördenjargon heisst, ist ein unübersichtlicher Ort. Hier verweilt man nicht, man will weg. Autos rollen, Menschen eilen auf Züge, bis beide wieder an roten Lichtsignalen und vor geschlossenen Bahnschranken stehen. «Wir haben ein Verkehrsproblem», fasste Gemeindepräsident Marco Rupp (BVI) die Situation zusammen.

Die Gemeindeverantwortlichen wollen den Knoten deshalb entwirren. Seit Jahren arbeiten sie an entsprechenden Plänen. Im letzten November sprachen die Stimmberechtigten das Geld für das Projekt, das insgesamt 10,7 Millionen Franken kostet, von denen die Gemeinde 4,4 Millionen trägt. Der Rest kommt von Bund, Kanton und der RBS.

Herzstück Bahnhofplatz

Der Gemeinderat trat am Mittwoch mit einem Paket von Planungsinstrumenten vor die Versammlung. Mit einer Strassen- und einer Überbauungsordnung (ÜO). Mit Änderungen von bestehenden bau- und planungsrechtlichen Vorschriften. Mit abstrakten Dingen also.

Zusammengenommen bilden sie die Grundlage für die konkrete Um- und Neugestaltung des Ortes. Für einen Kreisel zum Beispiel, der dafür sorgen soll, dass der Verkehr auf der Worblentalstrasse, der unteren Zollgasse und auf dem Talweg flüssiger vorankommt. Oder für Trottoirs, die direkt an die neue RBS-Station heranführen. Entstehen soll zudem ein neuer Bahnhofplatz mit einem rund 50 Meter langen Perrondach und einer Unterführung, welche den abgeschnittenen Ortsteil Schermen mit dem Rest der Gemeinde verbindet. Die ebenfalls geplante Umgestaltung des Talgutzentrums soll den Ort zusätzlich beleben.

Im Gegenzug werden das heutige Stationsgebäude und die Cancellara-Brücke abgerissen. Die Gemeinde entwickle gemeinsam mit ihrem berühmtesten Einwohner eine Alternative, hiess es an der Versammlung.

«Der Zeitplan ist eng getaktet»

Unter dem Strich – so stand es in der Vorschau auf die Versammlung und so sagte es Gemeindepräsident Rupp in seinen eigenen Worten – entstehe ein neues «Zentrumsquartier», würden gleichzeitig die «Aufenthaltsqualität» sowie die Sicherheit aller auf dem Perimeter verbessert. Kritik an dieser Einschätzung kam einzig aus den Reihen der EVP: Das Projekt in dieser Form löse die aktuellen Probleme nicht.

Die anwesenden Stimmberechtigten genehmigten die Anträge des Gemeinderates schliesslich mit grosser Mehrheit und nur 7 Gegenstimmen.

Das Paket muss nun vom Kanton genehmigt werden, der überdies auch über die verbliebenen Einsprachen von Pro Velo Bern und des Verkehrs-Clubs Schweiz befindet. «Der Zeitplan ist eng getaktet», so Rupp. Aber man sei zuversichtlich, dass er eingehalten werde. Heisst: Im Sommer 2022 wäre der Knoten entwirrt.