Zum Hauptinhalt springen

Situation immer noch angespanntDen Berner Wäldern geht es leicht besser als im Vorjahr

Die Berner Wälder sind in Bezug auf Käferschäden in einem minim besseren Zustand als im Vorjahr. Allerdings mit regionalen Unterschieden.

Borkenkäfer fressen Löcher in das Holz der Bäume.
Borkenkäfer fressen Löcher in das Holz der Bäume.
Foto: Raphael Moser

Die Borkenkäfer haben dieses Jahr in den Berner Wäldern weniger Fichten befallen als im Vorjahr. Grösser ist der Befall aber im Berner Jura, wo es trockener war als im Restkanton.

Im ganzen Kantonsgebiet gab es 30 Prozent weniger dieses sogenannten Stehendbefalls als im Vorjahr zu gleichen Zeit, teilte die Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektion am Freitag mit. Die Bekämpfung des Borkenkäfers sei und bleibe aber eine wichtige und aufwändige Arbeit.

Denn im Vergleich zur Zeit vor dem Wintersturm Burglind, der im Januar 2018 über Europa fegte, ist die Situation in den Berner Wäldern gravierend. Vor Burglind gab es bei den Fichten einen durchschnittlichen Stehendbefall von 30'000 Kubikmeter pro Jahr. Aktuell liegt diese Zahl bei 134'000 Kubikmeter.

Ein weiteres Problem sind laut Mitteilung Bäume, die von Stürmen oder Lawinen umgeworfen oder abgebrochen wurden. Sie sind eine ideale Brutstätte für Borkenkäfer. Im ganzen Kantonsgebiet gab es 2020 deutlich mehr derartige Primarschäden – die Folge von mehreren Stürmen im Februar.

Im gesamten Käferbekämpfungsgebiet sind bisher 130'000 Kubikmeter Holz aus solchen Primärschäden angefallen – fast dreimal mehr als im Vorjahr. Als Käferbekämpfungsgebiet bezeichnet der Kanton Bern Regionen mit naturgemäss grossen Fichtenbeständen. Dort hat der Wald eine Schutzfunktion gegen Naturgefahren.

SDA/flo

2 Kommentare
    Jürg Brechbühl, Diplombiologe

    Hier wird die Gesundheit der Fichtenpopulationen gleichgesetzt mit der Gesundheit der Wälder. Der gemeine Kupferstecher befällt nämlich nur die Rottannen (Fichten). Für die Ökosysteme ist das Verschwinden der Fichten ein Segen.

    Für die Förster der 60er und 70er Jahren waren die Fichten ein Spekulationsgeschäft. Sie legten Fichtenplantagen im Mitteland auf Standorten an, wo diese nichts zu suchen haben. Wenn sie nicht von Borkenkäfern gefressen werden, dann werden sie von der Kernfäule ausgehölt oder von Stürmen umgelegt.

    Im Gebirge sind die Fichten lichtbedürftie Pionierbäume des zweiten Stadiums, die nach Einführung des Forstpolizeigesetzes vor bald 150 Jahren angesamt sind. Weil danach überall gleichzeitig Wälder entstanden, haben wir sehr homogene, dichte, Bestände von einheitlichem Alter. Dort ist jetzt ein Artenwechsel zwingend notwendig. Dieser kann von den Förstern eingeleitet werden oder die Natur hilft dann halt nach.

    Weisstannen wuchsen im Atlantkikum bis hinauf an die Waldgrenzen in dichten dunklen Weisstannen-Arvenwäldern. Warum das heute nicht der Fall ist, wissen wir zur Zeit nicht. Die Forscher von der ETH Zürich und von der WSL hinken dieser Aufgabe hinterher. Sie haben es verschlampt, funktionierende Empfehlungen für den Gebirgswaldbau der Weisstanne zu entwickeln.

    Anders gesagt: Obiger Artikel wurde von Leuten geschrieben, die vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen.

    Jürg Brechbühl, Eggiwil, Masterstudent am D-USYS, ETH Zürich