Zum Hauptinhalt springen

Kommentar zur CVP/«Die Mitte»Dem neuen Namen fehlt das Blut

Die CVP soll künftig «Die Mitte» heissen. Mit einer solchen Umbenennung riskiert die Partei viel.

CVP-Präsident Gerhard Pfister erläutert an einer Medienkonferenz seinen Plan für einen neuen Parteinamen.
CVP-Präsident Gerhard Pfister erläutert an einer Medienkonferenz seinen Plan für einen neuen Parteinamen.
Foto: Peter Schneider (Keystone)

Sie hatte in ihrer Geschichte schon viele Namen. Doch den Bezug zu Christentum und Konservatismus, den hat sich die heutige CVP stets bewahrt. Damit soll jetzt Schluss sein, der neue Vorschlag lautet schlicht: «Die Mitte». So will es das Team um Gerhard Pfister den bei seinem Amtsantritt noch alle als konservativsten CVP-Präsidenten seit langem eingeschätzt hatten.

Die Umbenennung ist, auf den ersten Blick zumindest, ein einleuchtender Plan. Die CVP hat im Langzeitvergleich sehr viel Wähleranteil verloren und wird von den Grünen hart bedrängt. «Christliche Werte», was immer darunter zu verstehen ist, sprechen je länger, desto mehr nur noch ein Nischenpublikum an. Und um die geplante Fusion mit der BDP vollziehen zu können, ist ein unverbrauchter Name nötig.

Der Name vermittelt weder Inhalte noch Werte noch Emotionen. Er vermittelt nicht mal einen Machtanspruch.

Bei näherem Hinsehen stellen sich aber viele Fragen. Wer bisher CVP wählte, folgte damit oft einer Familientradition. Wird sich dieses Stamm-Elektorat halten lassen, wenn die Partei durch die Neubenennung selber mit einer Tradition bricht? Falls nein, dürfte sich ihr Niedergang beschleunigen.

Und dann ist da noch der vorgeschlagene Name. «Die Mitte» gemahnt an eine Partei mit Wasser in den Adern. Der Name vermittelt weder Inhalte noch Werte noch Emotionen. Er vermittelt nicht mal einen Machtanspruch, wie das vielleicht ein Name wie «Das Zentrum» vermögen würde (der aufgrund der Nazi-Historie freilich vorbelastet ist).

«Die Mitte» ist letztlich eine gnadenlos ehrliche Chiffre für das, was diese heterogene Partei zusammenhält: ein Unbehagen gegenüber «Extremlösungen» und die Bereitschaft zu einem gewissen Eklektizismus. In der sogenannten Mitte politisieren aber auch Konkurrenzparteien mit eindeutigeren Botschaften, insbesondere die Grünliberalen. Pfister und seine Leute müssten bei einer Umtaufe ihrer eigenen «Mitte» ein klares Profil geben. Das wäre eine Herausforderung, wie sie noch kaum ein Parteichef zu bewältigen hatte.