Asterix im Zeitalter von Wikileaks

Mit «Der Papyrus des Cäsar» legen die Autoren Jean-Yves Ferri und Didier Conrad ihren zweiten Asterix-Band vor. Mit Anspielungen auf Bigdata und Wikileaks bedienen sie den Zeitgeist, bleiben aber weit hinter den alten Abenteuern zurück.

Gallien? Erobert! Cäsar versuchts neuerdings mit Geschichtsklitterung.

Gallien? Erobert! Cäsar versuchts neuerdings mit Geschichtsklitterung. Bild: zvg

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz? Ja, ganz. Dies zumindest will Julius Cäsar glauben machen, als er dem Rat seines Kommunikationsberaters Rufus Syndicus folgt und ein Kapitel aus seinen Kriegsmemoiren streichen lässt. Die Öffentlichkeit soll nichts von Cäsars Niederlagen gegen die aufmüpfigen Gallier in Aremorica erfahren. So beginnt der neu erschienene Asterix-Band «Der Papyrus des Cäsar».

Tatsächlich existiert ein als «Commentarii de Bello Gallico» bezeichneter Bericht. Das Werk gilt zwar als Hauptquelle zu Cäsars gallischen Feldzügen, ist laut Historikern aber problematisch, weil es zu stark von den Interessen seines Verfassers geprägt ist. Im Comic korrigieren Asterix und Obelix dies. Möglich wird es, weil Cäsar seine Geschichtsfälschung nicht unter dem Deckel halten kann – Wikileaks lässt grüssen.

Über den stummen Schreiber Bigdatha gelangt die Schriftrolle in die Hände von Polemix, einem gallischen Aktivisten, dessen Züge jenen von Julian Assange gleichen. Polemix wittert die fette Schlagzeile, muss aber vor Zensur und Syndicus’ Häschern fliehen und findet Unterschlupf im Dorf der Gallier. Der Kampf um die korrekte Überlieferung der Geschichte beginnt.

Plot mit Schwächen

«Der Papyrus des Cäsar» ist nach «Asterix bei den Pikten» der zweite Band, den Zeichner Didier Conrad und Texter Jean-Yves Ferri verantworten. Leider ist auch das neue Abenteuer gründlich misslungen: Der Plot hat Schwächen, etwa dort, wo Polemix behauptet, der Papyrus würde das gesamte römische Reich erschüttern. Doch statt das Papier zu veröffentlichen, legt er es in die Hand der Gallier, die denn prompt die Brisanz ver­kennen.

Obendrein ist auch in diesem Band der Humor platt – etwa, wenn der alte Knacker Methusalix das falsche Horoskop vorgelesen bekommt und dann durch die ganze Geschichte hindurch von neuen Eroberungen faselt. Waren die frühen Abenteuer der Gallier für ihre Running Gags bekannt, so geht der Witz im Gallierdorf an Krücken. Anbiederung an den Zeitgeist

Der Niedergang der Asterix-Reihe begann 1977 mit dem Tod von Texter René Goscinny. Zeichner Albert Uderzo setzte die Serie alleine fort. Handlung, Humor und Sprachwitz erreichten nie mehr das Niveau der von Goscinny mit verantworteten Werken. Dort gab es hübsche Seitenhiebe wie im Band «Asterix bei den Schweizern»: Da schlägt ein Helvetier einen Römer, um den Erstaunten sofort mit den Worten zu verarzten: «Das ist unser Metier. Wir pflegen alle kriegführenden Mächte, egal welcher Nationa­lität.»

Uderzo hingegen biederte sich dem Zeitgeist an. Seine Anspielungen waren wenig feinsinnig, die Pointen sind nicht mit spitzer Feder geschrieben. Ein Tiefpunkt war der 2005 erschienene Band «Gallien in Gefahr», in dem sich die Unbeugsamen mit Ausserirdischen herumschlagen.

Deshalb war es eigentlich zu begrüssen, als Uderzo 2008 entschied, die Asterix-Serie einzustellen, und die Rechte verkaufte. Leider blieb es nicht dabei. Heute führt Goscinnys Tochter mit dem Pariser Verlag Hachette die Serie weiter. Ob sie den Geschäftssinn vom Vater geerbt hat? Möglich. Den feinsinnigen Humor und das erzählerische Talent hat er mit ins Grab genommen.

Ferri/Conrad:«Der Papyrus des Cäsar» (Asterix-Band 36:). Egmont Comic Collection, 48 S. (Berner Zeitung)

Erstellt: 23.10.2015, 14:56 Uhr

Artikel zum Thema

Asterix und Obelix ziehen in die PR-Schlacht

Superstars mit Zaubertrank: Wenn ein neues Asterix-Heft erscheint, wird in Paris die ganz grosse Bühne gewählt. Mehr...

Kommentare

Blogs

Spielen Patent Ochnser am Gurtenfestival 2019?

Michèle & Friends Wie hiess das früher? Der Ü-40-Gedächtnistest

Service

Mitdiskutieren, teilen, gewinnen.

News für Ihre Timeline.

Die Welt in Bildern

Unter Pausbacken: Eine Verkäuferin bietet an ihrem Stand im spanischen Sevilla Puppen feil. (13. November 2018)
(Bild: Marcelo del Pozo ) Mehr...