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Das Verfallsdatum des Bankgeheimnisses naht

Die Globalisierung erleichtert es den Ermittlern, gegen Superreiche vorzugehen, die auf ihren Vermögen Steuern hinterziehen. Dem Schweizer Bankgeheimnis drohen neue Löcher.

Noch ist es verfrüht, das definitive Ende des Bankgeheimnisses zu verkünden. Der Prozess in den USA gegen den früheren Kundenberater der UBS, Bradley Birkenfeld, offenbart aber, dass die Schweizer Banken den ausländischen Behörden immer mehr Informationen offen legen müssen, wenn sie ihre Lizenz behalten wollen. Anderseits ist klar, dass andere Finanzplätze nur darauf warten, die Rolle der Schweiz zu übernehmen, um zu Fluchtburgen für die Superreichen zu werden.

Die Gerichtsakten im Fall um den Ex-UBS-Berater Birkenfeld und seinen Kunden, den Immobilienhändler Igor Olenicoff, zeigen anschaulich, wie weit sich Schweizer Vermögensverwalter zum Fenster hinauslehnen, um ihre Klienten zu behalten. Der UBS-Banker verrichtete persönliche Kurierdienste für den wegen Urkundenfälschung verurteilten Milliardär, er schmuggelte Checks und Bargeld an den Zollbehörden vorbei, versteckte in einem Fall gar Diamanten in einer Zahnpastatube und fälschte Steuererklärungen, um Herkunft und Zielort von Vermögensverschiebungen zu verschleiern.

Die Vermögensverwaltung für eine Elite ist kein appetitliches Geschäft. Deswegen ist sie auch so lukrativ: Die Banken können für ihre Dienste satte Kommissionen verrechnen. 2006 etwa, dem letzten guten Jahr der UBS, erzielte die Bank in der Vermögensverwaltung 5,8 Milliarden Dollar Gewinn, das war mehr als ein Drittel des gesamten Konzernprofits.

Als führende Bank auf dem Radar der Justiz Bevor wir die laufenden Ermittlungen in den USA als Generalangriff auf das Bankgeheimnis werten, sollten wir uns daran erinnern, dass die beiden Schweizer Grossbanken zu den führenden Spielern an der Wallstreet gehören. Sie sind direkte, erfolgreiche Konkurrenten der amerikanischen Häuser. Deshalb ist völlig klar, dass sie permanent auf dem Radarschirm der Justiz und der Finanzmarktaufsicht erscheinen. Die UBS und die Credit Suisse bieten grosse Angriffsflächen; ihre prominente Rolle an der Wallstreet passt nicht zu einem Bankgeheimnis, das aus amerikanischer Sicht nichts anderes ist als ein unfairer Konkurrenzvorteil, schnell gilt da die Schweiz als Profiteurin.

Trotzdem ist es falsch, den Fall der UBS anders zu betrachten als die Dutzenden von Ermittlungsverfahren, die an der Wallstreet laufen. Gegen Finanzhäuser, auch gegen amerikanische, die durchaus ebenfalls Firmen beratend zur Seite stehen, die ihre Gewinne im Ausland parkieren wollen. Vor drei Jahren etwa gingen die US-Behörden mit grobem Geschütz gegen die renommierte Revisions- und Beratungsfirma KPMG vor, weil sie Anlagevehikel zu Gunsten der Reichen entwickelt hatte, die sich als illegal erwiesen. KPMG zahlte Bussen von fast einer halben Milliarde Dollar, um weiteren Prozessen zu entgehen.

Singapur drängt in die Schweizer Nische

Der Kampf gegen Betrüger und Schwindler in den USA ist ein Dauerthema; und sollte Barack Obama als Präsident gewählt werden, wird er diesen Kampf noch forcieren. Er hat sich für mehr Transparenz im Bankwesen ausgesprochen und sogar einen Gesetzesentwurf erarbeitet.

Die Schweizer Vermögensverwalter, speziell die UBS, befinden sich in einer gefährlichen Situation. Einerseits sollten sie das Versprechen einlösen, die Konti und persönliche Angaben ihrer Kunden vertraulich zu behandeln; anderseits müssen sie mit den Ermittlungsbehörden zusammenarbeiten, wenn es um vermutete kriminelle Aktivitäten geht. Je mehr Information die angeklagten Bankangestellten liefern, desto eher können sie beim Strafmass auf Milde hoffen. Doch je mehr Intimes sie aus dem Innenleben der Bank preisgeben, desto ungemütlicher wird die Lage der UBS als Vermögensverwalterin – dann beginnen ihr die Klienten zu misstrauen. Wie heikel die Lage geworden ist, zeigt der Entscheid, das Neukundengeschäft in den USA auf Eis zu legen. Dies dürfte die Bank Milliarden an entgangenen Einnahmen kosten.

Indessen sind es nicht nur die Amerikaner, die es auf höhere Transparenz angelegt haben. Unter Führung von Deutschland, Grossbritannien und Frankreich wächst auch in der EU der Druck, die Steuerinseln trocken zu legen. Im Visier stehen neben der Schweiz auch Österreich, Liechtenstein, Andorra und Luxemburg. Australien und Neuseeland sind ebenfalls besorgt über die zunehmende Unterwanderung ihres Steueraufkommens durch die Superreichen und haben mit Ermittlungen gegen Offshore-Finanzplätze begonnen. Wie beim Rennen zwischen Fuchs und Hase versuchen die Reichen und ihre Banken, die Ermittler mit immer neuen Tricks abzuschütteln.

Doch je näher die Füchse kommen, desto mehr Hasen tauchen auf, die in die Nische der Schweizer drängen. Singapur, auch Dubai und Shanghai hoffen, dereinst den Platz der Schweiz einzunehmen. «Wir wollen die Schweiz Asiens werden», sagte vor kurzem ein Bankier der deutschen Commerzbank in Singapur. Deutsche Banken bieten also in Singapur an, was die deutschen Behörden den Schweizer Banken verbieten wollen. Schon heute ist das Schweizer Bankgeheimnis nur noch eines von Dutzenden von «Sonderangeboten» für Superreiche.

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