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Ausflugstipps in der RegionDas Tram von Finsterwald

Das Entlebuch hat viele schöne Brätlistellen zu bieten. Zum Beispiel das blaue Tram, das auf einer grünen Wiese bei Finsterwald steht.

Einst Transportmittel, heute Brätliplatz: Der Luzerner Tramwagen Nummer 10.
Einst Transportmittel, heute Brätliplatz: Der Luzerner Tramwagen Nummer 10.
Foto: maz

Ein angenehm kühler Wald. Eine Wiese mit saftig grünem Gras. Ein plätscherndes Bächlein. Zwischen Entlebuch und Finsterwald zeigt sich die Natur von ihrer schönsten Seite. Man wandert, lässt die Gedanken schweifen – und plötzlich steht man vor etwas, das man hier als letztes erwarten würde.

Vor einem Tram.

Die blaue Strassenbahn steht an einem Feldweg am Rand des Chilewaldes, gut 900 Meter über Meer. Fahrtüchtig ist sie natürlich nicht mehr. Dafür bildet sie die Kulisse für einen schönen Brätliplatz. Der Grill ist unter dem Vordach des Trams eingerichtet, im Innern hat es einen langen Tisch mit Bänken, draussen einen weiteren Tisch. Und auf Informationstafeln ist nachzulesen, wie das blaue Tram hierhin gekommen ist.

Abenteuerlicher Transport

Zu Beginn der Sechzigerjahre wars, als die Jagdgesellschaft Entlebuch-Dorf-Alpiliegg einen neuen Unterstand suchte. Zur gleichen Zeit wurde in der Stadt Luzern das Tramnetz aufgehoben. Also kam einer der Jäger auf die Idee, man könnte sich um ein ausrangiertes Tram bewerben. Unmöglich? Nein! Die Jagdgesellschaft erhielt den Zuschlag für den Tramwagen Nummer 10. Kauf und Transport kosteten insgesamt 300 Franken.

Ungefähr 1955: Der Tramwagen Nummer 10 auf dem Luzerner Bahnhofplatz.
Ungefähr 1955: Der Tramwagen Nummer 10 auf dem Luzerner Bahnhofplatz.
Foto: pd

Wobei der Transport hinauf zum Chilewald ziemlich abenteuerlich verlief. Ein niedriges Scheunentor bei der Liegenschaft Altweg hatte schon mal ein ziemliches Ausweichmanöver zur Folge, und die letzten 500 Meter auf dem holprigen Waldweg erforderten eine, wie es auf der Infotafel heisst, «besonders vorsichtige Fahrweise». Der Anhänger mit dem Tram wurde gleichzeitig von einem Traktor und von einem Land Rover gezogen. Wer sich hier umschaut, kann sich gut vorstellen, wie langsam dieser Konvoi vorwärts kam.

Doch schliesslich ist alles gut gegangen. Und so steht das blaue Tram seit bald 60 Jahren hier, am Waldrand. Hunderte Leute haben sich seither schon daran erfreut, haben hier zusammengesessen, gebrätelt und philosophiert.