«Das Tessin erwacht aus einem Dornröschenschlaf»
Der Stau vor dem Gotthard-Strassentunnel wird in Umfragen klar als grösster Nachteil des Tessins genannt. Dies ist aber nicht der einzige Grund für den Gästeschwund. Nun reagiert der Kanton mit viel Geld.
Der Tessiner Tourismus reagiert auf den langjährigen Gästeschwund. Mit Investitionen von über einer halben Milliarde Franken werden Hotel- und Freizeitangebote aufgefrischt. Und dank der Neat soll das negative «Gotthard-Stau»-Image abgelegt werden können. Der Stau werde in Gästeumfragen klar als grösster Nachteil des Tessins genannt, auch wenn die Zufahrt zum Gotthard-Strassentunnel meist nicht verstopft sei, sagte der Direktor von Schweiz Tourismus, Jürg Schmid, vor den Medien in Zürich.
Die Verkehrsprobleme seien aber nicht der einzige Grund, warum die Tessiner Hotellerie seit dem Jahr 2000 einen Viertel an Übernachtungen eingebüsst hat; 2012 betrug der Rückgang 3 Prozent auf 2,3 noch Millionen Übernachtungen.
Im Unterschied zur restlichen Schweiz stehe der Südkanton in direkter Konkurrenz zu Mittelmeer-Destinationen und die Hotels litten am Boom von Zweitwohnungen im Tessin. Hinzu kommt das Wechselkursproblem.
In die Jahre gekommene Hotels
Allerdings sind einige Probleme auch hausgemacht: Die Qualität sei lange vernachlässigt worden und der Strukturwandel in der Hotelbranche habe spät eingesetzt. Schmid zeigte sich aber zuversichtlich, die Trendwende sei eingeleitet. «Es wird investiert. Das Tessin erwacht aus einem Dornröschenschlaf.»
Ticino Tourismo beziffert die laufenden Investitionen in Renovationen und Neubauten von Hotels sowie in weitere Tourismusangebote auf über 500 Millionen Franken. Genannt wurden unter anderem ein neuer Hotelkomplex von Accor in Lugano, das an Ostern wieder eröffnete Kurhaus in Cademario oder das ebenfalls vor dem Neustart stehende Felsenhotel auf dem Gotthardpass.
Die grösste Investition ist das künftige Kunst- und Kulturzentrum von Lugano, das LAC (Lugano Arte e Cultura). Die öffentliche Hand steckt 169 Millionen Fr. in das Projekt. 2015 soll es in Betrieb gehen und dereinst dieselbe Bedeutung für Lugano haben wie das KKL für Luzern.
Neat als zweischneidiges Schwert
2016 beginnt dann mit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels auf dem Schienenweg ins Tessin ein neues Zeitalter. Man kann somit in weniger als zwei Stunden von Zürich nach Lugano fahren. Dies bietet Chancen, aber auch Risiken, wie Omar Gisler, Kommunikationsleiter von Ticino Tourismo, einräumte.
Einerseits werden kurzfristige, wetterbedingte Ausflüge in die Sonnenstube attraktiver. Andererseits sind auch Tagesausflüge ohne Übernachtung oder die Weiterfahrt nach Italien leichter möglich. Ein Blick zurück auf die Eröffnung des Gotthard-Strassentunnels 1980 dämpft denn auch die Euphorie: Die Zahl der Hotelübernachtungen hat seit dem Rekord von 3,7 Millionen im Jahr 1981 stetig abgenommen. Die Geschichte soll sich nun nicht wiederholen.
In einer Werbekampagne für die Deutschschweiz mit «Töfflibueben» auf abenteuerlicher Anreise propagiert sich das Tessin bereits jetzt als «eigentlich in zwei Stunden erreichbar». Und am «Züri Fäscht 2013» ist das Tessin Gastkanton. Elia Frapolli, Direktor von Ticino Tourismo erklärte dazu, jede zweite Hotelübernachtung werde von einem Deutschschweizer gebucht. Zürich sei besonders wichtig.
SDA/bru
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