Zum Hauptinhalt springen

NachspielDas letzte Aufgebot

Ein Aufgebot für Zivilschutz-Einsätze während der Dauer von mehr als einem Monat – ein Tag, bevor der Bundesrat seine Massnahmen lockerte: Unser Autor hat’s erlebt.

Mundschutz, Kältejacke, Handschuhe: ein vorbildlicher Zivilschützler.
Mundschutz, Kältejacke, Handschuhe: ein vorbildlicher Zivilschützler.
Schweizerischer Zivilschutz Verband

Der Bundesrat lockert seine Massnahmen. Die Armee schickt Leute nach Hause: Langsam nähern wir uns der Normalität. Ausser in Schaffhausen: Der Kanton, der so wenige Infektionen verzeichnet wie sonst nur noch Appenzell Innerrhoden, bot am Tag vor der jüngsten Bundesratskonferenz per Ende April neue Männer für einen Zweischichtbetrieb auf. Insgesamt 130 Zivilschützer, einer davon bin ich.

Per Post erfahre ich, wie lange ich benötigt werde – über einen Monat – und wofür man mich einsetzen will: Betrieb einer Hotline für das kantonale Gesundheitsamt, «Pre-Triage» oder Zutrittskontrolle beim Kantonsspital. Verantwortungsvolle Aufgaben, alle sind neu für mich.

Bin ich den Aufgaben gewachsen?

Wäre es nicht besser, sie den Profis zu überlassen? Wahrscheinlich ja: Seit Beginn des Hotlinebetriebs sind im Durchschnitt täglich 78 Anrufe eingegangen – mit einem Spitzenwert von 263 Anrufen. Inzwischen ist diese Kurve stark abgeflacht: In den letzten zehn Tagen gab es im Schnitt nur noch zehn Anrufe. Über Ostern war die Hotline gar nicht besetzt. Es kann laut Schaffhauser Staatskanzlei aber «mit Sicherheit» davon ausgegangen werden, dass nach der Lockerung der Massnahmen die Zahl der Anrufe wieder stark zunehmen wird.

«Keine Massierungen»

Im Kantonsspital sind – Stand Freitag – sechs Personen aufgrund von Covid-19 isoliert, zwei auf der Intensivstation. Das Spital hat Kurzarbeit vorangemeldet. Viele Möglichkeiten, etwas falsch zu machen, wird es wohl nicht geben. Und so werde ich tun, was man von mir verlangt. Also sehr oft nichts. Das habe ich in den vergangenen Jahren ganz gut gelernt. Und so werde ich mich wieder an die Vorschriften halten, auch an die neuen: Wir sollen bei unserem Einsatz die Regeln des Bundesamtes für Gesundheit respektieren, «insbesondere: keine Massierungen», lese ich im Brief.

Eine Massage könnte ich tatsächlich dringend brauchen. Im Homeoffice habe ich mir eine leichte Verspannung geholt. Darauf kann ich keine Rücksicht nehmen. Der Kampf des Schaffhauser Zivilschutzes geht vor. Sie erreichen mich nächsten Monat wohl über die Hotline. Falls es mir zu langweilig wird, würd ich mich nochmals melden.