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BeratungshotlineDas ist bei der Scheidung zu beachten

Sind sich die Eheleute einig über die Folgen der Scheidung, sparen sie Zeit, Nerven und Geld. Im Streitfall kann es sehr teuer werden. Unsere Experten beantworten Ihnen heute von 16 bis 19 Uhr ihre Fragen.

Eine Scheidung löst eine Vielzahl rechtlicher Folgen aus. Nur wer seine Rechte kennt, kann sich optimal wahren.
Eine Scheidung löst eine Vielzahl rechtlicher Folgen aus. Nur wer seine Rechte kennt, kann sich optimal wahren.
Foto: Thomas Egli

Wollen Mann und Frau die Ehe beenden, dann spricht man von der «Scheidung auf gemeinsames Begehren». Sie ist unkompliziert und günstig. Im gegenseitigen Einvernehmen verfassen sie die Scheidungskonvention. Darin zu Regeln sind die Folgen der Scheidung, nämlich Sorgerecht und Obhut der Kinder, der Unterhalt und die Teilung der Güter sowie der Vorsorge. Wer will, kann die Konvention auch mit der ­Hilfe von Mediatoren, Anwälten oder Beratungsstellen ausarbeiten.

Diese Vereinbarung müssen die Eheleute mit einem schriftlichen Gesuch, dem Scheidungsbegehren, beim zuständigen Gericht einreichen. Sind sich beide einig über die Scheidungsfolgen, dauert das Verfahren im besten Fall wenige Wochen.

Bei Streit dauert das Verfahren lange

Strittige Scheidungen dagegen können jahrelang dauern. Wenn einer die Scheidung nicht will und sich wehrt, dann kommt es zur Kampfscheidung. Diese ist nach Ablauf einer zweijährigen Trennungsfrist möglich.

Vor Ablauf der Trennungsfrist ist die Scheidung bei schwerwiegenden Gründen möglich: «Gibt es in einer Ehe Missbrauch oder Gewalt, dann kann der Richter bestimmen, dass die zweijährige Frist nicht eingehalten wird», sagt die Berner Anwältin Anna Murphy von Bratschi und Partner. Allerdings seien die Massstäbe der Ge­richte hoch. Eine Ohrfeige reiche nicht aus.

Die rechtliche Vertretung

Kann das Paar sich nicht einigen bei der Scheidungskonvention, dann urteilt das Gericht über die Nebenfolgen der Scheidung. Einen Anwalt oder eine Anwältin brauchen meistens beide Seiten bei strittigen Scheidungen. Pro Stunde kostet dies zwischen 230 und 300 Franken. Wer dieses Geld nicht hat, kann beim Gericht die unentgeltliche Prozessführung beantragen. Wird der Antrag bewilligt, werden die Gerichts- und Anwaltskosten vorläufig übernommen. Kommt man später zu Geld, dann müssen diese Kosten während 10 Jahren zurückbezahlt werden.

Die Anhörung

Nachdem der Richter das Scheidungsbegehren erhalten hat, lädt er zur Anhörung ein. Er prüft, ob der Scheidungswillen und die getroffene Vereinbarung auf dem freien Willen beider beruhen. Die Regelung bezüglich der Kinder und der Vorsorge schaut der Richter von Amtes wegen genauer an. Er begutachtet kritisch, ob die Konvention vollständig und fair ist. Danach werden die Eheleute getrennt und ge­meinsam angehört. Ist die Scheidungsvereinbarung angemessen, spricht der Richter die Scheidung sofort aus.

Das Sorgerecht

Für gemeinsame Kinder behalten die Eltern meist das gemeinsame Sorgerecht. Ist das Kindeswohl aber erheblich gefährdet, beispielsweise wenn ein Kind von einem Elternteil geschlagen wird, muss das Gericht einem Elternteil das Sorgerecht allein zuteilen. Vom Gericht angehört werden Kinder in der Regel ab sechs Jahren. Ihre Meinung wird mit berücksichtigt, ist aber nicht allein entscheidend.

Das Besuchsrecht

Vom Sorgerecht zu unterscheiden ist die Obhut, der Ort, an dem das Kind mehrheitlich lebt. Ein Anrecht auf persönlichen Kontakt mit dem Kind hat auch der Elternteil, bei dem das Kind nicht lebt. Die Besuche sind eine Pflicht, die theoretisch gerichtlich durchgesetzt werden kann. Der Elternteil, der sich weigert, zahlt dann eine Busse. Anwältin Anna Murphy weiss aber aus der Praxis: «Wenn eine Seite den Kontakt mit dem Kind verweigert, kann man in der Praxis wenig machen.»

Bei Eltern, die sich nicht einigen können, legt das Gericht in der Regel ein ortsübliches Besuchsrecht fest. Schulpflichtige Kinder verbringen etwa jedes zweite Wochenende beim anderen Elternteil. Zudem gibt es noch zwei bis drei Wochen Ferien pro Jahr. «Bei kleineren Kindern werden häufigere und kürzere Treffen empfohlen, wöchentlich für ein paar Stunden», sagt Murphy.

Der Unterhalt der Ehepartner

Wenn der ehemalige Partner seinen Unterhalt nicht allein bestreiten kann und es ihm auch nicht zumutbar ist, mehr zu arbeiten, sind Alimente geschuldet. Zu berücksichtigen sind folgende Faktoren: die Dauer der Ehe, die Aufgabenteilung während der Ehe, das Einkommen und Vermögen, das Alter, die Gesundheit, die Ausbildung und die Aussichten im Beruf.

Betreut ein Partner die Kinder, so kann die Erwerbstätigkeit meist nur teilweise aufgenommen werden. Es gilt folgende Faustregel: Mit Eintritt des jüngsten Kindes in den Kindergarten gilt eine Erwerbsaufnahme zu 50 Prozent als zumutbar, mit Eintritt in die Oberstufe, also in die 7. Klasse, ist eine Ausweitung auf 80 Prozent möglich. Sobald das jüngste Kind 16 Jahre alt ist, ist eine Ausweitung auf 100 Prozent möglich.

Die Aufteilung des Vermögens

Wird bei der Heirat nichts anderes ausgemacht, leben die Eheleute nach der Errungenschaftsbeteiligung: Was beide während der Ehe verdient haben, wird je halbiert. Zur Errungenschaftsbeteiligung zählen Lohn, Renten, Erträge aus dem Eigengut, also beispielsweise Mietzinseinnahmen von einem vor der Ehe gekauften Haus. Nicht halbiert wird das Eigengut an sich: Es ist dieses Vermögen, welches ein Partner in die Ehe mitgebracht hat oder während der Ehe erbte oder geschenkt bekam.

Bei einem Ehevertrag gibt es die Varianten Gütergemeinschaft und Gütertrennung. Bei der Gütergemeinschaft gibt es das Gesamtgut, das beiden ungeteilt gehört und über das sie nur gemeinsam verfügen können. Bei Güter­trennung behält jede Seite, was ihr gehört, und verwaltet es selbst. Wer eine Gütertrennung gewählt hat, muss das Erbe im Gegensatz zur klassischen Gütergemeinschaft nicht teilen.

Aber Achtung bei der Pensionskasse. Die Gütertrennung hat keinen Einfluss auf die Teilung der Altersguthaben. Geteilt wird nur der Betrag, den die Eheleute von der Heirat bis zur Einleitung des Scheidungsverfahrens angespart haben.

Der Familienname

Wer den Namen bei der Heirat geändert hat, kann nach der Scheidung beim Zivilstandsamt erklären, wieder den ledigen Namen anzunehmen. Diese Namensänderung erstreckt sich aber nicht auf die Kinder. Damit sie den Namen ändern können, braucht es ein Gesuch. Die Regierung des Wohnsitzkantons entscheidet dann darüber. Ehegatten, die vor 2013 geheiratet haben, können ihren Ledignamen auch schon vor der Scheidung wieder annehmen.

Der Familienname

Die Gebühren für eine einvernehmliche Scheidung vor Gericht schwanken in der Schweiz stark. Bei einer Scheidung in gegenseitigem Einvernehmen liegen sie beispielsweise im Kanton Bern zwischen 600 und 3000 Franken. Sie sind abhängig vom Einkommen. Das Verfahren dauert etwa drei Monate. Eine strittige Scheidung kann ein paar 100’000 Franken kosten. Wer also Geld sparen möchte, sollte möglichst mit dem Ex-Partner einvernehmliche Lösungen finden.