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Das Dilemma der Notenbanker wird täglich grösser

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sorgt sich um die weltweit grassierende Inflation.

Einen derartigen weltwirtschaftlichen Klimasturz zwischen zwei Generalversammlungen hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in ihrer 78-jährigen Geschichte kaum je erlebt. Zur Jahresmitte 2007 gab es zwar schon Anzeichen für ein baldiges Platzen der Spekulationsblase an den Kreditmärkten, doch das Finanzsystem funktionierte reibungslos. Niemand rechnete damit, dass sich die Krise im US-Häusermarkt so rasant und tief greifend auf die weltumspannenden Geld- und Kapitalströme ausbreiten würde. Ganz anders die Stimmung bei der gestrigen Generalversammlung am Basler Sitz der BIZ, die auch Zentralbank der Zentralbanken genannt wird: Den aus aller Welt eingeflogenen Notenbankern war wohl bewusst, dass sie derzeit gefordert sind wie selten in den vergangenen Jahren.

Die Geldpolitik sieht sich nämlich mit einem Dilemma konfrontiert, das sich beinahe täglich verschärft. Einerseits strahlen die Auswirkungen der Kreditkrise längst auf die Realwirtschaft aus – besonders in den USA, wo das Wirtschaftswachstum im Jahresvergleich auf 1 Prozent geschrumpft ist. Aus dieser Warte betrachtet, ist eine (weiterhin) lockere Geldpolitik durchaus angezeigt. Anderseits hat die Inflation wegen stark gestiegener Preise für Öl, Rohstoffe und Nahrungsmittel deutlich angezogen – auf mittlerweile 4,7 Prozent, wenn man einen globalen Durchschnitt nimmt. Dies spricht dafür, die geldpolitischen Zügel umgehend zu straffen, bevor die längerfristigen Inflationserwartungen bei Unternehmen und Konsumenten unkontrolliert steigen.

Zu laxe Geldpolitik

Ein Patentrezept hatte in dieser verzwickten Lage natürlich auch BIZ-Generaldirektor Malcolm D. Knight nicht anzubieten. Der Kanadier – der im Oktober zur Deutschen Bank wechselt und deshalb sein Amt zur Vermeidung von Interessenkonflikten bereits ab heute Dienstag ruhen lässt – machte jedoch vor Journalisten geltend, dass die Geldpolitik bei globaler Betrachtung wohl zu locker sei. Zur Begründung verwies er auf die weltweite Auslastung der Kapazitäten, auf den Inflationstrend und die im Zeitvergleich ausgesprochen niedrigen Realzinssätze in den meisten Weltregionen. Mit Blick auf die Teuerungsprognosen, die den Inflationsanstieg überwiegend als kurzlebiges Phänomen erachten, mahnte Knight zur Vorsicht: Die Analysten hätten eine derartige Verteuerung der Rohstoffe nicht erwartet und unterschätzten daher in ihren Vorhersagen die derzeitige Inflation.

Den dringendsten Handlungsbedarf, die Geldpolitik zu verschärfen, sieht Knight in den aufstrebenden Schwellenländern mit starkem Wachstum und hohen Leistungsbilanzüberschüssen. Um dort die Inflation – die vielerorts mit zweistelligen Jahresraten galoppiert – wieder in den Griff zu bekommen, seien höhere Leitzinsen allein aber nicht ausreichend. Diese Länder, so der BIZ-Generaldirektor, müssten darüber hinaus eine Aufwertung ihrer Währungen zulassen.

Etliche von ihnen weigern sich bislang jedoch und binden stattdessen ihre Währungen an den US-Dollar, weil sie um die preisliche Wettbewerbsfähigkeit ihrer Exporte fürchten. Mit ihren massiven Interventionen am Devisenmarkt haben die Überschussländer zum einen ihre Geldmenge aufgebläht und dadurch die hauseigene Inflation zusätzlich angeheizt. Zum andern haben sie – mit der Anlage ihrer angehäuften Devisenreserven in den grossen Finanzzentren – die ohnehin schon reichlich vorhandene globale Liquidität zusätzlich anschwellen lassen. Dass sich nun in Ländern wie China ein vorsichtiges Umdenken abzeichnet, das eine stärkere Aufwertung der Landeswährung mit einschliesst, ist vor diesem Hintergrund eine gute Nachricht für die entwickelten Volkswirtschaften.

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