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Sommerserie: Darf man das? (1)Darf man als Frau mit unrasierten Beinen herumlaufen?

Haarige Beine, löchrige Bauchnabel, bergige Muskeln: Unsere Sittenpolizei patrouilliert heute an der Grenze der vorzeigbaren Körperpartien.

Serie: Darf man das?
Serie: Darf man das?
Getty Images/iStockphoto

***Dieser Text wurde ursprünglich am 6. Juli 2020 publiziert. Er hat in unseren Kommentarspalten und in den sozialen Medien eine Debatte ausgelöst. Auf diese gehen wir in unserer Nachfolgegeschichte vertieft ein. ***

Darf man als Frau mit unrasierten Beinen herumlaufen?

mfe: Ja. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass ganz schön angeglotzt wird, wer als Frau mit stark behaarten Beinen durch den Sommer stolziert. Das muss man dann wohl aushalten können. Bei Frauen werden Haare eigentlich immer als Statement gewertet, besonders wenn sie nicht auf dem Kopf sind. Bei Männern weniger. Meine sich allzu sehr ausbreitende Glatze (auf dem Kopf) zum Beispiel ist völlig unpolitisch. Aber es gibt ja auch Männer, die sich die Beine rasieren, meist aus vorgeschobenen sportlichen Gründen (Velo fahren oder Fussball, warum auch immer). Neben ihnen fühle ich mich lustigerweise wie ein Gorilla, auch wenn mir das Haarthema eigentlich am unrasierten Allerwertesten vorbeigeht.

bol: Ich mag mich dem Schönheitsdiktat für Frauen eigentlich nicht unterwerfen. Und trotzdem rasiere ich mir im Sommer die Beine regelmässig, während ich im Winter schlicht zu faul dazu bin. Das Rasieren habe ich aus der Zeit beibehalten, als ich als 18-Jährige ein Jahr als Austauschschülerin in den USA verbrachte. Da wurden sogar die Oberschenkel täglich und penibel rasiert. Ich habe aber in den letzten Jahren gemerkt, dass die heutigen jungen Frauen das lockerer sehen, ein neues Selbstverständnis entwickelt haben und nicht mehr unbedingt die Beine rasieren. Ich finde diese Entwicklung äusserst begrüssenswert. Auf dass diese Frage in Zukunft gar nicht mehr gestellt werden muss.

mbu: Es ist seltsam. Eigentlich stört mich ja gar nichts mehr. Von Vokuhila, Schnäuzen, Leggins bis hin zu Resthaaren, die quer über die Glatze gelegt werden, haben wir alles gesehen, erlebt und überstanden. Und doch zucke ich erst mal zusammen, wenn ich behaarte Frauenbeine sehe. Aber auch an Haare unter den Achselhöhlen habe ich mich inzwischen gewöhnt. Die Frage ist: Finde ich es sexy? Die Antwort: noch nicht.

Dürfen Männer ihre imposanten Muskelberge zur Schau stellen?

mfe: In der Badi: Ja, man kann ja nicht anders, will man sich als muskelbepackter Mann nicht im Neoprenanzug sonnen. Ansonsten lieber nicht in grösseren Menschenansammlungen, wenn es nach mir geht. Die Vorstellung, eine mir fremde, aufgeblasene Sonnencreme-Schweiss-Lederhaut zu spüren, lässt mich erschaudern. Wobei die Gefahr dafür im Covid-19-Jahr 2020 nicht allzu gross sein sollte.

bol: Mir sind Muskelberge herzlich egal. Aber wenn sie mir penetrant gezeigt werden, schaue ich lieber nicht hin. Denn ich finde so ausgeprägt trainierte Körperstellen nicht schön, sondern eher peinlich und angestrengt. Am mühsamsten finde ich dieses Phänomen auf sozialen Plattformen wie Instagram. Doch da gibt es ein einfaches Mittel: Männer, die in meinen Augen zu häufig posieren, werden einfach entfolgt. Dann dürfen sie zwar weiterhin ihre Muskelberge zur Schau stellen, ich schaue ihnen aber nicht mehr dabei zu.

mbu: Nun ja, wozu die ganze Arbeit in dieser Vorhölle aus Neid und Schweiss genannt Fitnessstudio, wenn man seine Erzeugnisse nicht irgendwo präsentieren darf? Deshalb kann ich das Gepose durchaus verstehen. Und manchmal, ich gebe es zu, befällt mich ein wenig Neid, wenn es wieder wärmer wird und mein Waschbrett sich immer noch unter einem Haufen zu bügelnden Winterkleidern versteckt. Neidisch bin ich aber nur auf Muskelhügel. Berge waren schon in 1990er-Actionfilmen komisch. Sie lassen ihre Träger so ungelenk und ihre Köpfe so schrecklich klein erscheinen.

Darf man noch ein Bauchnabelpiercing tragen?

mfe: In den 90ern hatten das doch alle jungen Frauen. Verschwanden die Bauchnabelpiercings nicht mit den Arschgeweihen? Ich habe jedenfalls lange keines mehr gesehen. Grundsätzlich finde ich: Wer kein Weihnachtsbaum ist, kann problemlos ohne Schmuck auskommen. Beim Bauchnabelpiercing gilt zusätzlich zu bedenken, dass das Schmuckstück ausgerechnet eine verkümmerte Körperöffnung betont, die, bei Licht betrachtet, nicht die schönste Stelle des Körpers ist. Eine Stelle, die nun schreit: «Hier, wo mal ein Hautschlauch dran war, blinkt jetzt ein kleiner Diamant!»

bol: Wenn man heute noch ein Bauchnabelpiercing trägt, outet man sich einfach als gestrig. Das ist eine Mode, die vorbei ist. Kommt hinzu: Bauchnabelpiercings stehen nur jungen Frauen, die noch keine Kinder haben. Spätestens mit der ersten Schwangerschaft wird auch das Piercing entfernt. Das war auch bei mir so.

mbu: Sehr einverstanden. Bauchnabelpiercings sind nur etwas für junge Frauen. Sehr junge Frauen. Sie kommen gleich nach Tattoos zum Aufkleben. Es gibt nur eine Zeitspanne, in der Bauchnabelpiercings angebracht sind: zwischen dem Anfang und dem Ende der Pubertät.