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SMS unter der Lupe«Dann musste ich den Anrufbeantworter einschalten»

Jolanda Zbinden vom Pflegeheim Kerzers suchte über die SMS-Rubrik dieser Zeitung nach BEA-Punkten für ihre Heimbewohner. Was danach geschah, überwältigte sie.

Grete Deuble, Jolanda Zbinden und Esther Schwab erfreuen sich an den vielen Briefen, die das Pflegeheim erhalten hat.
zvg

«Pflegeheim sucht dringend BEA-Punkte…» Das «Forum» erhielt neulich dieses SMS. Einige Tage später erneut ein SMS, vom gleichen Absender: «Wir wurden überschwemmt mit Anrufen. Ich möchte mich im Namen vom Pflegeheim Kerzers recht herzlich bei allen bedanken. Bleiben Sie gesund!»

Hinter den SMS steckt Jolanda Zbinden aus Neuenegg. Den Alltag im Pflegeheim Kerzers fasst die 54-jährige Sekretärin seit der Corona-Pandemie schlicht mit «traurig» zusammen. «Ich sage immer, das Leben unserer Bewohner besteht zu fünfzig Prozent aus Essen und fünfzig Prozent aus sozialen Kontakten. Letztere wurden ihnen schlagartig weggenommen», erzählt sie. Deshalb versuchte es Jolanda Zbinden mit einem SMS-Inserat. Sie wollte mit den BEA-Punkten neue Freizeitaktivitäten für die Heimbewohner kaufen, wie etwa Bälle in verschiedenen Grössen, Kegel, Büchsen zum Büchsenwerfen oder ein Boccia-Spiel für den Garten. Was danach kam, überwältigte sie.

Das Telefon klingelt und klingelt…

Das Inserat war am Freitag, 27. März, in dieser Zeitung abgedruckt. Jolanda Zbinden hatte an diesem Tag eigentlich frei. Um 7.20 Uhr rief sie ihren Mann Jean-Claude Cotting an, den Leiter des Pflegeheims. «Zu diesem Zeitpunkt war ein einziger Anruf eingegangen. Dann ging es aber los, im 2-Minuten-Takt klingelte das Telefon», erzählt sie. «Ich ging deshalb trotzdem zur Arbeit. Unzählige Anrufe später musste ich den Anrufbeantworter einschalten, ich war einfach kaputt von den vielen Anrufen.»

Seither platzt der Briefkasten des Heims regelrecht vor Briefen, Päckchen und Karten, natürlich alles voller BEA-Punkte. «Wir mussten sogar viele Anrufer zurückweisen, da wir einfach zu viele Punkte erhalten haben. Das war umso schwerer, weil die Leute traurig klangen, wenn sie nicht helfen konnten.» Jolanda Zbinden hat mittlerweile den Überblick über die vielen Rückmeldungen verloren, das Telefon klingelt vereinzelt immer noch mit Angeboten. Sie möchte sich aber auf diese Weise bei allen bedanken: «Es ist eine Freude, zu wissen, dass es so viele super Menschen gibt in dieser schweren Zeit.»