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Pharmafirma investiert in BernCSL Behring schliesst Test mit Corona-Medikament ab

Für Corona-Kranke steht womöglich bald ein Medikament bereit. Der auf Antikörpern basierende Wirkstoff wurde zu einem grossen Teil in Bern hergestellt.

Der Antikörperwirkstoff für die Tests mit Corona-Infizierten wurde grösstenteils in Bern produziert.
Der Antikörperwirkstoff für die Tests mit Corona-Infizierten wurde grösstenteils in Bern produziert.
Foto: zvg

Spätestens für die drohende dritte Welle der Corona-Pandemie soll es bereit sein: ein Medikament, das auf Antikörpern aus dem Blut von genesenen Covid-19-Patienten beruht. Schweren oder gar tödlichen Folgen der Lungenkrankheit soll damit entgegengewirkt werden können.

Das Medikament sei insbesondere für Risikopatienten, die sich frisch infiziert haben, erklärt Martin Schären, Chef von CSL Behring in Bern. Sein Unternehmen ist federführend beteiligt an einer internationalen Allianz von Blutplasmaverarbeitern, die nach Ausbruch der Pandemie ihre Kompetenzen zur Entwicklung eines solchen Wirkstoffs gebündelt haben.

Massenproduktion noch offen

Nachdem die Tests im Sommer gestartet werden konnten, sind inzwischen die klinischen Studien mit einigen Hundert Patienten erfolgreich abgeschlossen worden. Der grösste Teil der Testchargen wurde am Standort in Bern-Wankdorf produziert, wie Schären festhält. Ob das Medikament auch in Bern in die Massenproduktion geht, ist noch nicht entschieden.

Martin Schären übernahm die Leitung des Standorts Bern wenige Monate vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Er hatte 1999 beim Zentrallaboratorium Blutspendedienst (ZLB) begonnen zu arbeiten, das dann von CSL übernommen wurde.
Martin Schären übernahm die Leitung des Standorts Bern wenige Monate vor Ausbruch der Corona-Pandemie. Er hatte 1999 beim Zentrallaboratorium Blutspendedienst (ZLB) begonnen zu arbeiten, das dann von CSL übernommen wurde.
Foto: Adrian Moser

Zuerst steht noch die Zulassung des Medikaments durch die Behörden aus. Eigentlich hatte Schären gehofft, das Medikament schon Ende des letzten Jahres auf den Markt bringen zu können. Forschung und Produktion hätten zwar sehr gut geklappt, sagt Schären. Es sei aber nicht so einfach gewesen, für die Studie des Wirkstoffs Freiwillige zu finden, die sich frisch mit dem Coronavirus angesteckt hatten.

Wird das Medikament überflüssig, wenn die Weltbevölkerung gegen Covid-19 durchgeimpft ist? Womöglich, erklärt Schären, aber noch sei fraglich, ob die Pandemie ausgerottet werden kann. Denn das Virus mutiert. Und das Ziel der Allianz von Pharmafirmen sei nicht ein möglichst gewinnbringendes Produkt, sondern ein Beitrag gegen die Pandemie.

Plasma ist knapp geworden

CSL Behring ist selbst von den Folgen der Pandemie betroffen. Es fehlt an Plasmaspenderinnen und Plasmaspendern. Darum ist der Grundstoff knapp, aus dem das Unternehmen Produkte gewinnt, etwa zur Behandlung von Gerinnungsstörungen und Immunschwächen.

Trotzdem hat der australische Mutterkonzern CSL Limited ein Rekordsemester hinter sich. Der Umsatz wuchs in der ersten Hälfte des Geschäftsjahrs 2020/21 (per Ende Dezember) um 15 Prozent auf rund 5,7 Milliarden US-Dollar.

Der Reingewinn kletterte gar um satte 44 Prozent auf 1,8 Milliarden Dollar, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Ein Grund für den Gewinnsprung ist, dass eben weniger für Plasmaspenden ausgegeben und Plasma ab Lager verwendet wurde. Zudem boomte die Nachfrage nach dem Impfstoff von CSL gegen die saisonale Grippe. Auch dies ist ein Effekt der Corona-Pandemie. Und drittens zog das Geschäft in China wieder deutlich an.

In den nächsten Monaten dürfte die Plasmaknappheit anhalten, was die kurzfristigen Aussichten für das Geschäft von CSL Behring belastet. Der nach Ausbruch der Pandemie verhängte weltweite Einstellungsstopp gilt weiterhin. Ausnahmen gibt es bei systemkritischen Funktionen.

50 Stellen mehr

Damit stottert auch eine der wichtigsten Jobmaschinen in der Stadt Bern. Per Ende 2020 beschäftigte CSL Behring hier rund 1800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das sind 50 mehr als ein Jahr zuvor. In den vorangegangenen Jahren hatte das Unternehmen aber mehrfach den Personalbestand dreistellig erhöht.

Schären ist für die weitere Zukunft aber «sehr optimistisch», denn der Bedarf nach den teilweise lebenswichtigen Produkten von CSL Behring sei ungemindert. Ein Hoffnungsträger ist ein Produktekandidat gegen Herzinfarkte mit dem sinnigen Arbeitstitel CSL-112. Für neue Abfüll- und Gefriertrocknungsanlagen für dieses Medikament investiert CSL Behring in Bern über 100 Millionen Franken. Dafür sind auch gegen 50 neue Stellen nötig. Dies trotz Einstellungsstopp.

Diese neuen Anlagen entstehen im Neubau, der im Oktober 2020 eröffnet wurde. Darin befindet sich auch eine neue Produktionslinie, für welche kürzlich der Zulassungsantrag im wichtigsten Absatzmarkt USA eingereicht wurde. Die neue Linie soll ab Juli hochgefahren werden.