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LeserdiskussionCorona-Risiko für Schwangere – «willkommen in der Realität»

Zwei schwangere Frauen fühlen sich von ihren Arbeitgebern im Stich gelassen. Das sind die Kommentare der Leserinnen und Lesern.

Lehrerin Sybille M.: «Meine Schule macht das absolute Minimum.»
Lehrerin Sybille M.: «Meine Schule macht das absolute Minimum.»
Anna-Tia Buss

Schwangere Frauen gehören zur Risikogruppe des Coronavirus. Im Artikel «Schwanger und alleingelassen» beschrieben eine Lehrerin und eine Pflegefachfrau, wie sehr sie kämpfen mussten, um wirklich den Schutz zu bekommen, den sie brauchen. Auf den Artikel gab es viele Reaktionen – hier eine Auswahl:

«Es ist an der Zeit...»

Willkommen in der Realität! Dieses Gebaren ist – zumindest bei den Pflegeberufen – seit Jahrzehnten gang und gäbe. Personalersatz für eine schwangere Kollegin, die nicht arbeiten darf? Fehlanzeige. Sicherer Arbeitsplatz mit besonderen Schutzmassnahmen für eine schwangere Kollegin? Fehlanzeige. Es ist längstens an der Zeit, dass vonseiten der Arbeitgeber endlich gehandelt und geltendes Recht (inklusive umfassende Informationen und Schutzmassnahmen) umgesetzt wird; denn: Wer pflegt oder unterrichtet eines Tages, wenn nicht diese Kolleginnen bzw. ihre Kinder? Onlinekommentar von Christine Beyer

«Ich fühle mich sicher»

Als schwangere Spitalmitarbeiterin im dritten Trimester fühle ich mich an meinem Arbeitsplatz am sichersten, da dort ein strenges Schutzkonzept gilt, das von allen eingehalten wird. Mein Arbeitgeber hat zudem zeitnah auf die neue Risikogruppenzuteilung reagiert und intern an alle Mitarbeitenden kommuniziert. Onlinekommentar von Petra Waltis

«Gerechtigkeit sieht anders aus»

Ist das Verhalten der Verantwortlichen nicht diskriminierend? Gibt es wirklich keine zukunftsorientierte Lösungen für solche Frauen? Zeitgemäss und fair ist das Verhalten sehr wahrscheinlich nicht. Denken die Verantwortlichen auch an den Lebensunterhalt der Betroffenen? Gerechtigkeit sieht anders aus. Eigentlich dürfte niemand in dieser Zeit vergessen werden, denn auch die Betroffenen haben ihre Ausgaben. Leserbrief von Martin Fischer, Worb

«Die letzten Monate wurde das Leben der Alten hochgelobt, und für die Kleinen gilt das nicht?»

Edith Kubli

«Warum erst jetzt?»

Es ist für mich völlig unverständlich, dass es so lange gedauert hat, bis schwangere Frauen in die Corona-Risikogruppe eingeordnet worden sind. Schwangerschaften – Mutter und Kind – sind per se ein Risiko. Das heisst, dass sie schon prophylaktisch gleich beim exponentiellen Anstieg der Corona-Erkrankungen als gefährdet hätten erfasst werden müssen. Natürlich ist das mit Kosten verbunden. Onlinekommentar von
Jürg Walter Meyer

«Gute Erfahrungen»

Ich empfehle allen Angestellten, einem Berufsverband oder einer Gewerkschaft beizutreten. Die wissen nicht immer alles, unterstützen einen jedoch und geben Anregungen. Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht. Und was mir gefällt, ist der Solidaritätsgedanke. Onlinekommentar von Anta Gueye

«Setzt man sich dem Risiko aus und es kommt zu Komplikationen, möchte ich nicht mit dem Gefühl des Selbstverschuldens leben müssen.»

Regina Löpfe

«Anderer Arbeitsplatz»

Für diese zwei Frauen wäre es doch bestimmt möglich, während der Schwangerschaft innerhalb des Betriebs einen Arbeitsplatz anzubieten ohne direkten Kontakt zu einer grossen Menschenmenge. Entweder nimmt man die Empfehlungen ernst, und dann ist der Staat auch verpflichtet, eine Lösung anzubieten. Oder braucht ein Ungeborenes keinen Schutz? Die letzten Monate wurde ja das Leben der Alten hochgelobt, und für die Kleinen gilt das nicht? Onlinekommentar von Edith Kubli

«Langzeitschäden»

Es gibt diverse Viren, die für das Ungeborene ein Risiko darstellen, z.B. Röteln. Über Covid-19-Langzeitschäden weiss man bisher nichts, weder bei Erwachsenen noch bei im Mutterleib Infizierten. Letztendlich muss jeder selbst entscheiden, welche Risiken er in Kauf nehmen will. Ich habe durchaus Verständnis, wenn Schwangere lieber auf Nummer sicher gehen, insbesondere in diesem Fall, wo sie klar zur Risikogruppe zählen und daher geschützt werden sollten. Setzt man sich wider Empfehlungen dem Risiko aus und es kommt zu Komplikationen, möchte ich nicht mit dem Gefühl des Selbstverschuldens leben müssen. Onlinekommentar von Regina Löpfe