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Coronavirus weltweit+++ Biontech-Chef Sahin: «Normales Leben im Spätsommer» +++ Minister in Ecuador tritt nach Impfskandal zurück

Der Gründer von Biontech äussert sich in einem Interview mit dem «Spiegel» optimistisch, was die Entwicklung der Pandemie betrifft. Internationale News im Ticker.

Das Wichtigste in Kürze:

  • In mehreren Ländern sind mutierte Varianten des Coronavirus aufgetaucht. Sorge bereitet Medizinern, dass die Mutationen offenbar ansteckender sind.

  • Die USA bleiben das am stärksten betroffene Land; gefolgt von Indien, Brasilien, Grossbritannien und Russland.

  • Weltweit sind gigantische Impfprogramme angelaufen (Zum Vergleich).

LIVE TICKER

Minister in Ecuador tritt nach Impf-Skandal zurück

Vor dem Hintergrund eines Impf-Skandals in Ecuador ist der Gesundheitsminister des südamerikanischen Landes zurückgetreten. Juan Carlos Zevallos zog am Freitag die Konsequenzen, nachdem er eingeräumt hatte, dass seine 87-jährige Mutter und «mehrere» weitere Menschen in seinem Umfeld Corona-Impfstoffdosen erhalten hatten, die eigentlich für Mitarbeiter im Gesundheitswesen reserviert waren.

Präsident Lenín Moreno dankte Zevallos im Online-Dienst Twitter für seine Arbeit während der Corona-Pandemie. Damit habe der Minister «hunderttausende Leben gerettet». Moreno betonte zudem, keiner seiner Angehörigen habe bisher eine Corona-Impfung erhalten.

Konsequenzen gezogen: Ecuadors Gesundheitsminister Juan Carlos Zevallos.
Konsequenzen gezogen: Ecuadors Gesundheitsminister Juan Carlos Zevallos.
Foto: Keystone (Archiv)
Britische Variante ist in Belgien dominant

In Belgien ist die hochansteckende Corona-Mutante aus Grossbritannien inzwischen der dominante Coronavirus-Stamm. In der vergangenen Woche seien 53 Prozent aller Corona-Infektionen auf die Virus-Variante B.1.1.7 zurückzuführen gewesen, sagte der Virologe Steven Van Gucht am Freitag vor Journalisten in Brüssel. Eine Woche zuvor habe der Anteil der Ansteckungen mit dieser Mutante noch bei 38 Prozent gelegen.

Ministerpräsident Alexander De Croo sprach auf einer anderen Pressekonferenz von einer «sehr heiklen» Situation. Er verwies dabei auch auf einen besorgniserregenden Anstieg bei den Krankenhausaufenthalten in der vergangenen Woche.

Angesichts der Lage bezeichnete De Croo es als «unverantwortlich», über eine Lockerung der vor knapp vier Monaten eingeführten Corona-Massnahmen nachzudenken. In Belgien gilt unter anderem eine nächtliche Ausgangssperre, zudem sind Bars, Restaurants und Cafés geschlossen. Im Freien dürfen sich maximal vier Menschen treffen. Seit Ende Januar dürfen die Belgier keine nicht-zwingenden Reisen mehr ins Ausland unternehmen.

Biontech-Chef Sahin macht Mut

In einem Interview mit dem deutschen Magazin Spiegel erklärt Biontech-Gründer Ugur Sahin, wie sich die Impfkampagne in den nächsten Monaten auf die Pandemie auswirken sollte. In Bezug auf Deutschland, das derzeit in einer ähnlichen Situation wie die Schweiz steckt, sagt er, dass erst Ende Mai oder Anfang Juni mit einem deutlichen impfstoffbedingten Rückgang der Fallzahlen zu rechnen sei. Wenn sich genügend Menschen impfen liessen, dann könne die Pandemie bis zum Spätsommer deutlich besser unter Kontrolle gebracht werden. Das bedeute nicht, dass es gar keine Infektionen mehr gebe, aber dass ein normales Leben möglich sein werde.

Derzeit weisen immer mehr Studien darauf hin, dass der Biontech-Impfstoff nicht nur vor schweren Krankheitsverläufen schützt, sondern auch die Ansteckung und somit eine weitere Übertragung verhindert. Das würde bedeuten, dass auch die Bildung neuer Mutationen unwahrscheinlicher wird, erklärt Sahin. Je weniger das Virus zirkuliere, desto weniger Chancen habe es, neue Varianten zu bilden.

Sahin vermutet nach bisherigen Erkenntnissen, dass Geimpfte über Jahre vor schweren Verläufen geschützt sein sollten. Um aber auch leichte Erkrankungen und damit eine erneute Ausbreitung zu verhindern, könnte alle zwei Jahre eine Auffrischungsimpfung nötig sein. Eine Variante, gegen die sein Impfstoff nicht mehr genügend wirkt, sieht Sahin derzeit nicht, auch vor der südafrikanischen Mutation hat er keine Angst.

Und der Biontech-Chef sagt, dass es durchaus sinnvoll sein könnte, eine Impfung mit AstraZeneca, um die in Deutschland viele Menschen einen Bogen machen, später mit einem mRNA-Mittel zu ergänzen. Dazu werde es in den nächsten vier bis acht Wochen neue Studienresultate geben.

Studie: Biontech-Impfung reduziert asymptomatische Corona-Infektionen

Eine einzelne Dosis des Impfstoffs von Biontech/Pfizer kann einer britischen Untersuchung zufolge bereits nach zwölf Tagen die Zahl der asymptomatischen Coronavirus-Infektionen auf ein Viertel reduzieren.

Das gibt Anlass zur Hoffnung, dass die Impfung nicht nur symptomatische Krankheitsverläufe verhindert, sondern auch dabei helfen kann, die Ausbreitung des Virus zu bremsen.

Bei der noch nicht in einem Fachmagazin veröffentlichten Untersuchung, an der unter anderem Wissenschaftler der Universität Cambridge beteiligt waren, wurden mehrere Tausend symptomfreie Mitarbeiter im britischen Gesundheitssystem zwischen dem 18. und 31. Januar auf das Virus getestet. Bei der Untersuchung ging es speziell um die Schutzwirkung bei nur einer Dosis. Eigentlich sind bei dem Biontech/Pfizer-Impfstoff zwei Dosen im Abstand von einigen Wochen vorgesehen.

Im Untersuchungszeitraum erhielten 0,80 Prozent der nicht-geimpften Personen ein positives Testergebnis (26 von 3252). Unter Geimpften, deren erste Dosis mindestens 12 Tage zurücklag, waren es 0,20 Prozent (4 von 1989).

«Das sind grossartige Neuigkeiten, der Pfizer-Impfstoff gewährt nicht nur Schutz gegen eine Erkrankung von Sars-CoV-2, sondern hilft auch dabei, Infektionen zu verhindern und reduziert das Potenzial, dass das Virus an andere weitergegeben werden kann», sagte Mike Weekes, Spezialist vom Cambridge University Hospitals NHS Foundation Trust (CUH), einer Mitteilung zufolge.

In Österreich sind Corona-Varianten auf dem Vormarsch

In Österreich ist laut Gesundheitsministerium inzwischen etwas mehr als Hälfte aller Neuinfektionen auf eine der grassierenden Corona-Varianten zurückzuführen.

«Die Mutationen, da sie stärker sind, scheinen sich sehr schnell durchzusetzen», sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Freitag. Österreich sei das einzige Land in Europa, das alle positiven PCR-Testergebnisse auf etwaige Virusvarianten überprüfe. Als Erfolg wertete der Minister, dass die Impfungen in den Alten- und Pflegeheimen kurz vor dem Abschluss stünden. Dadurch seien weniger schwere Krankheitsverläufe zu befürchten.

Österreich sieht sich obendrein neben der Slowakei als das Land in Europa, das am meisten testet. Binnen 24 Stunden wurden laut Anschober zuletzt 223 000 Antigen-Schnelltests und PCR-Tests gemacht. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen war nach deutlichem Anstieg zuletzt auf 2093 gefallen. Die 7-Tage-Inzidenz liegt bei rund 145 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche.

Am Montag will die österreichische Regierung entscheiden, ob nach dem Handel und den körpernahen Dienstleistungen in den nächsten Wochen auch die Hotels und die Gastronomie wieder öffnen dürfen. In diesem Fall wären negative Corona-Tests eine Voraussetzung für den Lokalbesuch.

Queen wirbt fürs Impfen

Dass Königin Elizabeth II. mit Traditionen bricht, hat es in ihrer mittlerweile 69 Jahre langen Regentschaft kaum gegeben.

Umso überraschender, dass die Monarchin nun sehr deutlich für die Corona-Impfung geworben hat – und dabei sogar aus dem Nähkästchen plauderte, zumindest im Vergleich zu dem, was die 94-Jährige ansonsten preisgibt. «Es hat überhaupt nicht wehgetan», erzählte die Queen in einem Videogespräch. «Soweit ich das beurteilen kann, war es ziemlich harmlos.» Die Äusserungen der Königin gelten als enorme Unterstützung für die Impfkampagne.

Queen Elizabeth II unterstützt die Impfkampagne der britischen Regierung. (15. Oktober 2020)
Queen Elizabeth II unterstützt die Impfkampagne der britischen Regierung. (15. Oktober 2020)
Foto. Ben Stansall (Keystone)

Bis Mittwoch haben bereits 18,7 Millionen Menschen eine erste Dosis erhalten, das ist mehr als jeder dritte Erwachsene im Vereinigten Königreich. Täglich kommen Hunderttausende hinzu, bis Ende Juli sollen alle Erwachsenen ein Angebot erhalten haben. Die Bereitschaft ist gross: 85 Prozent der Befragten wollen sich impfen lassen, so das Statistikamt.

Doch unter den Skeptikern sind besonders viele Angehörige ethnischer Minderheiten. Die Queen äusserte Verständnis dafür, dass einige Menschen Angst vor der Impfung haben: «Aber sie sollten eher an andere Menschen denken als an sich selbst.» Fast alle Zeitungen brachten die Aussagen der Monarchin am Freitag auf ihrer Titelseite. «Die Königin sagt, die Impfung abzulehnen, sei egoistisch», titelte etwa der «Daily Telegraph». Gesundheitsmanagerin Emily Lawson betonte, die Aussagen der Königin seien «ein unheimlich wichtiges Vertrauensvotum für das Programm».

Queen vergleicht Corona mit der Pest

Sie fühle sich angesichts der Corona-Krise an andere schwere Pandemien erinnert, erzählte die Queen in dem Videogespräch mit den Verantwortlichen für das Impfprogramm in den vier Landesteilen England, Schottland, Wales und Nordirland. «Ich meine, es ist ein bisschen wie eine Pest, nicht wahr? Weil wir nicht nur hier das Virus haben, sondern es überall ist, ist es ein seltsamer Kampf, den wirklich alle führen.» Die Monarchin lobte den gemeinsamen Einsatz gegen die Pandemie. Das Gemeinschaftsgefühl erinnere sie an den Zweiten Weltkrieg. «Es ist sehr ähnlich wie damals, wissen Sie, als alle am gleichen Strang gezogen haben.»

Hunderte verstossen gegen Corona-Regeln auf Karnevalsfeiern in Israel

Bei Feiern anlässlich des jüdischen Karnevalsfestes Purim haben in Israel nach Angaben der Polizei Hunderte gegen Corona-Regeln verstossen.

In Jerusalem lösten Beamte eine Party mit rund 250 Teilnehmern in einem Hotel auf, wie die Polizei am Freitag mitteilte. An anderen Orten der Stadt wurden demnach weitere Feiern mit jeweils Dutzenden Gästen beendet.

Die meisten Teilnehmer des Purimfests haben sich an die Corona-Regeln gehalten. (25. Februar 2021)
Die meisten Teilnehmer des Purimfests haben sich an die Corona-Regeln gehalten. (25. Februar 2021)
Foto: Emmanuel Dunand (AFP/Getty Images)

Aus Sorge vor einer Zunahme von Neuinfektionen mit dem Coronavirus hat die Regierung anlässlich des Purimfests von Donnerstagabend bis Sonntagmorgen nächtliche Lockdowns verhängt. Man darf sich dann nicht weiter als 1000 Meter von seiner Wohnung entfernen und auch nicht andere Haushalte besuchen. Partys dürfen nicht während der Lockdown-Stunden gefeiert werden.

Vor einem Jahr hatten sich viele Menschen in Israel auf Karnevalsfeiern angesteckt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte vor dem diesjährigen Fest an die Bürger appelliert, sich an die Regeln zu halten. Trotz rascher Impfkampagne verharrte die Zahl der Neuinfektionen zuletzt auf einem hohen Niveau.

Österreichs Kanzler Kurz will einheitliche Grenzregeln

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz dringt auf eine einheitliche Grenzregelung in der Europäischen Union. «Ich hoffe, dass Europa bald ein einheitliches Vorgehen an den Grenzen zustande bringt», sagte er dem «Münchner Merkur» (Freitag). «Es gibt ja auch in Deutschland unterschiedlich strenge Grenzregelung, je nach Himmelsrichtung.»

Es sei sinnvoll, in Pandemiezeiten «auf ein Sicherheitsnetz mit Tests, Masken und anderem» zu setzen, sagte Kurz. «Aber Massnahmen, die dazu führen, dass der Binnenmarkt gefährdet wird, Menschen nicht mehr zu ihrem Arbeitsplatz kommen und Familien auseinandergerissen werden, halte ich nicht für sinnvoll.»

Kritisiert Grenz-Regeln «je nach Himmelsrichtung»: Österreichs Kanzler Sebastian Kurz fordert ein einheitliches Vorgehen in der EU.
Kritisiert Grenz-Regeln «je nach Himmelsrichtung»: Österreichs Kanzler Sebastian Kurz fordert ein einheitliches Vorgehen in der EU.
Foto: Helmut Fohringer (AFP)

Sauer auf Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), der nach der Ausbreitung einer Corona-Mutation im österreichischen Bundesland Tirol Grenzschliessungen gefordert hatte, sei er nicht, versicherte Kurz. «Alle Politiker sind in einer extrem herausfordernden Situation. Es wäre gut, wenn wir Regelungen bekommen, die mehr Sicherheit bieten – das wollen wir alle -, aber gleichzeitig nicht unnötige Bürokratie und Unverständnis bei der Bevölkerung mit sich bringen.»

Viertelmillion Corona-Tote in Brasilien

Die Zahl der Corona-Toten in Brasilien hat die Schwelle von 250'000 überschritten. Wie das Gesundheitsministerium in Brasília am Donnerstag mitteilte, wurden 1541 Neuinfektionen mit dem Coronavirus binnen 24 Stunden registriert. Die Gesamtzahl der Ansteckungsfälle seit Beginn der Pandemie stieg damit auf 251'498.

Brasilien ist nach den USA das Land mit der weltweit zweithöchsten Zahl von Corona-Toten. In den Vereinigten Staaten war am Montag die Schwelle von einer halben Million Todesopfern überschritten worden.

Vor genau einem Jahr, am 26. Februar 2020, war in Brasilien der erste Corona-Infektionsfall verzeichnet worden. Der damalige Patient war ein Geschäftsmann aus São Paulo, der von einer Italien-Reise zurückgekehrt war.

Seither hat sich das Virus rasant im bevölkerungsreichsten und flächenmässig grössten lateinamerikanischen Land ausgebreitet. Seit Beginn der Pandemie wurden mehr als 10,3 Millionen Infektionsfälle in dem Land erfasst. In der Statistik der Ansteckungsfälle liegt Brasilien weltweit an dritter Stelle hinter den USA und Indien.

Brasiliens rechtsextremer Präsident Jair Bolsonaro hat die Gefahr durch das Coronavirus immer wieder verharmlost. Er kritisierte in der Vergangenheit auch von den brasilianischen Bundesstaaten verhängte Corona-Restriktionen.

Biden drückt in der Pandemie aufs Tempo

US-Präsident Joe Biden will bei der Corona-Impfkampagne weiter aufs Gaspedal drücken. «Je mehr Leute geimpft werden, desto schneller werden wir diese Pandemie eindämmen», sagte Biden am Donnerstag. Er sprach im Weissen Haus, um die Schwelle von 50 Millionen Impfungen während seiner Amtszeit zu markieren. Biden bezeichnete die Fortschritte bei der Impfkampagne als grossen Erfolg: Die USA lägen damit «Wochen» vor dem angestrebten Zeitplan.

Biden hatte vor seinem Amtsantritt am 20. Januar als Ziel gesetzt, dass es in seinen ersten hundert Tagen als Präsident mindestens 100 Millionen Impfungen geben soll. Nun wurde nach 37 Tagen bereits die Schwelle von 50 Millionen erreicht, wie Biden erklärte.

Biden dürfte bei seinem Ziel zu Gute kommen, dass die Hersteller der beiden in den USA zugelassenen Impfstoffe, Moderna und Pfizer/Biontech, ihre Produktion inzwischen ausgeweitet haben. Bis Ende März haben sie zusammen die Lieferung von rund 200 Millionen Dosen versprochen. Bis Ende Juli sollen die USA insgesamt 600 Millionen Dosen bekommen.

Seit Beginn der Impfkampagne im Dezember wurden nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC 66 Millionen Dosen gespritzt, knapp 21 Millionen Menschen sind demnach schon doppelt geimpft worden.

USA: Biontech-Impfstoff darf normal gekühlt gelagert werden

Der Corona-Impfstoff der Unternehmen Biontech und Pfizer darf in den USA ab sofort bis zu zwei Wochen bei Temperaturen eines normalen Gefrierfachs transportiert und gelagert werden. Das wird die Handhabung des Impfstoffs erleichtern und den Einsatz auch an Orten wie Arztpraxen oder Apotheken vereinfachen, die nicht über weitaus kältere Gefrierfächer verfügen. Die Lebens- und Arzneimittelbehörde (FDA) erklärte am Donnerstag, die Erlaubnis werde bei der Corona-Impfkampagne für mehr Flexibilität sorgen und den Druck auf die Lieferkette für ultrakalte Gefriermodule senken.

Bislang musste der Impfstoff bei minus 80 bis minus 60 Grad Celsius transportiert und gelagert werden, was bei der nötigen Logistik von Impfkampagnen eine zusätzliche Herausforderung ist. Der Hersteller liefert den Impfstoff daher in speziellen Behältern mit Trockeneis aus. Nun sind begrenzt auf zwei Wochen auch Transport und Lagerung im Temperaturbereich von minus 25 bis minus 15 Grad erlaubt. Zudem ist es nach wie vor erlaubt, den Impfstoff bis zu fünf Tage vor der Verwendung bei Kühlschranktemperatur aufzubewahren.

Gute Neuigkeiten aus den USA: Der Impfstoff von Biontech/Pfizer darf in normalem Gefrierfach gelagert werden.
Gute Neuigkeiten aus den USA: Der Impfstoff von Biontech/Pfizer darf in normalem Gefrierfach gelagert werden.
Foto: Etienne Laurent (Keystone/Symbolbild)
Masken-Debakel in Belgien

Die belgische Regierung warnt vor dem Einsatz von Corona-Schutzmasken, die sie selbst im vergangenen Jahr gekauft und gratis verteilen lassen hat. Bei der Nutzung der Masken könnten womöglich giftige Stoffe eingeatmet werden, heisst es in einem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben von Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke. Die Regierung hatte im vergangenen Juni insgesamt 15 Millionen der von der Luxemburger Firma Avrox in Asien hergestellten Stoffmasken gekauft.

Die Masken wurden über Apotheken gratis abgegeben. Allerdings zeigten die rund 11,5 Millionen Belgier weniger Interesse daran als gedacht: Medienberichten zufolge wurde nur etwa ein Drittel der von der Regierung gekauften Masken auch an Kunden abgegeben.

Nach Beschwerden bei der Gesundheitsbehörde CSS über mögliche schädliche Inhaltsstoffe in den Avrox-Masken wurde inzwischen eine Untersuchung eingeleitet. So lange diese andauere, sollten diese Masken gemieden werden, erklärte die CSS. Avrox seinerseits versicherte, es seien alle Sicherheitsprotokolle und -standards eingehalten worden.

Merkel fordert EU-Impfpass in drei Monaten

Bundeskanzlerin Angela Merkel geht davon aus, dass der EU-Impfpass bis zum Sommer entwickelt werden kann. «Die politische Vorgabe ist, dass man das in den nächsten Monaten erreicht, ich habe ja von drei Monaten gesprochen», sagte die Politikerin am Donnerstag nach dem EU-Videogipfel.

Das Zertifikat soll die Möglichkeit schaffen, Geimpften gegebenenfalls Vorteile zu gewähren. «Alle haben heute darauf hingewiesen, dass das zurzeit bei der geringen Durchimpfung der Bevölkerung gar nicht das Thema ist. Aber man muss sich ja vorbereiten», betonte Merkel. Das heisse aber nicht, dass künftig nur reisen dürfe, wer einen Impfpass habe. «Darüber sind überhaupt noch keine politischen Entscheidungen getroffen.»

Politische Vorgabe für Impfpass muss sein: Angela Merkel in Berlin.
Politische Vorgabe für Impfpass muss sein: Angela Merkel in Berlin.
Foto: John Macdougall (DPA/Keystone/25. Februar 2021)

Auf Reiseerleichterungen für Geimpfte dringen Länder wie Griechenland, Zypern, Bulgarien und Österreich. Griechenland und Zypern haben schon jetzt Vereinbarungen mit Israel über die künftige Einreise von Geimpften geschlossen. Manche EU-Staaten wie Polen und Rumänien gewähren Geimpften bereits Vorteile, etwa bei der Einreise.

Dabei ist die Absprache auf EU-Ebene noch lange nicht so weit. Bislang haben sich die 27 EU-Staaten nur darauf geeinigt, dass es einen gegenseitig anerkannten Impf-Nachweis geben soll.

US-Universität: Bereits mehr als 2,5 Millionen Virus-Tote auf der Welt

Seit Beginn der Pandemie vor gut einem Jahr sind weltweit bereits mehr als 2,5 Millionen Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Das ging am Donnerstag aus Daten der Universität Johns Hopkins in Baltimore hervor.

Die Zahl der gemeldeten Todesfälle stieg damit allein seit Mitte Januar um rund 500'000 an. Weltweit gab es den Daten zufolge bislang knapp 113 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus. Experten gehen von einer noch höheren Dunkelziffer aus.

Die Webseite der Universität wird regelmässig mit eingehenden Daten aktualisiert und zeigt einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). In manchen Fällen wurden die Zahlen zuletzt aber auch wieder nach unten korrigiert. Der WHO zufolge gab es bis Donnerstag 2,49 Millionen bestätigte Todesfälle.

Sanitäter in Schutzanzügen transportieren einen Covid-19-Patienten in Mexiko City.
Sanitäter in Schutzanzügen transportieren einen Covid-19-Patienten in Mexiko City.
Foto: Marco Ugarte (DPA/AP/Keystone/Archiv)

In den USA sind in absoluten Zahlen bislang die meisten Menschen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben. Dort gibt es mehr als 506'000 Todesfälle, also etwa ein Fünftel aller Corona-Toten weltweit. Dahinter folgt Brasilien mit rund 250'000 Toten. In Mexiko sind es knapp 183'000 gemeldete Todesfälle, in Indien gut 156'000. An fünfter Stelle steht Grossbritannien mit 122'000 Toten, gefolgt von Italien, Frankreich und Russland.

Medizinischer Sauerstoff wird in Krise knapper

Die Pandemie hat nach UNO-Angaben zu einem dramatischen Engpass in der weltweiten Versorgung mit medizinischem Sauerstoff geführt. Dies gelte besonders für weniger wohlhabende und arme Staaten, in denen Schätzungen zufolge rund 500'000 Corona-Patienten für künstliche Beatmung rund 1,1 Millionen Sauerstoffzylinder täglich benötigten, erklärte am Donnerstag eine von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geleitete internationale Gruppe zur Bereitstellung medizinischer Güter und Infrastruktur in der Corona-Krise.

Die Pandemie habe einen bereits zuvor bestehenden Mangel an medizinischem Sauerstoff zu einem «kompletten Notfall» gemacht, erklärte die Leiterin des an der Initiative beteiligten UNO-Kinderhilfswerks Unicef, Henrietta Fore. Um den Mangel dauerhaft zu beheben, müsse das Gesundheitssystem in den betroffenen Staaten verbessert werden. So könnten Leben etwa von Neugeborenen und Kindern gerettet werden, die künstlich beatmet werden müssten.

Um kurzfristig die Engpässe in 20 stark betroffenen Staaten zu beheben, würden 90 Millionen Dollar Soforthilfe benötigt, erklärte die von der WHO geleitete internationale Gruppe. Das Geld müsse etwa nach Malawi, Nigeria und Afghanistan fliessen. Mit Blick auf das gesamte Jahr und den weltweiten Engpass seien sogar 1,6 Milliarden Euro nötig. Überdies wurde ein Einsatzstab gegründet, der sich mit dem fehlenden Sauerstoff befassen soll.

Grossbritannien senkt Warnstufe

Ein Expertengremium in Grossbritannien hat die Warnstufe in der Pandemie von der höchsten Stufe 5 auf 4 gesenkt. Das teilte das Gesundheitsministerium in London am Donnerstag mit. Die Gefahr eines Kollapses im Gesundheitssystem innerhalb von Wochen sei angesichts stetig sinkender Kennziffern nicht mehr gegeben, hiess es in der Mitteilung.

Trotzdem warnten die Experten vor Nachlässigkeit. «Wir sollten uns keine Illusionen machen – die Ansteckungsrate, der Druck auf die Krankenhäuser und die Zahl der Todesfälle sind weiterhin hoch». Bald sei mit einem erheblichen Effekt des Impfprogramms zu rechnen. Bis dahin sei es aber wichtig, wachsam zu bleiben und die Regeln zur Eindämmung der Pandemie zu beachten.

Die Lockdown-Massnahmen in dem Land bleiben trotz niedrigerer Warnstufe vorerst unverändert bestehen. In Grossbritannien steht das öffentliche Leben seit Anfang Januar weitgehend still.

Gorilla im Prager Zoo infiziert

Im Zoo von Prag hat sich ein Menschenaffe mit dem Coronavirus infiziert. Das Gorillamännchen Richard zeige nur sehr milde Symptome, vor allem Appetitlosigkeit und Müdigkeit, teilte Zoodirektor Miroslav Bobek am Donnerstag mit. Richard war im November 1991 in Frankfurt am Main zur Welt gekommen und lebt seit 2003 in der tschechischen Hauptstadt. Ebenfalls positiv getestet wurden die Löwen Jamwan und Suchi. Die Proben sollen nun genauer untersucht werden, um festzustellen, um welche Virusvariante es sich handelt.

Noch vor der Pandemie hatte Gorilla Richard im Prager Zoo reichlich Appetit.
Noch vor der Pandemie hatte Gorilla Richard im Prager Zoo reichlich Appetit.
Foto: Petr David Josek (AP/Keystone/Archiv)

Bobek geht davon aus, dass sich die Erkrankung «trotz aller Vorsicht und der ergriffenen Schutzmassnahmen» vom Pflegepersonal auf die Tiere übertragen habe. Dies hätten auch die Erfahrungen in anderen Tiergärten gezeigt. Wegen der Pandemie ist der Prager Zoo seit Monaten für die Öffentlichkeit geschlossen. Im Vor-Corona-Jahr 2019 hatten noch knapp 1,5 Millionen Besucher den Tierpark besichtigt, der damit zu den grössten Sehenswürdigkeiten in Tschechien zählte. Er verfügt auf einer Fläche von 58 Hektar über mehr als 680 Tierarten.

Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in USA sinken unerwartet stark

In den USA ist die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche kräftig gesunken. In der Woche bis zum 20. Februar wurden 730'000 Anträge gestellt, wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Das sind 111'000 Anträge weniger als in der Woche zuvor.

Analysten wurden vom Ausmass des Rückgangs überrascht. Sie waren im Schnitt zwar von weniger Erstanträgen ausgegangen, hatten aber immer noch 825'000 Erstanträge erwartet.

Der Wert für die Woche zuvor wurde ausserdem nach unten revidiert. Demnach waren in der Woche zum 13. Februar 841'000 Anträge registriert worden und nicht wie zunächst gemeldet 861'000. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe geben einen Eindruck über die kurzfristige Entwicklung am US-Arbeitsmarkt. Die Lage bleibt trotz des Rückgangs angespannt.

Derzeit nehmen etwa 4,42 Millionen Amerikaner Arbeitslosenhilfe in Anspruch. Die Zahl liegt wesentlich höher als vor Ausbruch der Corona-Pandemie. In den Monaten vor der Corona-Krise hatten darüber hinaus nur etwa 200'000 Personen pro Woche einen Hilfsantrag abgegeben.

Corona-Zahlen in Europa weiter hoch, aber klar unter Ende 2020

Die Gesamtzahl der Corona-Neuinfektionen in Europa liegt weiter deutlich unter dem Wert von Ende 2020, aber nach wie vor auf einem hohen Niveau.

Zwei Wochen nacheinander habe es in der gesamten WHO-Region Europa nun jeweils weniger als eine Million gemeldete neue Infektionen gegeben, sagte WHO-Regionaldirektor Hans Kluge am Donnerstag auf einer Online-Pressekonferenz in Kopenhagen.

Dieser Rückgang sei auf Länder zurückzuführen, die neue Massnahmen zur Verlangsamung der Virus-Ausbreitung eingeführt hätten. Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen sei seit Ende 2020 um fast die Hälfte zurückgegangen, aber immer noch zehnmal höher als im vergangenen Mai.

Das Coronavirus Sars-CoV-2 verbreite sich nach wie vor mit sehr hohen Raten in Europa, machte Kluge klar. Zwei Varianten – damit meinte er die zuerst in England und in Südafrika aufgetretenen Mutanten – verdrängten weiterhin andere Virus-Varianten und nähmen an Reichweite zu. Die WHO zählt insgesamt 53 Länder zur Region Europa, darunter zum Beispiel auch Russland und die Türkei.

In der EU kamen in der vergangenen Woche rund 650'000 Neuinfektionen hinzu, womit es in der Union bislang knapp 21,7 Millionen Infektionen gegeben hat, wie aus am Donnerstag aktualisierten Vergleichszahlen der EU-Gesundheitsbehörde ECDC hervorging. In der Woche davor waren rund 635'000 dazugekommen. Insgesamt war die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen seit Jahresbeginn zunächst stark gesunken.

Biontech und Pfizer starten Studie zu dritter Impfdosis

Pfizer und Biontech starten eine Studie zur Wirksamkeit einer dritten Dosis ihres Impfstoffes bei den derzeit grassierenden Virus-Mutanten. Es soll untersucht werden, wie eine zusätzliche Gabe des Vakzins gegen die neuen Varianten wirkt.

So würde etwa Studienteilnehmern in den USA sechs bis zwölf Monate nach den ersten beiden Impfungen eine dritte verabreicht, teilten die Impfstoffpartner am Donnerstag mit. «Die Studie zur Auffrischungsimpfung ist essenziell, um die Sicherheit einer dritten Dosis sowie die Immunität gegenüber derzeit kursierenden Stämmen nachvollziehen zu können», sagte Pfizer-Chef Albert Bourla.

Ausserdem spreche man mit Zulassungsbehörden wie der EMA in Europa und der FDA in den USA über eine klinische Studie zu einem angepassten Impfstoff. «Die Unternehmen hoffen, dass die Genehmigung zukünftiger angepasster mRNA-Impfstoffe auf einem ähnlichen regulatorischen Weg erfolgen kann, wie es derzeit für Grippeimpfstoffe der Fall ist», teilten Pfizer und Biontech mit.

SDA/AFP/red

3966 Kommentare
    martin storb

    Sahin sollte den Nobelpreis bekommen! Einmalig dieser Mann und seine Frau! DANKE!!!!