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Kolumne: Bern und soCorona negativ

Es gibt Menschen, die können vom Leben in Quarantäne nicht genug kriegen.

Ich bestaune gerade die Parallelwelt auf meinem Handy-Bildschirm, Modus Instagram. Schöne Menschen machen auf ihren Stand Up Paddles Yoga, verrenken sich gegenüber der flammend untergehenden Sonne, im Hintergrund ein Bulli mit bunten, selbst genähten Gardinchen und spielende Hunde. Diese Optimisten schaffen garantiert alle ein paar Kurven auf dem Skate oder Surfbrett und sicherlich ein paar Akkorde auf der Ukulele.

Mein Dreijähriger wühlt in seiner Instrumentenkiste und bringt den Holzfrosch. Ich schalte mein Handy aus, verdränge die Bilder aus der weiten Welt und kratze mit dem Stab über den Rücken des Tieres. Wir sitzen den dritten Tag zu Hause. Quarantäne. Eine Betreuungsperson aus der Kita in Biel hat Corona. Ein netter Mann vom Kantonsarztamt kommunizierte die Spielregeln, sie sind streng. Ich und mein Kind in der Wohnung, mein Partner ausquartiert, er bringt die Einkäufe.

Nun denn. Mit dem Trottinett kurven wir um den Esstisch, backen Weihnachtsgüezi, waschen die Stofftiergrossfamilie in der Maschine und sehen den Blumen auf der Terrasse beim Wachsen zu. Mein Sohn weiss jetzt, was Engerlinge sind, kann auf 15 zählen und kennt ein paar Buchstaben. Er kann Schere, Stein, Papier spielen und auch «Ich sehe etwas, was du nicht siehst».

An Tag vier sehe ich einen Silberstreifen am Horizont. Unsere Tests sind negativ (Nebenbemerkung: Sie stossen ein Rohr die Nase hoch bis zum Hirnansatz. Mein Sohn bekommt für die Tortur einen Lolli geschenkt, in mir schreit alles nach Wodka), und auch sonst gab es keine positiven Testungen aus dem Kita-Umfeld. Heisst, wir dürfen an Tag fünf das Haus wieder verlassen.

Ich packe also euphorisch den Rucksack für einen Waldtag. Und zwar so, dass wir für die nächsten zwölf Stunden nicht ins Haus zurückkehren müssen. Das Wetter spielt mit, der kleine Mensch noch gerade mit Lego. Als ich ihm freudig Schuhe und Jacke anziehen will, beginnt er zu toben. «Nicht jetzt, Mama», schreit er. «Ich will noch einen Moment zu Hause spielen.»